Geplanter Fahrradtunnel an der Winterswijker Straße stößt bei Anwohnern auf Gegenwehr

hzGaxelino Vreden

Das Projekt Gaxelino sieht einen Fahrradtunnel an der Kreuzung Winterswijker Straße/Ringstraße vor. Für die Anwohner könnte das zu Umwegen und weniger Sicherheit führen, befürchten die.

Vreden

, 16.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Auf der einen Seite der Kreuzung an der Winterswijker Straße soll der Radverkehr durch einen Tunnel sicherer werden, auf der anderen Seite fällt dafür womöglich ein Fahrradweg weg. Die Anwohner wehren sich deswegen gegen die Pläne für das Projekt Gaxelino.

Manfred Wanning vertritt die Interessen der Wohngebiete Toschlag, Fasanenweg-Klosterhook und Eichen-/Ahornstraße. „Wir wollen die Pläne gar nicht verhindern, aber wir wollen mit rein ins Konzept. Im Moment werden wir da gar nicht beachtet“, meint er.

Fahrradtunnel soll Radverbindung attraktiver machen

Die Pläne der Stadt sehen vor, dass an der Kreuzung Winterswijker Straße/Ringstraße ein Tunnel für Radfahrer entsteht. So soll die Verbindung zwischen Stadt und Industriegebiet Gaxel verbessert werden. Radfahrer müssten dann nicht mehr an der Ampel halten, sondern könnten ohne Stopp unter der Kreuzung herfahren. Die neuesten Pläne zeigen außerdem eine freilaufende Rechtsabbiegerspur vom Industriegebiet kommend auf die Ringstraße.

Genau das ist es, was die Anwohner der Wohngebiete stört. „Die Rechtsabbiegerspur wird auf einem bestehenden Radweg geplant, der sodann abgebunden und nicht nutzbar sein wird für Radfahrer und Fußgänger“, heißt es in einem Bürgerantrag, der von 115 Personen unterzeichnet wurde. Sie wollen, dass die bestehende sichere Radverbindung bestehen bleibt und auf den Bau eines Tunnels verzichtet wird.

Pättken und Verbindung zur Ampel würde für Anwohner wegfallen

Am Ende der Straße Toschlag gibt es derzeit ein Pättken, das die Straße mit einem Radweg und so mit der Ampelkreuzung verbindet. „Das ist im Moment für viele Kinder und Jugendliche der sicherste Schulweg“, erklärt Manfred Wanning.

Wenn dieser Radweg wegfällt, müssten die Anwohner auf der anderen Seite aus dem Wohngebiet raus, in Höhe des Birkahnweges über die Winterswijker Straße und von dort aus durch den neuen Tunnel fahren. „Das ist ein Umweg von bis zu 700 Metern pro Fahrt. Bei täglich zwei bis drei Fahrten in die Stadt kann sich die Strecke um bis zu vier Kilometer pro Tag verlängern. Was für gesunde Erwachsene nur lästig ist, ist für Kinder und ältere Menschen unzumutbar“, meint Manfred Wanning.

Anwohner zweifeln an Verbesserung der Sicherheit

Auch das Thema Verkehrssicherheit beschäftigt die Anwohner. Sie glauben nicht, dass sich die Situation für sie durch den Fahrradtunnel verbessern würde – im Gegenteil. „Es soll eine Unterführung gebaut werden, um den Radverkehr deutlich attraktiver zu gestalten, und nebenan, keine 40 Meter weiter wird den Anwohnern die bestehende sichere Radverkehrsverbindung genommen“, so Wanning. Die Ampel sei schon jetzt sicher für Radfahrer. Die geplante neue Querungshilfe in Höhe des Birkahnwegs sei es nicht.

Geplanter Fahrradtunnel an der Winterswijker Straße stößt bei Anwohnern auf Gegenwehr

So sieht der Plan für den Fahrradtunnel aus. © Stadt Vreden

Außerdem stellen sich die Anwohner die Frage: Fahren wirklich mehr Leute mit dem Fahrrad zur Arbeit ins Industriegebiet, nur weil sie an einer Ampel weniger halten müssen? Und: „Die Anwohner werden wegen des Umweges wohl häufiger mit dem Auto fahren oder abends nach dem Feiern ein Taxi nehmen statt zu laufen“, so Wanning.

Lkw würden auf Fensterbankhöhe fahren

Hinzu kommt die zusätzliche Lärmbelastung. Um den Tunnel realisieren zu können, muss die gesamte Kreuzung um rund einen Meter angehoben werden. „Dann fahren die Lkw bei uns auf Fensterbankhöhe“, macht Manfred Wanning deutlich. Deswegen wird derzeit geprüft, ob eine Lärmschutzwand nötig ist. „Dann werden wir komplett von der Stadt abgeschnitten und getrennt“, sorgt sich Wanning.

Wegen all dieser Kritikpunkte haben die Anwohner der Stadt Alternativen vorgeschlagen. Die aktuellste Idee ist eine zusätzliche Fußgängerampel an der Ringstraße in Höhe des jetzigen Pättkens. Dann könnten die Anwohner über den Toschlag und durch das Pättken zur Ringstraße fahren, sie dort sicher überqueren und über eine noch zu schaffende Verbindung direkt auf den Tenbusch (alter Toschlag) fahren.

Pläne werden öffentlich ausgelegt

Wirklich begeistert sind die Stadtplaner Joachim Hartmann und Dirk Hetrodt von diesem Vorschlag nicht. Im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss wurde jedoch beschlossen, dass die Idee einer Fußgängerampel an dieser Stelle zumindest geprüft werden soll. Außerdem soll ein externes Büro ermitteln, wie groß der Umweg und wie sicher die neue Verkehrsführung für die Anwohner wäre.

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Der Fachausschuss hat zudem einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan gefasst. Der sieht unter anderem auch vor, dass das Regenrückhaltebecken auf eine Fläche zwischen Amselweg und Ringstraße verlegt wird. Dafür müsste der Spielplatz aufgegeben werden. Ersatz könnte im Neubaugebiet Pirolstraße geschaffen werden.

Das Projekt Gaxelino kostet insgesamt 2,6 Millionen Euro. Allein der Fahrradtunnel schlägt mit 1,4 Millionen Euro zu Buche. Gefördert werden davon 70 Prozent, die Fördergelder sind schon zugesagt. Baubeginn soll Ende 2020/Anfang 2021 sein.

Die Pläne werden in einer frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung ausgelegt. Der Antrag der Bürger wird als eine Stellungnahme in das Verfahren einbezogen.

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