Bagger macht ehemaliges Bierbaum-Gebäude dem Erdboden gleich

hzAbrissarbeiten

Der Abriss auf dem Bierbaum-Gelände macht schnell Fortschritte. Eine komplette Wand der ehemaligen Spinnerei fehlt schon. Auch den Staub haben die Arbeiter inzwischen in den Griff bekommen.

Vreden

, 01.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mittwochmorgen am ehemaligen Bierbaum-Gebäude. Der Abrissbagger hat schon ganze Arbeit geleistet: In der nördlichen Mauer des ehemaligen Textillagers klafft ein riesiges Loch. Drei Etagen des Stahlbetonkolosses liegen bereits frei.

Mit gezielten Griffen fasst der große Bagger Stahlträger, zerschneidet sie mit immenser Kraft wie Streichhölzer. Ein großes Stück einer ehemaligen Betondecke stürzt zu Boden.

Jetzt lesen

Tobias Gröbner ist Bauwerksmechaniker für Abbruch- und Betontrenntechnik. Hinter dem etwas sperrigen Begriff verbirgt sich eine dreijährige Ausbildung. Er weiß genau, wo und wie er gegen Mauern und Stahl vorgehen muss, um das Gebäude kontrolliert abzureißen.

Wo die schwere Hydraulikschere zufasst, gibt es kein Halten mehr: Ob Stahlträger, Mauerwerk oder Betondecke, das ehemalige Bierbaum-Gebäude löst sich in seine Einzelteile auf.

Wo die schwere Hydraulikschere zufasst, gibt es kein Halten mehr: Ob Stahlträger, Mauerwerk oder Betondecke, das ehemalige Bierbaum-Gebäude löst sich in seine Einzelteile auf. © Stephan Teine

Der unbeteiligte Beobachter würde sagen, er fährt den großen Abrissbagger. Stückchenweise knabbert er die Mauerstücke aus dem Gebäude. Sie fallen zu Boden und werden dort dann weiter zerkleinert und sortiert. Steine und Metallteile, die schweren Stahlträger und die tausenden Backsteine müssen ganz genau auseinander gehalten werden. Bereits bevor der Bagger anrückte wurden Dämmmaterial, Lampen, elektrische Leitungen oder Rohre aus dem Gebäude geholt. „Es ist komplett entkernt“, sagt Tobias Gröbner.

Staub machte den Anwohner Anfang der Woche Probleme

Wo die große Hydraulikschere zufasst, hat die fast 100 Jahre alte Bausubstanz nicht viel entgegenzusetzen. Sie löst sich wortwörtlich in Staub auf. Der jedoch war noch am Tag zuvor für einige Nachbarn ein großes Problem. Der Wind wehte ihn direkt in Richtung der Häuser an der Norbertstraße. Dick und schmierig legte er sich auf Autos, Fensterbänke und in die Vorgärten.

Der Staub sorgte Anfang der Woche für einigen Ärger bei den Anwohnern. Die Arbeiter besserten nach und legten dickere Wasserleitungen. Der Regen entschärfte die Situation am Mittwoch zusätzlich.

Der Staub sorgte Anfang der Woche für einigen Ärger bei den Anwohnern. Die Arbeiter besserten nach und legten dickere Wasserleitungen. Der Regen entschärfte die Situation am Mittwoch zusätzlich. © Stephan Teine

„Ich möchte nicht, dass wir Probleme mit den Nachbarn bekommen“, sagte da Tobias Gröbner. Mit seinen Kollegen hat er deswegen die Strategie beim Abriss überarbeitet. Statt nur mit einer großen Turbine wird das Wasser nun zusätzlich per Schlauch von einem Hubsteiger aus direkt zur Abrissschere gespritzt. Das soll den Staub schneller binden, sodass er gar nicht erst vom Wind erfasst werden kann.

Regen und mehr Wasser sollen Staub in Schach halten

Am Mittwoch ist das alles dank des beständigen Regens und einer dickeren Wasserleitung schon fast wieder vergessen. Auch die dicke Staubschicht auf einigen geparkten Autos ist da längst wieder weggespült. Das sorgte auch bei den Nachbarn für bessere Laune. „So ein Abriss geht eben nicht ganz ohne Staub“, sagt einer von ihnen und zuckt mit den Schultern, als er seine Mülltonne von der Straße hereinholt.

Jetzt lesen

Insgesamt freuen sie sich, dass die Mauer unmittelbar vor ihren Häusern nun verschwindet. Allerdings machen sie sich auch Gedanken darüber, was einmal so nah vor ihren Häusern gebaut wird.

Fachleute sehen großen Abriss gelassen

Der Abriss des ehemaligen Bierbaum-Gebäudes hat in Vreden für viele Diskussionen gesorgt. Das Stadtbild wird sich deutlich verändern, wenn der fast 100 Jahre alte Bau verschwunden ist. Aus Sicht der Fachleute sind die Arbeiten an dem hohen Gebäude aber eigentlich nichts besonderes. „Klar, der Maßstab ist ein bisschen größer“, sagt Tobias Gröbner, als der Bagger kurz still steht.

Ansonsten sei es aber ein ganz normaler Abriss: „Das Gebäude ist komplett entkernt und wird jetzt nach und nach von oben nach unten abgetragen“, erklärt er.

Vier Monate soll sich der gesamte Abriss hinziehen. Bis dahin werden geschätzt 65.000 Kubikmeter Schutt entstehen und abgefahren.

Vier Monate soll sich der gesamte Abriss hinziehen. Bis dahin werden geschätzt 65.000 Kubikmeter Schutt entstehen und abgefahren. © Stephan Teine

Insgesamt sind rund vier Monate für den kompletten Abriss eingeplant. In dieser Zeit werden geschätzt 65.000 Kubikmeter Schutt anfallen und abgefahren. Was auf dem Gelände danach entsteht, ist noch nicht endgültig klar. Der Eigentümer, die Firma Stroetmann aus Münster, würde dort gerne einen neuen Edeka-Markt und 150 Wohnungen errichten. Das hatte der Rat Ende 2019 abgelehnt. Die Planungen laufen allerdings weiter.

Lesen Sie jetzt