"Adreßkalender" statt Telefonbuch und Suchmaschine

15.01.2008, 18:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Adreßkalender" statt Telefonbuch   und Suchmaschine

<p>Der Titel des Büchleins.</p>

Vreden Wer macht was und wo? Heute gibt es Telefonbücher oder das Internet, um diese Frage zu beantworten. Zurück ins Jahr 1822: Da wurde der "Adress=Kalender für den Bezirk der Königl. Preuß. Regierung in Münster auf das Jahr 1823" herausgegeben, vom Verlag Coppenrath in Münster. Im Jahr 2007 erlebte der Kalender eine "Neuauflage" - dank des Heimatvereins Vreden: Der Verein gab einen Faksimiledruck in der Reihe "Vredener Reprints" heraus.

Königreich Preußen

Wie Heimatvereinsvorsitzender und Historiker Dr. Hermann Terhalle in dem Nachdruck voranstellt, habe man mit den Kalender von 1823 vielleicht an die Tradition der münsterschen "Hof- und Adreßkalender" anknüpfen wollen. Diese aus den Jahren 1776, 1786 und 1813 hatte der Heimatverein bereits herausgegeben. Was war 1822 anders? Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft und den Beschlüssen des Wiener Kongresses von 1815 kamen große Teile des Fürstbistums Münster an das Königreich Preußen. Sie zählten zur Provinz Westfalen. Von nun an wurden die Behörden der Provinz und der Regierungsbezirke im preußischen Staatshandbuch oder im Staatskalender erwähnt. Vielleicht, mutmaßt Terhalle, habe man mit dem "Adreßkalender" umfassender die Behörden vorstellen können als im Staatshandbuch.

So sind in dem Büchlein alle Amtsträger im "Königlichen General-Commando des siebenten Armee-Corps" genauso aufgezählt wie die Beamten der Stadt Münster. Fehlen dürfen nicht alle Namen aus dem Gerichtswesen - so ist aufgelistet, dass Land- und Stadtrichter Bockemöller und Assessor Woldering im Land- und Stadtgericht zu Ahaus tätig sind und dass das Land- und Stadtgericht Stadtlohn - "hat seinen Sitz zu Vreden" - kommissarisch geleitet wird von Land- und Stadtrichter Weverinck.

Doch hat das Büchlein, das nach Aussagen Terhalles vor allem wohl Behörden als Nachschlagewerk gedient haben dürfte, auch durchaus serviceorientierte und unterhaltsame Teile aufzubieten: Die katholischen, evangelischen und jüdischen Namenstage sind aufgeführt, Sonnen- und Mondfinsternisse und Jahreszeiten werden erläutert. 48 Seiten sind dem Adel gewidmet: Die "Genealogie der regierenden hohen Häuser und anderer Fürstlicher Personen in Europa" informiert ausführlichst über die Fürsten Europas. ewa

Das Buch ist für zwölf Euro im Hamalandmuseum und im örtlichen Buchhandel erhältlich.

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