Bummel mit Kamel-Boots

Kamel Goliath erkundet mit orthopädischem Schuhwerk die Innenstadt

19.05.2007 / Lesedauer: 3 min

«Kein Problem» - Orthopädieschuhmachermeister Peter Wessels strahlt am Freitag wie die Morgensonne, denn auch Goliaths neuen Schuhe, die fünf Millimeter höher sind als die alten, passen perfekt. Wie berichtet, hatte der Vredener Spezialist für große Schuhe im vergangenen Jahr für das wegen einer Brandverletzung und einer genetischen Fehlbildung lahm gewordene Tier orthopädische Schuhe angefertigt - sicher einmalig in der Kamelwelt. Das Ergebnis: «Eine Erfolgsstory» betont Jörg-Wilhelm Schmid in bestem Schweizerisch, «als Besitzer leidet man doch schwer mit einem lahmen Tier. Wir hatten schon alles Mögliche probiert. Aber das mit den Schuhen war Gold wert!» Morgens und abends drehe Goliath mit seinen Schuhen jeweils eine Runde durchs Dorf, wie seine Begleiterin Hannelore Dangela-Beuven erzählt, und laufe jetzt wieder ganz normal und lasse sich von schwerstbehinderten und kranken Kindern streicheln, die zur tiergestützten Therapie zum Kamelhof in Bonndorf im Schwarzwald kommen. So haben Goliath und sein etwa gleichaltriger Kumpel Selim - beides genau genommen sibirische Trampeltiere - auch nichts dagegen, sich vom Vredener Nachwuchs kraulen zu lassen, morgens in der Neustraße, in der sich schnell Interessierte um sie scharen, oder später am St. Georg-Kindergarten. Bei den Kleinen vergeht schnell der Respekt vor den braven, aber immerhin mehr als 600 Kilo schweren Tieren, die gerade ihr zotteliges Winterfell verlieren. Nur der Blondschopf in der Neustraße wagt sich nicht so ganz nah heran - aber von weitem hat er auch seinen Spaß an den Trampeltieren. Die rupfen derweil die Buchenhecke vor der Volksbank in eine neue Form und kauen genüsslich, während um sie herum Handy- und Digitalkameras gezückt werden. Wesley Wessels, der 16-jährige Sohn von Peter Wessels, war vor einem Jahr mit zur Anprobe im Schwarzwald und lässt es sich jetzt nicht nehmen, den entdeckungslustigen Selim ein wenig in Schach zu halten, den es schon mal in Richtung Marktplatz treibt. Als «Kameltreiber» geht er weiter mit auf die Entdeckungstour durch die Vredener Innenstadt: Zur kleinen Stärkung in die benachbarte Bäckerei Geelink, und zum Kindergarten St Georg. «Heute Nachmittag wollen wir Flamingos sehen», erzählt Schmid, «und einmal über die Grenze nach Holland gucken.» Über die Grenze dürfen sie ja nicht - die Gesetze... Die menschlichen und tierischen Gäste haben auf einem Vredener Bauernhof übernachtet. Und heute geht es über Dormagen - «da ist auch ein Kamelhof, so Schmid - dann wieder auf den Rückweg in Richtung Schweizer Grenze. ewa

Lesen Sie jetzt