Bücherei möchte künftig auch abends und über Mittag öffnen – aber ohne Servicepersonal

hzOpen Library

Die Bücherei in Vreden soll künftig mehr als 40 Stunden pro Woche ohne Personal geöffnet sein. Wie genau das funktionieren soll, hat Büchereileiter Michael Schürmann erklärt.

Vreden

, 19.06.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Bücherei möchte ihre Öffnungszeiten erweitern und zwar von 27 Stunden an fünf Tagen pro Woche auf 68,5 Stunden an sechs Tagen. In den Morgenstunden, in der Mittagszeit und am Abend soll aber kein Personal vor Ort sein. In der Sitzung des Sport-, Bildungs- und Kulturausschusses hat Büchereileiter Michael Schürmann erklärt, wie das funktionieren soll.

? Eine geöffnete Bücherei ohne Personal – wie soll das gehen?

Das Konzept heißt Open Library, also Offene Bibliothek. Nutzer mit Leseausweis können zu bestimmten Zeiten die Bücherei betreten und dort arbeiten, lesen, Spiele spielen und auch selber Medien ausleihen. Am Eingang müssen sie dafür ihren Leseausweis einscannen, erst dann öffnet sich die Tür. Servicepersonal soll zu diesen Zeiten nicht anwesend sein.

? Gibt es keine Bedenken wegen Vandalismus?

Doch, diesen Einwand haben auch die Kommunalpolitiker und die Mitglieder des Kirchenvorstandes geäußert. „Es gibt bislang aus den Großstädten, wo es dieses Konzept gibt, keine Meldungen von Vandalismus-Schäden“, sagt Michael Schürmann dazu. In Vreden wurde bereits vor einigen Jahren eine Rückgabestation im Windfang installiert, die auch außerhalb der Öffnungszeiten zugänglich ist. Hier habe es bislang keine Verschmutzungen oder Sachbeschädigungen gegeben, so Schürmann.

Ausschließen könne man das jedoch natürlich nie. Deswegen sollen sechs Kameras in der Bücherei alles aufzeichnen. Außerdem ist durch die Zugangsbeschränkung mit Leseausweis zu jedem Zeitpunkt klar, wer sich gerade im Gebäude aufhält.

? Und der Datenschutz?

Zu diesem Thema führt die Bücherei derzeit Gespräche mit der Datenschutzbeauftragten des Bistums. „Wir wollen zum Beispiel klären, wie lange die Videoaufnahmen gespeichert werden“, berichtet Michael Schürmann. Da gehe es aber keinesfalls um mehrere Wochen, sondern eher um Stunden, höchstens Tage. Wenn in der Bücherei doch mal was passiert, sei die Datenschutzbeauftragte die einzige Person, die Zugriff auf die Aufnahmen habe.

? Was ist, wenn sich jemand verletzt?

Auch das kann natürlich nie ausgeschlossen werden. Es ist geplant, dass abends, wenn die Bücherei endgültig schließt, eine Honorarkraft einen Abschlussrundgang macht. Sie schaut dann nach, ob sich noch jemand im Gebäude aufhält oder ob etwas passiert ist. Die Bücherei klärt zudem gerade offene Fragen in diesem Zusammenhang mit den Versicherungen. Dabei geht es unter anderem darum, ob etwa der Aufzug in Betrieb sein darf.

Bücherei möchte künftig auch abends und über Mittag öffnen – aber ohne Servicepersonal

Künftig sollen die Nutzer auch abends oder über Mittag in den Medien stöbern können. © Markus Gehring

? Hat die Bücherei auch über den Jugendschutz nachgedacht?

Ja, auch dazu hat sich Michael Schürmann geäußert. Über den Leseausweis kann zum Beispiel festgelegt werden, wer welche Medien ausleihen kann. Außerdem können die Öffnungszeiten für bestimmte Altersgruppen eingeschränkt werden. Man könnte also festlegen, dass abends nach einer bestimmten Uhrzeit keine Kinder und Jugendlichen mehr in die Bücherei dürfen.

? Um welche Zeiten geht es genau?

Geplant ist, 41,5 Stunden pro Woche ohne Servicepersonal zu öffnen. Die Wochenöffnungsstunden würden sich also von 27 auf 68,5 erhöhen. Die Bücherei könnte durch das neue System durchgängig von Montag bis Samstags jeweils von 7.30 bis 20 Uhr öffnen. Auch eine servicefreie Öffnung am Sonntag wäre möglich, wenn auch im Moment nicht eingeplant.

Nur am Montag- und Donnerstagnachmittag müsste die Bibliothek für einige Stunden schließen. „Unsere Reinigungskraft braucht auch Zeit, um die Räume in Ruhe säubern zu können“, erklärt Michael Schürmann. Die gewohnten Öffnungszeiten mit Servicepersonal bleiben erhalten.

? Was erhofft sich die Bücherei davon?

Der Büchereileiter möchte vor allem die Pendler erreichen. Menschen, die in Vreden arbeiten, könnten ihre Mittagspause nutzen, um in die Bücherei zu gehen. Andersherum könnten aber auch Vredener, die tagsüber in anderen Städten arbeiten, die Abendöffnungszeiten nutzen. Michael Schürmann hat sich das Ziel gesetzt, durch das neue System die Zahl der Nutzer um zwei Prozent zu erhöhen.

? Was kostet das Ganze und wer bezahlt das?
Die Gesamtkosten für die neue Technik und kleinere Umbaumaßnahmen betragen rund 36.600 Euro. Das Land NRW würde davon als Fördermaßnahme 18.800 Euro übernehmen. Den Rest teilen sich die Stadt Vreden und die Kirchengemeinde, sodass der Eigenanteil für beide jeweils 9000 Euro beträgt. Hinzu kommen laufende Kosten zum Beispiel für das Personal für die Abschlusskontrolle abends, erhöhte Strom- und Heizkosten und die Technik zur Zulassungsbeschränkung. Die Stadt plant hier mit rund 3000 Euro pro Jahr, die in den Haushalt eingestellt werden sollen.

? Wie ist der Zeitplan?

Der Fachausschuss war begeistert von der Idee. Er hat dem Rat empfohlen, die finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen. Wenn der Rat zustimmt, kann die konkrete Planung beginnen. Der Förderantrag soll im Herbst gestellt werden, die Umsetzung würde 2020 starten.

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