Dr. Doerte Kaufmann (r.) untersucht Katze „T‘chi“. Ihre Mitarbeiterin Simone Wolf hat sich als Hilfe bewährt, auf die die mobile Tierärztin nicht mehr verzichten möchte. © Marcel Drawe
Tierärztlicher Besuchsdienst

Corona und Haustiertrend: Mobile Tierärztin aus Unna ist froh über zwei zusätzliche Hände

Wegen Corona und Lockdown schafft sich mancher ein Haustier an. Wer schon eines hat, versorgt es noch besser. Unnas mobile Tierärztin hat daher alle Hände voll zu tun. Zum Glück hat sie inzwischen vier.

Dr. Doerte Kaufmann arbeitet von Lünern aus als mobile Tierärztin. Seit 16 Jahren ist sie Inhaberin des tierärztlichen Besuchsdienstes. Anfang 2020 überlegte sie, eine Helferin mit einer halben Stelle zu beschäftigen. Dann kam Corona – und sehr viel Arbeit. Helferin Simone Wolf wurde früher engagiert als geplant und direkt in Vollzeit. Die Pandemie mit ihren Begleiterscheinungen hat dazu geführt, dass die Dienste der Veterinärin gefragter sind denn je.

Dr. Doerte Kaufmann und Arzthelferin Simone Wolf sind mit diesem Fahrzeug im Kreis Unna und in Teilen von Dortmund unterwegs zu Hund, Katze, Vogel und Co. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Das Haustier ist durch Corona wichtiger geworden

Das Coronavirus hatte und hat bekanntlich zur Folge, dass viele Menschen viel mehr Zeit daheim verbringen als vorher. Oft wurde inzwischen über einen verstärkten Trend zum Haustier berichtet. Und Tierärztin Kaufmann bestätigt, dass ihr seit dem Frühjahr 2020 viele neue Patienten vorgestellt wurden. Der Stellenwert des Haustiers habe seit Anfang 2020 stark zugenommen. Kaufmann beobachtet in diesem Zusammenhang einen weiteren Trend: Viele, die bereits ein Tier oder mehrere haben, würden sich nun intensiver mit ihren Lieblingen beschäftigen. So falle jetzt zum Beispiel auf, wenn der Hund nicht mehr so gut hochkommt und womöglich altersbedingt Schwierigkeiten hat. Kaufmanns stellt fest: Viele Menschen beobachten ihre Tiere jetzt genauer. „Aus Tierarztsicht ist das natürlich toll“, sagt die Veterinärin.

Für viele Alleinstehende sei das Haustier der einzige Kontakt. Und nun in Zeiten von Lockdown und Kontaktverboten seien es eben diese Tiere, die für manche Menschen ihre kleine, normale Welt noch zusammenhalten. Geht es Hund, Katze oder Vogel schlecht, ist die Sorge nun umso größer. „Ich kenne meine Kunden“, sagt Kaufmann. „Und ich kenne ganz viele Geschichten von ihnen. Die Leute sind unglaublich dankbar, dass wir kommen.“

Mehr Sicherheit in den eigenen vier Wänden

Wer sich unsicher ist, ob es seinem vierbeinigen oder gefiederten Freund gutgeht, der lässt einen Experten hinsehen. Dass sich nun noch mehr Menschen als sonst bei ihr melden, könnte nach Doerte Kaufmanns Einschätzung auch daran liegen: „Viele fühlen sich sicherer zu Hause.“ Mancher Tierhalter, der aufgrund der Kontaktvermeidung ungern Menschen in einer Tierarztpraxis begegnen möchte oder dort inzwischen länger auf einen Termin warten muss, entscheide sich nun eben für den Hausbesuch durch die mobile Kleintierpraxis.

An Bord des Tierarztmobils ist eine vollständige Praxisausrüstung. Dr. Kaufmann kann alles bei den Haltern daheim erledigen, nur chirurgische Eingriffe nimmt sie in ihrer Praxis in Lünern vor. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Arzthelferin ermöglicht Kontaktvermeidung

Dr. Doerte Kaufmann nimmt Untersuchungen, auch Impfungen oder Blutentnahmen daheim bei den Tierhaltern vor. Das Einzugsgebiet ihres tierärztlichen Besuchsdienstes reicht im Kreis Unna von Fröndenberg bis nach Bergkamen und auch in den Raum Dortmund. Operationen erledigt sie in ihrer Praxis in Lünern. Mit Simone Wolf hat sie nun bei allen Hausbesuchen Unterstützung. Wenn ein Tier festgehalten werden muss, muss das nicht unbedingt der Besitzer tun. So muss es auch nicht zu unnötigen Kontakten kommen – wichtig in der Corona-Zeit.

Die Pandemie verlangt dem Tierarzt-Team auch ein Höchstmaß an Hygiene ab. Überzieher für die Schuhe, Handschuhe und FFP-2-Maske sind Standard, ebenso die regelmäßige Desinfektion von Material und Fahrzeug.

Die Entscheidung, ihre Helferin einzustellen, ist freilich mit Kosten verbunden. Es sei trotzdem eine gute gewesen, sagt Doerte Kaufmann. Und wenn irgendwann wieder mehr Normalität durch weniger Pandemie einkehrt? Dann wieder allein zu arbeiten und sich von Tierarzthelferin Simone Wolf zu trennen, komme gar nicht infrage, sagt Kaufmann. „Ich weiß schon gar nicht mehr, wie ich das alles früher ohne sie geschafft habe.“

Über den Autor
Lesen Sie jetzt