Geduld für Flüchtlinge und notwendige Anpassung

Schiedsmann sieht Klima der Spaltung

Theo Hildring schaut einer Frau mit Kopftuch über die Schulter. "Sehr gut", lobt er die Schülerin im fortgeschrittenen Alter, die sich mit ersten Schritten in die deutsche Sprache einfindet. Im Pfarrheim in Lünten findet gerade ein Stück Integrationsarbeit statt. Doch Theo Hildring bewegen Sorgen, weil das Zusammenleben von Deutschen und Flüchtlingen nicht nur solche harmonischen Momente hat.

VREDEN

, 11.03.2016, 18:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Deutsch ist ein wichtiger Schlüssel für die Integration, unterstreicht Theo Hildring. Er unterrichtet in Lünten Flüchtlinge in Deutsch.

Deutsch ist ein wichtiger Schlüssel für die Integration, unterstreicht Theo Hildring. Er unterrichtet in Lünten Flüchtlinge in Deutsch.

Theo Hildring kennt die Stimmung in der Bevölkerung. Er ist als Schiedsmann tätig, und so bekommt er vieles mit. Die Flüchtlingsfrage kommt bei ihm und seinem Schiedsmannskollegen Josef Fahrland in verstärkter Form an. "Die Problematik spaltet die Bevölkerung in Stadt und Dorf", sagt er. "65 Prozent fragen, ob sie helfen können." Bei dieser Mehrheit sei die Bereitschaft da, positiv auf die Flüchtlinge zuzugehen.

Doch 35 Prozent der Bevölkerung sähen das anders: "Da kommt die Frage: Was sollen wir mit den Leuten? Die tun nichts und hängen nur herum." Die äußeren Umstände würden diese Sicht dem Anschein nach bestätigen. Aber das habe einen ganz praktischen Grund: "Die Flüchtlinge werden zu wenig beschäftigt."

Gerade an den Nachmittagen und an den Wochenenden gäbe es für die Flüchtlinge praktisch nichts zu tun. Die Anbindung an die Stadt sei nicht gut, und die winterliche Witterung zwinge die Menschen dazu, sich in den Unterkünften aufzuhalten - auf engstem Raum: "Das ist kein Wunder, dass mancher unter solchen Umständen einen Lagerkoller entwickelt."

Qualifizierte Menschen

Hinzu komme, dass die Mehrheit der Flüchtlinge aus jungen Leuten bestehe. "Da sind viele hochbegabte Menschen dabei, die studiert haben. Manche möchten Lehrer werden, andere waren in der IT-Branche tätig und würden in Deutschland gerne daran anknüpfen."

Kleinigkeiten seien es oft, die zu Konflikten führten. "Da entsteht ein Streit daraus, dass zum Beispiel eine Coladose im Vorgarten landet." Und die fehlenden gegenseitigen Sprachkenntnisse wirkten ebenfalls daran mit, dass sich solche Streitigkeiten nicht sofort entschärfen lassen. Theo Hildring sagt: "Mancher Deutsche reagiert sehr pingelig. Auf der anderen Seite haben viele Flüchtlinge noch kein Verständnis dafür entwickelt, was hier üblich ist und was nicht." Froh ist der Schiedsmann darüber, dass es in der Regel wirklich nur um Bagatellen geht.

Wie sich Konflikte zwischen Deutschen und Asylbewerbern vermeiden lassen, bringt Theo Hildring so auf den Punkt: "Etwas mehr Geduld und Verständnis von den Einheimischen. Und das notwendige Maß an Anpassung an die hiesigen Verhältnisse durch die Flüchtlinge."

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