Ehrenamtliche Deutschkurse

Nur für Flüchtlingsfrauen

Um die richtigen Wörter richtig zu erklären, muss Annette Heming auch schon mal beherzt zupacken. Sie fasst sich dann beispielsweise an den Hosenbund und erklärt so, was eine Hose überhaupt ist. Heming gibt Deutschkurse für Flüchtlingsfrauen - und das ehrenamtlich.

VREDEN

, 16.12.2015, 09:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Annette Heming (l.), Najwa Salam und Silke Temming (r.) setzten sich für Deutshckurse für Flüchtlinge ein.

Annette Heming (l.), Najwa Salam und Silke Temming (r.) setzten sich für Deutshckurse für Flüchtlinge ein.

Erfahrung in ihrer Funktion als Deutschlehrerin hat die gelernte kaufmännische Angestellte genug: Bereits seit vielen Jahren engagiert sich die 63-Jährige und arbeitet mit dem Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) zusammen. Ab dem 8. Januar des kommenden Jahres soll ein neuer Sprachkurs starten. Immer etwa anderthalb Stunden am Vormittag soll der Unterricht dann beim SKF im Matthias-Haus am Kirchplatz stattfinden. Rund acht Flüchtlingsfrauen können an dem Kurs teilnehmen. Wenn es mehr werden, will Heming niemanden zurückweisen. Aus Erfahrung weiß die ehrenamtliche Kursgeberin, dass nicht immer alle Frauen alle Termine einhalten können.

Reine Frauengruppe

Dass es eine reine Frauengruppe ist, sei wichtig, da sonst die Hemmschwelle für viele Flüchtlingsfrauen zu groß sei, zu kommen. "Wenn es nur Frauen sind, dann trauen sich die Kursteilnehmerinnen mehr zu", sagt Silke Temming vom Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) in Vreden.

Zudem seien die Frauen mit muslimischen Wurzeln eine strikte Geschlechtertrennung von klein auf in ihren Herkunftsländern gewohnt. Andere wiederum dürften nicht alleine zu einem Deutschkurs kommen, wenn beispielsweise ein Mann den Kurs geben würde oder andere Männer teilnehmen würden. Schwierigkeiten, deren sich die SKF-Mitarbeiterinnen durchaus bewusst sind.

Schnell zurecht finden

Darüber hinaus sei es immens wichtig, dass sich auch die Flüchtlingsfrauen schnell im Alltag in Deutschland zurecht fänden - und dazu sei das erlenen der deutschen Sprache eine Schlüsselqualifikation. Entsprechend zweckmäßig ist das Kursprogramm ausgelegt: Statt schwerer Vokabeln und Grammatik zu büffeln soll vor allem umgangssprachlicher Wortgebrauch zuerst geübt werden. "Die Frauen sollen praktische Sprache lernen, damit sie zum Arzt oder zum Einkaufen gehen und sich verständigen können", erklärt Annette Heming. "Wir wollen alltagstaugliche Kommunikation beibringen", ergänzt Temming.

Entsprechend soll das Vokabular anschaulich erklärt werden - durch Gestik, Mimik und eben auch mal zupacken. "Mit dem Wort ‚Rückenschmerzen' kann man so nichts anfangen. Wenn ich mir aber an den Rücken fasse und das Gesicht dazu verziehe, dann versteht man schneller, was gemeint ist", erklärt die ehrenamtliche Kursgeberin Heming an einem anschaulichen Beispiel.

Lernen erleichtern

Um das Lernen deutlich zu erleichtern, hat Heming Hilfe: Beim Übersetzen steht der ehrenamtlichen 63-Jährigen Najwa Salam zur Seite. Die 39-Jährige spricht Arabisch und kann auch die Sprachvarianten aus Syrien, dem Irak oder dem Libanon verstehen. "Das ist ungefähr wie ein Dialekt", erklärt Salam. Dass jemand zum Übersetzen dabei ist, ist alleine deshalb wichtig, weil viele der Flüchtlinge im Moment nur wenig bis gar kein Deutsch verstehen. Hilfe beim Übersetzen ist zudem dringend nötig, denn die Ehrenamtlichen wissen nie, wie hoch oder niedrig der Wissensstand ihrer Kursteilnehmerinnen ist. Von totalen Analphabeten bis hin zu Flüchtlingen mit schulischen Vorkenntnissen können alle den Kurs besuchen.

Nachfrage groß

Der Bedarf an Deutschkursen sei enorm, die Nachfrage groß. Wenn sich noch mehr Frauen melden, soll unter Umständen ein zweiter Parallelkurs eingerichtet werden, der ebenfalls ausschließlich für Flüchtlinge sein soll. Außerdem sucht der SKF noch Ehrenamtliche, die in der Kinderbetreuung tätig werden könnten. Denn die Kinder der Flüchtlinge müssen vor allem in der Zeit betreut werden, in der die Frauen den Deutschkurs besuchen. Wie lange der Kurs gehen soll, steht noch nicht fest. "So lange wie möglich", sind sich die Frauen einig.

 

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