Fahrer von Essen auf Rädern: „Das Ehrenamt wird mit Füßen getreten“

hzKlinikum Westmünsterland

Das Angebot „Essen auf Rädern“ in Vreden soll es bald nicht mehr geben. Ein harter Schlag für die ehrenamtlichen Fahrer, für die der Dienst mehr bedeutet als das reine Ausliefern von Essen.

Vreden

, 01.06.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie jeden Morgen gegen 10.30 Uhr stehen die ehrenamtlichen Fahrer vom „Essen auf Rädern“ am Hintereingang der Krankenhausküche in Vreden zusammen. Sie unterhalten sich, tauschen sich aus. Doch dieses Mal ist es kein vergnügliches Gespräch. Es gibt nur ein Thema: Dass sie das hier bald nicht mehr tun können.

Rund zwei Wochen ist es her, dass das Klinikum Westmünsterland verkündet hat, dass die Krankenhausküche in Vreden geschlossen und das Angebot „Essen auf Rädern“ gestrichen wird. Viel früher haben auch die ehrenamtlichen Fahrer das nicht erfahren.

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„Wir haben es von den Mitarbeitern in der Küche mitbekommen. Daraufhin haben wir das Gespräch mit dem Klinikum gesucht und wollten wissen, was das für uns bedeutet“, erzählt Andreas Wethmar. „Wir haben also die Initiative ergriffen.“ Damit spricht er auch den größten Kritikpunkt an: die Kommunikation des Klinikums. Schließlich sei diese Entscheidung ja bestimmt schon Monate vorbereitet worden.

Zwölf Fahrer liefern seit 42 Jahren das „Essen auf Rädern“

Seit 42 Jahren gibt es das Angebot „Essen auf Rädern“ in Vreden. Zwölf Fahrer engagieren sich momentan ehrenamtlich. Alle drei Wochen ist jeder von ihnen 15 Stunden im Einsatz. Sie holen das Essen am Krankenhaus ab und bringen es mit den privaten Autos zu den insgesamt 123 Kunden in Vreden. Die Spritkosten bekommen sie erstattet, ansonsten sind sie ehrenamtlich tätig. 364 Tage im Jahr, nur am Kirmesmontag nicht.

Die Fahrer von Essen auf Rädern fühlen sich nicht wertgeschätzt (v.l.): Horst Köster, Karl-Heinz Wiggering, Andreas Wethmar und Karin Tenkotte

Die Fahrer von Essen auf Rädern fühlen sich nicht wertgeschätzt (v.l.): Horst Köster, Karl-Heinz Wiggering, Andreas Wethmar und Karin Tenkotte © Victoria Garwer

„Das Ehrenamt wird hier mit Füßen getreten. Wir fühlen uns ungerecht behandelt und nicht wertgeschätzt“, sagt Horst Köster. Denn schließlich gehe es um viel mehr als das reine Abliefern der Mahlzeiten. „Die Kunden freuen sich richtig, wenn sie uns sehen. Sie freuen sich, dass sie sich mal mit jemandem unterhalten können“, erzählt Karin Tenkotte.

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Die Ehrenamtlichen helfen teilweise auch beim Ausfüllen der Bestellungen. Sie öffnen die Boxen, wenn der Kunde körperlich dazu nicht mehr in der Lage ist. Sie erinnern an die notwendigen Unterlagen. Sie haben immer ein nettes Wort übrig für die Senioren, die oft alleine wohnen. Das alles könne in Zukunft wohl nicht mehr geleistet werden, meint Andreas Wethmar.

Fahrer müssten künftig nach Südlohn fahren

Das Essen soll künftig aus dem Henricus-Stift in Südlohn kommen. Die Caritas hat allen ehrenamtlichen Fahrern angeboten, sie als 450-Euro-Kräfte einzustellen. „Aber wir müssten das Essen in Südlohn abholen und dann ausliefern. Das Ganze unter Zeitdruck, das wollen die meisten von uns einfach nicht“, sagt Andreas Wethmar. Das Essen bleibt in den speziellen Boxen nur rund eine Stunde warm.

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Auch an ihre Kunden denken die ehrenamtlichen Fahrer. Denn ihren Angaben nach soll das Essen aus Südlohn nicht in die Außenbereiche geliefert werden. „Was sollen denn die Menschen in Großemast, Gaxel, Lünten, Ammeloe oder Ellewick machen?“, wundert sich Karl-Heinz Wiggering. Außerdem soll das Essen künftig wohl 7,50 statt 6 Euro pro Tag kosten.

Runder Tisch soll Lösung erarbeiten

Die Hoffnung, dass das Klinikum Westmünsterland den Entschluss zurücknimmt, haben die Fahrer schon längst aufgegeben. „Das ist eine rein finanzielle Entscheidung und da wird sich nix ändern“, ist sich Andreas Wethmar sicher. Sie hoffen nun, dass die Verantwortlichen eine Lösung finden, die für alle Parteien funktioniert.

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Den ersten Schritt in diese Richtung hat der Rat am Donnerstagabend gemacht. Die Verwaltung wurde beauftragt, einen Runden Tisch zu organisieren. Vertreter des Klinikums, der Kirchengemeinde, der Stadtverwaltung, der Fahrer und der politischen Fraktionen sollen gemeinsam eine Lösung finden.

Andreas Wethmar macht eines ganz deutlich: „Wir Fahrer würden alle weitermachen, wenn das Essen zentral nach Vreden geliefert würde. Das ist für uns schließlich auch eine Leidenschaft und eine Lebenserfüllung.“

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