Tobias Beck

Erst als Erwachsener getauft: Ungewöhnlicher Weg zur Diakonsweihe

Tobias Beck wird zum Ständigen Diakon geweiht. Diese „katholische Karriere“ wurde ihm nicht in die Wiege gelegt. Seine Eltern haben ihn als Kind nicht taufen lassen.
Tobias Beck, Pastoralreferent in der Vredener Pfarrei St. Georg, wird am 21. November im münsterischen St.-Paulus-Dom zum Ständigen Diakon geweiht.
Tobias Beck, Pastoralreferent in der Vredener Pfarrei St. Georg, wird am 21. November im münsterischen St.-Paulus-Dom zum Ständigen Diakon geweiht. © Markus Gehring

So kann es gehen: Seine Eltern wollten nicht, dass er am Religionsunterricht teilnimmt. Ihr Sohn musste trotzdem im Klassenraum sitzen. Ohne Aufsicht durfte der Junge nicht sein, sagte die Schule damals. Dass Tobias Beck vor diesem Hintergrund mal Pastoralreferent und sogar Ständiger Diakon werden würde – diese „katholische Karriere“ war so nicht vorhersehbar.

Weihe am 21. November

Zusammen mit fünf weiteren Männern wird der gebürtige Duisburger, der mit seiner Familie in Stadtlohn wohnt und dienstlich zum Seelsorgeteam der Vredener Pfarrei St. Georg gehört, am Sonntag, 21. November, von Münsters Bischof Dr. Felix Genn zum Ständigen Diakon geweiht.

Aufgrund der Corona-Situation kann der Gottesdienst um 14.30 Uhr nur mit einer begrenzten Personenzahl gefeiert werden. Für alle anderen wird die Weihe unter www.bistum-muenster.de live übertragen. In Vreden feiert Beck erstmals am zweiten Advent, 5. Dezember, einen Gottesdienst als Diakon.

Lange hat Tobias Beck offengehalten, ob am Ende seiner dreijährigen Diakonenausbildung wirklich die Weihe steht: „Ich wollte sicher gehen, dass es für mich die richtige Entscheidung ist.“ Als er den obligatorischen handschriftlichen Brief an Bischof Genn mit der Bitte um die Admissio, die Zulassung zur Weihe, fertig hatte, fühlte es sich für den 37-Jährigen gut an.

Erst als Erwachsener die Taufe empfangen

Anders als die anderen Weihekandidaten ist Beck nicht im Babyalter getauft worden. Später, durch seine Frau, die aus einer christlich lebenden Familie stammt, kam er zum Glauben: „Unsere Kinder Julian und Soraya waren vor mir getauft“, schaut er zurück.

Selbstverständlich sei er sonntags mit der Familie in den Gottesdienst gegangen. Interessiert habe er dann seine Frau gefragt: Warum kniet ihr jetzt? Und warum steht ihr auf? Ohne die angeheiratete Oma, glaubt Tobias Beck, sei er heute nicht da, wo er ist: „Ich habe bis dahin noch nie einen so gläubigen Menschen erlebt.“

„Da ist noch was anderes“

Als er sich für die Ausbildung zum Pastoralreferenten interessierte, war der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann immer noch nicht getauft, die Aufnahme in die katholische Kirche folgte 2008: „Ich habe einfach gemerkt, da ist noch etwas anderes.“ Bei allen Zweifeln konnte er sich auf die Unterstützung seines damaligen Heimatpfarrers Walter Groß verlassen.

Tobias Beck kennt das Leben mit allen Höhen und Tiefen. Als Kleinkind war sein heute 17 Jahre alter Sohn schwer krank. „Auch in dieser Phase war Gott da“, ist der zweifache Familienvater überzeugt, obwohl es Momente gegeben hat, in denen er mit ihm gehadert habe.

Familie wohnt in Stadtlohn

2014 wurde Beck als Pastoralreferent beauftragt. Seitdem ist er in Vreden tätig, die Familie mit Hund Lotte lebt in Stadtlohn. Mit der Weihe werde sich an seinem beruflichen Alltag wahrscheinlich eher wenig ändern, nur, dass er stärker in die Gottesdienste eingebunden sein wird: „Ich mache schon jetzt viel im Bereich caritativer Arbeit.“ So wie es das Diakonenamt vorsieht.

Und das soll so bleiben. Wenn in seinem Büro das Licht an oder das Fenster geöffnet ist, weiß jeder, dass man auf einen Kaffee oder einfach zum Reden reinkommen darf…

Eine Aufgabe, die Tobias Beck trotz aller Schwere heute schon gerne übernimmt: das Beerdigen. „Mir ist es wichtig, Zeugnis zu geben von der Hoffnung, die uns trägt, damit andere Hoffnung haben.“

Das letzte Puzzleteil

Auf dem Weg zur Weihe haben ihn aber auch Fragen umgetrieben. Schließlich geben die künftigen Diakone ein Versprechen ab, unter anderem, dass sie, sollten ihre Ehefrauen sterben, künftig zölibatär leben werden. „Ich habe mich gefragt, ob ich dies zusagen möchte und ob ich das Amt überhaupt brauche“, schaut er ehrlich zurück.

Beck hat sich Zeit fürs Überlegen und Nachdenken genommen, mit anderen darüber gesprochen. Für ihn steht fest: „Ich möchte der Kirche ein Gesicht geben, mein Gesicht.“ Und auch wenn es abgedroschen klingt: „Ich möchte Gott und den Menschen dienen.“ Nach langem Suchen hat er das Gefühl, angekommen zu sein: „Für mich fügt sich das letzte fehlende Puzzleteil ein.“

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