„Es wurde einfach zu viel“: Vredener für Tod von mehreren Schweinen verantwortlich

hzGerichtsverfahren

Eigentlich sollte die Schweinezucht eine Einnahmequelle für einen Vredener werden. Doch weil die Anzahl der Tiere zunahm, überforderte ihn die Situation und einige Schweine mussten sterben.

Vreden

, 21.11.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Erklärungen der Zeugin am Dienstagmorgen im Amtsgericht Ahaus waren sehr präzise – so präzise, dass man gar nicht mehr hinhören wollte. Detailliert beschrieb sie, wie sie den Zustand der Schweine bei ihrem Besuch auf dem Hof wahrnahm. „Ich fragte mich, wie es möglich war, dass die Schweine mit ihrer Nase über das Gerüst hinausragen können – normalerweise reicht der Zaun über die Tiere hinweg. Erst später sah ich, dass alle auf einem anderen Schwein standen.“

Im Nachhinein wurde festgestellt, dass sich das dort liegende Schwein schon mindestens einen Tag auf der Seite lag. Damit war es für das Tier nicht möglich, an Futter und Wasser zu gelangen – es verendete wenig später.

„Es tut mir leid“

Bei der Verhandlung wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz war dies nur ein Beleg dafür, dass der Angeklagte den Überblick über seine Tiere verloren hatte. Mehrmals betonte er, dass es ihm leid tue und „es mir einfach zu viel wurde.“

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Was war passiert? Ein Vredener nahm im Auftrag eines Niederländers etwa 4000 Schweine auf und sollte sie mästen – die so genannte Lohnmast. Dabei sollte der Auftraggeber für Nahrung, Tierarzt und andere Kosten aufkommen. „Leider hat mein Vertragspartner unregelmäßig gezahlt. Deswegen gab es beispielsweise einen häufigen Wechsel des Tierarztes, da Rechnungen nicht beglichen wurden“, erklärte der 32-Jährige.

Allein für 4000 Tiere verantwortlich

Die Schweine beheimatete der Familienvater auf Höfen in Gaxel sowie in Ottenstein und Hörsteloe. Für die gesamten 4000 Tiere war er alleine zuständig – Mitarbeiter hatte er nicht. Auch ein Grund, warum er mit der Arbeit überfordert war.

Bei Überprüfungen des Veterinäramtes fielen dann die Missstände auf – zuerst im September des vergangenen Jahres. Dort spielte sich zunächst die anfangs beschriebene Situation ab, in der das betroffene Tier von den anderen zertrampelt wurde. Bei dem Schwein wurde eine Darmerkrankung festgestellt. Daran litt das Tier seit mindestens einer Woche.

Zehn Schweine auf 5,5 Quadratmeter

Ein Szenario ergab sich im April dieses Jahres: Bei einer weiteren Überprüfung durch das Veterinäramt wurden zahlreiche Mängel aufgedeckt: Einige Tiere waren unterernährt – zudem wurden gesunde und kranke Schweine zusammen in einer Bucht untergebracht. Das ist nicht erlaubt.

Ein besonders krasses Elend: Auf einer Fläche von 5,5 Quadratmetern waren zehn Schweine untergebracht, maximal sieben sind bei dieser Größe erlaubt. Eines der Tiere war zudem am Huf verletzt – auch weil es zu wenig Platz hatte. Damit hatte es keine Möglichkeit, sich von den anderen abzusondern, wie es kranke Tiere normalerweise tun.

„Sie hätten einen Landwirt organisieren müssen.“

„Ich bin selbst kein ausgebildeter Landwirt, deswegen durfte ich das Tier nicht töten. Außerdem habe ich keinen Tierarzt bekommen“, sagte der Angeklagte. Der Richter entgegnete: „Dann hätten Sie einen Landwirt organisieren müssen. Sie sehen das Leid und tun nichts.“ Das quittierte der Vredener mit einem Nicken: „Stimmt.“

Der Angeklagte war sich seiner Schuld bewsst und sagte mehrfach, dass er die Tiere nicht absichtlich töten wollte. Er wirkte niedergeschlagen und betroffen. „Es tut mir leid, aber ich kann es auch nicht mehr rückgängig machen.“ Nach den vielen Missständen und der Überforderung meldete der Mann zum August dieses Jahres Insolvenz an und arbeitet nun in der Kunststoffbranche.

„Situation aus dem Ruder gelaufen“

Das Gericht machte den Vredener für den Tod von mindestens drei Schweinen verantwortlich. Dementsprechend fiel auch das Urteil aus: Der 32-Jährige wurde zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je 30 Euro verurteilt. Zur Begründung sagte der Richter: „Sie sind für die Tiere verantwortlich. Die Situation ist Ihnen merklich aus dem Ruder gelaufen. Zwar haben Sie das Problem erkannt, aber Sie haben nicht gehandelt. Deswegen war es eine vorsätzliche Tat.“

Ins Urteil floss zudem mit ein, dass der Vredener bereits zweimal wegen Betruges verurteilt worden ist. Die Geldstrafe fiel am Ende nicht so hoch aus, wie die Staatsanwaltschaft – 200 Tagessätze á 30 Euro – gefordert hatte. Auch weil den Angeklagten ein Schuldenberg von 250.000 Euro bedrückt.

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