Abiturienten allein zu Haus: Einsames Lernen, Zukunftsängste und ein verlorener Abschied

hzCoronavirus

Emily Rosing und Noah Robers bereiten sich zu Hause auf das Abitur vor. Alleine. Wann die Prüfungen stattfinden, ist aber noch unklar. Und auch die Zukunftspläne stehen zum Teil auf der Kippe.

Vreden

, 25.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die letzten Fragen mit den Lehrern klären, den Stoff wiederholen, mit Freunden Zukunftspläne schmieden, sich gegenseitig die Nervosität nehmen und sich auf die Mottowoche freuen - all das können Emily Rosing und Noah Robers wegen des Coronavirus nicht tun. Stattdessen bereiten sich die beiden zu Hause alleine auf die Abiturprüfungen vor, von denen sie noch nicht einmal wissen, wann sie überhaupt stattfinden.

Als am 13. März langsam die Nachricht durchsickerte, dass die Schulen wohl komplett geschlossen werden, herrschte im Abiturjahrgang am Gymnasium Georgianum eine bedrückte Stimmung. „Viele von uns haben geweint, einige waren richtig verzweifelt. Die Lehrer haben uns einfach viel Glück für die kommenden Wochen gewünscht“, erinnert sich Emily Rosing.

Abitur-Vorbereitung alleine zu Hause

„Mit dem Stoff waren wir in den meisten Fächern durch“, erzählt Noah Robers. „Aber diese letzten Tage wollten wir für Wiederholungen nutzen. Wir wollten alte Abiturprüfungen machen und die letzten Fragen mit den Lehrern klären.“

Noah Robers geht davon aus, dass die Abiturprüfungen wie geplant stattfinden werden.

Noah Robers geht davon aus, dass die Abiturprüfungen wie geplant stattfinden werden. © Privat

Stattdessen sitzen die Abiturienten nun zu Hause. Ganz alleine lassen die Lehrer die Schüler aber natürlich nicht. „Wir sind mit den Lehrern unserer Abifächer in Kontakt und bekommen Aufgaben und Material. Wir können auch immer Fragen stellen, aber es ist nicht dasselbe“, findet Noah Robers.

Ungewissheit, ob die Prüfungen überhaupt stattfinden

Hinzu kommt die Ungewissheit. Denn noch immer gibt es viele offene Fragen. Am Mittwoch hat das Schulministerium NRW zwar mitgeteilt, dass die Abiturprüfungen nicht abgesagt werden, doch wann und wie die Prüfungen geschrieben werden, steht noch nicht fest. Der Zeitplan soll am Freitag (27.3.) vorgestellt werden.

„Wir können den Schülern im Moment nur raten, sich so vorzubereiten, als wenn die Prüfungen zum geplanten Zeitpunkt stattfinden“, sagt Stufenleiter Hendrik Schulze-Ameling. Darauf zu spekulieren, dass sie weit nach hinten verschoben werden, könnte fatal enden. Noch ein Problem sieht der Stufenleiter: „Die aktuelle Situation, diese Krise, vielleicht sogar die Angst vor dem Virus - das alles zusammen mit den Prüfungsvorbereitungen ist schon sehr viel auf einmal.“

Jetzt lesen

Noah Robers versucht trotz allem, das Positive in den Schulschließungen zu sehen: „Wir haben jetzt mehr Zeit zum Lernen und wir sind quasi dazu gezwungen, weil wir ja gerade eh nichts anderes tun können.“ Auch Emily Rosing bleibt jetzt konsequent zu Hause, trifft sich mit Freunden nur virtuell über Whatsapp oder Skype: „Wir müssen das Virus jetzt eindämmen und damit auch die Chancen erhöhen, dass das Abitur nach Plan ablaufen kann.“

Zukunftspläne: Alles könnte sich verzögern

Mit Blick in die Zukunft hat Noah Robers aber auch Sorgen. Am 1. August wollte er ein duales Studium bei Airbus in Hamburg anfangen. Ob das klappt, steht in den Sternen. Denn die Prüfungen der Studenten, die in diesem Jahr dort den Abschluss machen, werden eventuell auch verschoben.

Noah Robers hofft, dass zumindest der Abiball im Juni stattfinden kann.

Noah Robers hofft, dass zumindest der Abiball im Juni stattfinden kann. © Privat

Und so könnte sich alles verzögern. „Ich weiß jetzt noch nicht, ob ich das duale Studium im August antreten kann oder nicht“, berichtet Noah Robers.

Emily Rosing möchte nach den Sommerferien ein Freiwilliges Soziales Jahr an einer Grundschule machen, um herauszufinden, ob Lehrerin ein geeigneter Beruf für sie wäre. „Für das FSJ brauche ich das Abitur nicht unbedingt. Aber ich hoffe trotzdem, dass ich es bis dahin habe.“

Das Schulministerium NRW schreibt in einer Pressemitteilung zumindest deutlich: „Der Jahrgang kann sich darauf verlassen, dass ihm keine Nachteile entstehen.“

Plötzlich war die Schulzeit vorbei - ohne großen Abschied

Normalerweise genießen Abiturienten diese Zeit in vollen Zügen. Sie feiern das Ende der Schulzeit, treffen sich mit Freunden, um die ersten warmen Sonnenstrahlen zu genießen, bevor sie sich in die ganze Welt verteilen. Sie feiern Abipartys und bilden Lerngruppen, um sich auf die Prüfungen vorzubereiten. In diesem Jahr ist all das unter Strafe verboten.

Jetzt lesen

Von jetzt auf gleich war die Schulzeit der Abiturienten vorbei. Vermutlich für immer. „Das ist ein ganz komisches Gefühl, weil man ja auch nicht weiß, wann und ob man die Mitschüler noch mal wiedersieht“, erzählt Emily Rosing.

Emily Robers findet es schade, dass sie sich nicht richtig von allen Mitschülern verabschieden konnte.

Emily Robers findet es schade, dass sie sich nicht richtig von allen Mitschülern verabschieden konnte. © Privat

Die Mottowoche und der Chaostag, die eigentlich den krönenden Abschluss der Schulzeit bilden, wurden abgesagt, genau wie die Abipartys. Für den Chaostag gibt es Anfang Juni einen Ausweichtermin - ungewiss, ob das klappen kann. „Wir hoffen, dass wenigstens unser Abiball Ende Juni stattfinden kann. Sonst würde unsere Schulzeit wirklich ganz komisch enden“, sagt Noah Robers.

Lesen Sie jetzt