Hier ist es nur eine Puppe, mit der das Prinzip der Babyklappe beziehungsweise des Babyfensters veranschaulicht wird. Doch in Unna ist nun ein echtes Kind in die Obhut des Krankenhauspersonals gegeben worden. © dpa
Familie

Verzweifelte Mutter gibt ihr Kind in die Babyklappe am Krankenhaus

Im Babyfenster des Christlichen Klinikums Unna ist ein Kind abgegeben worden. Dem kleinen Mädchen gehe es gesundheitlich gut. Sorgen machen sich Krankenhaus und Stadt um die Mutter.

Mütter, die für sich und ihr Kind keine gemeinsame Perspektive sehen, haben in Unna eine Anlaufstelle für den absoluten Notfall: Seit 2002 gibt es am Krankenhaus in der Innenstadt ein Babyfenster. Nun ist ist es benutzt worden, inzwischen zum 13. Mal.

Einige Wochen sind inzwischen vergangen, seit das damals neugeborene Kind in das Wärmebettchen hinter dem Fenster gelegt worden ist. Es ist ein übliches Verfahren, dass Krankenhaus und Jugendamt diese Zeitspanne verstreichen lassen, ehe sie mit dem Fall an die Öffentlichkeit herantreten und vielleicht auch die Mutter damit erreichen. Wer sich entschieden hat, sein eigenes Kind hinter eine Klappe zu legen, um es vielleicht für immer von sich zu geben, der steckt mit Sicherheit in einer extremen Notlage.

Zwar finden die Benutzer des Babyfensters Informationsmaterial inklusive Kontaktmöglichkeiten vor, wenn sie die Klappe am Christlichen Klinikum Mitte öffnen, aber der Mutter soll Zeit gegeben werden, bis es den Versuch einer Kontaktaufnahme im Wege der „öffentlichen Zustellung“ gibt.

Das Babyfenster am ehemaligen Katharinen-Hospital, dem heutigen Innenstadtstandort des Christlichen Klinikums Unna: Hinter dieser Klappe befindet sich ein Wärmebett, in das ein Kind gelegt werden kann. Zeitversetzt löst die Benutzung einen Alarm aus, der Pflegepersonal herbeiruft.
Das Babyfenster am ehemaligen Katharinen-Hospital, dem heutigen Innenstadtstandort des Christlichen Klinikums Unna: Hinter dieser Klappe befindet sich ein Wärmebett, in das ein Kind gelegt werden kann. Zeitversetzt löst die Benutzung einen Alarm aus, der Pflegepersonal herbeiruft. © Archiv © Archiv

Dem kleinen Mädchen gehe es gesundheitlich gut, erklären Stadt und Krankenhaus gemeinsam. Das Kind befindet sich nach der Erstversorgung durch das Klinikpersonal in der Obhut einer Pflegefamilie, die sich der Stadt als Bereitschaft angeboten hatte. Sorgen machen sich die Verantwortlichen um die Mutter.

Viele Fragen stehen im Raum: Wie geht es ihr nach der Geburt selbst, körperlich und seelisch? Wie gut verkraftet sie ihre Entscheidung? Möchte sie sie überdenken?

Bis zum 19. März kann die Mutter ihre Entscheidung überdenken

Krankenhaus und Jugendamt bieten sich der Frau an, um ihr medizinische, psychologische und soziale Hilfe zu leisten. Bis zum 19. März, 12 Uhr, könne sie sich melden, wenn sie ihr Kind doch noch zu sich nehmen möchte. Danach würde das Mädchen in eine Adoptivfamilie gegeben. Die Zeit in der Bereitschaftspflegefamilie gelte es zu begrenzen, damit die Bindung nicht zu stark und der Schmerz des Abschiedes nicht zu groß wird.

Wichtig für die Mutter: Sie kann weiterhin anonym bleiben und verpflichtet sich mit einer Kontaktaufnahme zu nichts. So schwierig die ganze Situation auch ist, stellt das Christliche Klinikum als Nachfolger des Katharinen-Hospitals die Gesundheit von Kind und Mutter über ein konservatives Familienbild. Sogar vertrauliche Geburten sind in Unna möglich, damit Frauen ihr Kind nicht ohne medizinische Begleitung auf die Welt bringen.

Die Mutter kann sich melden, gerne auch anonym. Ansprechpartner sind Kristine Doll-Müller von Jugendamt der Stadt Unna, (02303) 103-572, und im Krankenhaus Pflegedirektor Ralf Effmert, (0170) 7 68 69 16.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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