Das "Who ist Who" des Jahres 1823

09.01.2008, 17:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das "Who ist Who" des Jahres 1823

<p>Das Titelblatt des "Adreß=Kalenders".</p>

Vreden Wer macht was und wo? Heute gibt es unter anderem Telefonbücher oder das Internet, um diese Frage zu beantworten. Zurück ins Jahr 1822: Da wurde der "Adress=Kalender für den Bezirk der Königl. Preuß. Regierung in Münster auf das Jahr 1823" herausgegeben, vom Verlag Coppenrath in Münster. Im Jahr 2007 erlebt der Kalender eine "Neuauflage" - dank des Heimatvereins Vreden: Der Verein gab nun einen Faksimiledruck in der Reihe "Vredener Reprints" heraus.

Königreich Preußen

Wie Heimatvereinsvorsitzender und Historiker Dr. Hermann Terhalle in dem Nachdruck voranstellt, habe man mit den Kalender von 1823 vielleicht an die Tradition der münsterschen "Hof- und Adreßkalender" anknüpfen wollen. Diese aus den Jahren 1776, 1786 und 1813 hatte der Heimatverein bereits herausgegeben. Was war 1822 anders? Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft und den Beschlüssen des Wiener Kongresses von 1815 kamen große Teile des Fürstbistums Münster an das Königreich Preußen. Sie zählten zur Provinz Westfalen. Von nun an wurden die Behörden der Porovinz und der Regierungsbezirke im preußischen Staatshandbuch oder im Staatskalender erwähnt. Vielleicht, so mutmaßt Terhalle, habe man mit dem "Adreßkalender" umfassender die Behörden vorstellen können, als das im Staatshandbuch möglich war.

So sind in dem Büchlein alle Amtsträger im "Königlichen General-Commando des siebenten Armee-Corps" genauso aufgezählt wie die Beamten der Stadt Münster. Fehlen dürfen nicht alle Namen aus dem Gerichtswesen - so ist aufgelistet, dass Land- und Stadtrichter Bockemöller und Assessor Woldering im Land- und Stadtgericht zu Ahaus tätig sind und dass das Land- und Stadtgericht Stadtlohn - "hat seinen Sitz zu Vreden" - kommissarisch geleitet wird durch den Land- und Stadtrichter Weverinck aus Bevergern. Wer sich im Jahr 1823 um die Seelsorge kümmern sollte aus der katholischen wie evangelischen Geistlichkeit - der Kalender nennt die Namen.

Die Fürstenhäuser

Doch hat das Nachschlagewerk, das nach Aussagen Terhalles vor allem wohl Behörden als Nachschlagewerk gedient haben dürfte, auch durchaus serviceorientierte und unterhaltsame Teile aufzubieten: Die katholischen, evangelischen und jüdischen Namenstage sind aufgeführt, Sonnen- und Mondfinsternisse werden erläutert ebenso wie die Jahreszeiten. Ganze 48 Seiten widmet der Kalender den Adeligen: Die "Genealogie der regierenden hohen Häuser und anderer Fürstlicher Personen in Europa" informiert ausführlichst über die Fürsten Europas. ewa

Das Buch ist für zwölf Euro im Hamalandmuseum und im örtlichen Buchhandel erhältlich.

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