Der Pestopfer gedenken

Vreden "Hilbolts Karkhoff" wird im Volksmund ein kleiner Busch im Vredener Klosterhook genannt. Denn dort - und das ist wenig bekannt - wurden im 17. Jahrhundert die Vredener beerdigt, die der Pest zum Opfer fielen.

04.01.2008, 18:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Pestopfer gedenken

<p>Vor dem winterlich-kargen Busch hat an der "Engschkers Stegge" der Gedenkstein für die Opfer der Pest seinen Platz erhalten - in der Höhe von "Hilbolts Karkhoff" Winter-Weckenbrock</p>

Der Gaxeler Nachbarschaft "Norbertstein" ist es ein Anliegen, auf diesen besonderen Friedhof - nur einige hundert Meter vom Norbertstein entfernt - hinzuweisen. Ein Gedenkstein mit Bronzetafel wurde aufgestellt und soll morgen Nachmittag feierlich eingeweiht werden.

Die Erzählung "Den Karkwegg in den Twintiger Jaore" von Agnes Kleingries in dem 2005 von ihr herausgegebenen Buch "Van Vreene... in de Welt" sorgte für Gesprächsstoff bei den Anliegern rund um den Norbertstein. Kleingries gibt darin wieder, was ihre Mutter ihr erzählt hat: Wenn sie in den Ferien zu Besuch bei ihren Großeltern bei Keizers im Klosterhook war, wurde auf dem sonntäglichen Gang zur Kirche - über den "Karkwegg" - traditionell der Rosenkranz gebetet.

Ein Gesetz für die Opfer

In Höhe des kleinen Büschchens an dem damaligen Sandweg habe ihr Großvater immer ein Gesetz für die Opfer der Pest lesen lassen. Denn, so hätten die Leute erzählt, seien dort, auf "Hilbolts Karkhoff", vor Jahrhunderten die Pesttoten begraben worden, weit entfernt von der Stadt auf stiftischem Grund. Hilbolt, der dem Ort seinen Namen gibt, war neben dem Höfen Schulte von Mast und Wenning einer der drei Stiftshöfe im Klosterhook. Heute sind die Waldgebiete dort im Fürst Salm-Salmschen Eigentum.

"Ich bin dann oft von den Nachbarn gefragt worden, wo genau denn nun dieser Ort ist", erzählt Agnes Kleingries. Bei Nachbarschaftsfeierlichkeiten reifte dann die Idee: Man solle in geeigneter Weise auf den Pestfriedhof hinweisen. "14 Familien machen mit", freut sich Agnes Kleingries über die hohe Bereitschaft, den Gedenkstein zu finanzieren, "und viele Spenden sind auch in Aussicht gestellt." Mit Unterstützung von Marmor Gebing konnte nun ein Stein aus Kalanka-Felsen mit rosa Marmoreinschlag aufgestellt werden, der erklärende Text ist auf einer Bronzeplatte zu lesen - auf Deutsch und Niederländisch. Viele Touristen auch aus den Niederlanden passieren den "Karkwegg" und können sich nun informieren ohne extra zu klingeln: "Viele fragen bei uns nach, was am Norbertstein steht", weiß Agnes Kleingries - der Text am "Norbertsteen" ist auf Platt.

Die Anlieger freuen sich über solches Interesse und erhoffen sich das nun auch von dem neuen Gedenkstein. Vielleicht, so die Hoffnung, wird ja der eine oder andere noch zu einem stillen Gebet angeregt - im Gedenken an die Pestopfer.

Middewinterhörner

Der Gedenkstein steht an der Engschkers Stegge - das ist der Wirtschaftsweg von der Südtangente zum Norbertstein - in Höhe der Windkraftanlage. Die Einsegnung erfolgt um 15.15 Uhr durch Pfarrer Ansgar Drees. Middewinterhornbläser aus Haaksbergen begleiten die Einweihung musikalisch. Alle Interessierten sind dazu eingeladen. ewa

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