Anstehen vor der Impfstelle Unna in der Kreissporthalle: Später sollen Menschen ins Gebäude gedrängt haben, sodass die Polizei gerufen wurde. Lange Wartezeiten wie hier am 12. November sollen künftig durch eine vorherige Terminvergabe verhindert werden. © Alexander Heine
Coronavirus

Tumult vor Impfstelle Unna: Warten und Impfen, bis die Polizei kommt

Eine Augenzeugin schildert tumultartige Szenen und eine Art Torschlusspanik vor der Impfstelle Unna, wo Impfwillige stundenlang warteten. Schließlich kommt die Polizei, um die Wogen zu glätten.

„Impfen jetzt“ steht auf einem Poster, das Landrat Mario Löhr (SPD) im Rahmen einer aktuellen Impfkampagne in die Kamera hielt. Angesichts des jüngsten Riesenstaus vor der Impfstraße des Unnaer Kreisgesundheitsamts müsste es treffender heißen: „Impfen jetzt, gleich, später oder gar nicht“. Oder auch: „Warten und Impfen, bis die Polizei kommt“.

Denn Hunderte Menschen standen am Freitagnachmittag stundenlang Schlange vor der „Temporären Impfstelle im ehemaligen Impfzentrum“ an der Platanenallee in Unna. Wegen der langen Wartezeit und weil nicht wenige Wartende abgewiesen wurden, war die Empörung groß, wie unser Reporter vor Ort während einer Liveschaltung berichtet hatte. Am frühen Abend drohte die Situation dann zu eskalieren.

Torschlusspanik vor Impfstelle Unna

Renate Pelzer aus Methler gehörte zu den Letzten, die nach langem Ausharren in der Kälte noch eine Spritze bekamen. Die Augenzeugin schildert eine Art Torschlusspanik und tumultartige Szenen, die sich eine halbe Stunde vor der Schließungszeit (19 Uhr) abgespielt haben sollen. „Hinter uns waren noch rund 100 Leute“, sagte die 83-Jährige. „Als wir in das Gebäude gingen, wurde von hinten geschoben. Es war furchtbar.“ Eine Mann, der offenbar eine leitende Funktion hatte, habe gesagt, er rufe die Polizei. Ein Herr, der sich vorgedrängelt habe, „wollte ihn verhauen“.

Drei Streifenwagen im Einsatz

Tatsächlich schickte die Polizei drei Streifenwagen. „Wir sind gerufen worden, weil man fürchtete, dass es zu Ausschreitungen kommt“, hieß es am Samstag aus der Unnaer Polizei-Leitstelle. Vor Ort habe die Polizei „keine tumultartigen Szenen“ beobachten können. Straftaten seien nicht zu verzeichnen gewesen. Die Polizeisprecherin beschrieb die drohende Eskalation so: „Es waren Leute da, die es nicht gut fanden, dass sie keine Impfung bekommen haben. Wir waren dort zur Gefahrenabwehr.“

Statt an sieben Tagen pro Woche ist das frühere Impfzentrum nur noch an zwei Tagen als Impfstelle geöffnet. Das Kreisgesundheitsamt hält nach der Ende September erfolgten Schließung der Impfzentren in NRW vorläufig nur einen reduzierten Service in der Kreissporthalle bereit. Für mehr gibt es bislang offenbar keine Unterstützung von oben: Das NRW-Gesundheitsministerium hat jüngst Forderungen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur Wiedereröffnung der Impfzentren in alter Form eine Absage erteilt und auf Impfangebote in Arztpraxen verwiesen. Dort allerdings gibt es teils lange Wartezeiten.

Keine Impftermine frei bis Ende November

Wer sich kurzfristig „boostern“ lassen oder eine Erst- oder Zweitimpfung abholen will, stürzt sich auf staatliche Impfangebote. Nicht erst am Freitag hatten sich lange Schlangen vor der Impfstelle in Unna gebildet. Noch am selben Tag dann reagierte der Kreis Unna und führte eine Online-Terminvergabe für künftige Öffnungstage ein: kreis-unna.de/gegencorona.

Wer die Buchungsseite nicht unverzüglich, sondern erst am späten Samstagmorgen aufrief, hatte Pech. Gegen 10 Uhr waren nur noch Zeitfenster für einen Tag Ende November grün. Am Mittag waren dann alle Impftermine bis Ende November vergeben. Die Buchungsmöglichkeit für Dezember war noch nicht freigeschaltet. Die Hoffnung, kurzfristig einen Termin zu bekommen, hat sich damit für längere Zeit zerschlagen.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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