Bargeld in Vreden: Weniger Automaten, eingeschränkte Zeiten

hzSicherheit von Geldautomaten

Fast jeden Tag fliegt ein Geldautomat in die Luft. Die Konsequenz: Auch in Vreden werden Automaten abgebaut, oder sind nachts nicht nutzbar. Bargeld ist nicht überall und immer zu bekommen.

Vreden

, 29.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nordrhein-Westfalen wird zum Hotspot. Allein in diesem Jahr (Stand 27. Juli) wurden 120 Geldautomaten gesprengt. In 76 Fällen mussten die Täter allerdings abbrechen, ohne Beute. Neben polizeilichen Maßnahmen hat das Landeskriminalamt (LKA) ein „internes Papier“ an Banken und Geldinstitute ausgegeben. Ziel sei, so LKA-Sprecher Frank Scheulen, dafür zu sensibilisieren, ein besonderes Augenmerk auf solche Geldautomaten zu richten, durch die im Falle einer Sprengung Menschen zu Schaden kommen könnten. Also solche, die außen, oft an Hauswänden angebracht sind.

LKA-Hinweise für Banken und Geldinstitute

Ein Rat zum Abbau von Geldautomaten gebe es in dem „LKA-Hinweisblatt“ aber nicht. „Das ist so nicht richtig“, bekräftigt der LKA-Sprecher. Vielmehr gebe man verschiedene Parameter an die Hand, auf deren Grundlagen die Banken das jeweilige Risiko selbst einschätzen und Maßnahmen veranlassen.

Die Volksbank hat einige Automaten in Ahaus, Lünten und Ammeloe außer Betrieb genommen.

Die Volksbank hat einige Automaten in Ahaus, Lünten und Ammeloe außer Betrieb genommen. © Markus Gehring

Die Volksbank Gronau-Ahaus hat das bereits getan und die (vorübergehende) Schließung von zwei SB-Filialen in Vreden beschlossen. Wegen der „Warnung“ des Landeskriminalamtes, heißt es in der Begründung von Hans-Gerd Ostendarp (Teilmarktleiter Vreden).

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Insgesamt stehen den Volksbank-Kunden damit aktuell Geldautomaten in fünf Filialen in Vreden zur Verfügung: Wüllener und Zwillbrocker Straße, Kirchplatz, Winterwyker Straße und Ellewick. Aber nur von 6 bis 24 Uhr. Ebenfalls auf Empfehlung des LKA.

Schließungen wegen Corona

Immer noch geschlossen sind die Filialen der Sparkasse Westmünsterland in Ammeloe, Ellewick und Lünten. Das allerdings aus einem ganz anderen Grund, wie Robert Klein, Leiter Kommunikation und Medien, erklärt: „Im Zuge der Corona-Pandemie wurden Mitarbeiter abgezogen.“ Die Geldautomaten, insgesamt drei, sind davon aber nicht betroffen. „Die laufen ganz normal weiter“, sagt Klein. Die seien nicht als „Risikofälle“ einzuschätzen gewesen.

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Allerdings ist man in einem anderen Punkt den Empfehlungen der Kriminalisten gefolgt: Die Geldautomaten sind in der Zeit von 24 bis 6 Uhr nicht nutzbar, die Filial-Türen bleiben zu. Das genau nämlich sei der Zeitraum, in der die meisten Taten passierten.

Die Sparkassen-Filiale an der Winterswyker Straße ist nachts aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Die Sparkassen-Filiale an der Winterswyker Straße ist nachts aus Sicherheitsgründen geschlossen. © Victoria Garwer

Das weiß auch Kriminalhauptkommissar Frank Scheulen nur zu genau. Und auch, dass die Täter oft einer bestimmten Personengruppe aus den Niederlanden angehören: „Dort gibt es eben sehr viel weniger Geldautomaten, und die sind auch anders geschützt.“ Was die Niederländer bei ihren Geldautomaten anders machen als die Deutschen, will Scheulen aber nicht sagen: „Da müssen sie sich bei den Banken dort informieren.“

Deutsche Bank geht eigenen Weg

Die Deutsche Bank (DB) hat bereits vor zwei Jahren eine Entscheidung getroffen und deutschlandweit die Türen in allen SB-Stellen – eben auch in Vreden – während der Nacht geschlossen. „Das hat aber nichts mit Corona oder den LKA-Empfehlungen zu tun, wir verfolgen unsere eigene Strategie“, sagt dazu ein Sprecher der Deutschen Bank aus Frankfurt.

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Die Sprengung von Geldautomaten beschäftige sein Haus schon seit Jahren: „Wir wollen optimalen Service für die Kunden, aber auch optimale Sicherheit.“ Während der Nacht fänden, so der DB-Sprecher, zudem die wenigsten Transaktionen statt.

Tipp: Kontaktlos bezahlen

Eine Erfahrung, die auch Robert Klein von der Sparkasse Westmünsterland sowie Hans-Gerd Ostendarp (Volksbank Gronau-Ahaus) teilen und einen Rat hinzufügen: „In Zeiten von Corona und mit Blick auf Hygieneregeln macht es ja durchaus Sinn, kontaktlos zu zahlen, ohne Bargeld“, sagt Robert Klein. „Wir weisen auch auf alternative Bezahlformen hin, die unseren Kunden unabhängig von den Öffnungszeiten der SB-Zonen eine Zahlungsmöglichkeit garantiert“, bekräftigt Hans-Gerd Ostendarp.

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