Finanzielle Enge belastet junge Schwangere enorm

07.01.2008, 18:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Vreden/Stadtlohn "Als ich vor sieben Jahren meine Tätigkeit in der Schwangerschaftsberatung des Sozialdienstes katholischer Frauen im Vredener Matthiashaus aufnahm, hätte ich nicht gedacht, dass es so viele junge Frauen und Familien gibt, die bei einer Schwangerschaft aus finanziellen Gründen dringend auf Hilfe angewiesen sind", bilanziert Elisabeth Ahler.

175 Frauen und Familien aus Vreden und Stadtlohn hat die Dipl. Sozialarbeiterin und systemische Familienberaterin im Jahr 2007 betreut. Die gesellschaftliche Situation von Familien mit Kindern spiegele sich in der täglichen Praxis der Schwangerschaftsberatung wider, so ihre Beobachtung: "In Zeiten von immer weniger lebbaren klassischen Familienmodellen ist kaum eine Frau in der Lage, sich allein und ihr Kind, ohne ergänzende Hilfen der Sozialämter mit Wohngeld oder Hartz IV Leistungen oder durch Unterstützung der eigenen Eltern zu ernähren."

Extreme Belastungen

Selbst gute Beziehungen zwischen jungen Eltern würden durch die finanzielle Enge extrem belastet, betont die Sozialarbeiterin. 23 Prozent der Schwangeren, die sie beraten hat, waren 14 bis 19 Jahre alt waren. Die Mehrzahl der jungen Frauen hätte keine abgeschlossene Ausbildung, 20 Prozent seien arbeitslos und 45 Prozent der Schwangerschaften seien ungewollt gewesen.

Oft ungewollt

"Trotz der Beratungen zur Verhütung und Familienplanung und der sexualpädagogischen Projekte an weiterführenden Schulen kommt es bei jungen Frauen immer wieder zu ungewollten Schwangerschaften", schildert Ahler ihre Erfahrungen.

Aber auch Frauen, die berufstätig sind, kämen zu ihr, da eine Schwangerschaft für sie viele Probleme verursache. Die Elternzeit nütze ihnen wenig, wenn der befristete Arbeitsvertrag schon während der Schwangerschaft auslaufe und vom Arbeitgeber oft nicht verlängert werde. Das vom Staat gewährte Elterngeld komme bei Frauen im niedrigen Lohnbereich oder in der Ausbildung nicht entsprechend an. Von einem einzigen Verdienst können viele Paare mit Kind nicht leben" betont Elisabeth Ahler. rol

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