„Gesundheitspolizei“ – Vredener Ärzte sehen gesetzliche Impfpflicht kritisch

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Die Vredener Allgemeinmediziner Dr. Hiltrud Arends und Stefan Kemper sehen eine gesetzliche Impfpflicht nicht als Lösung des Problems. Handlungsbedarf sehen sie dennoch.

Vreden

, 25.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Wenn Deutschland den Impfpass sucht, verläuft die Suche oft erfolglos. Ein zentrales Impfregister gibt es in Deutschland nicht. Stefan Kemper ist seit 20 Jahren Allgemeinmediziner in Vreden und kennt die Problematik: „Wir arbeiten in unserer Praxis mittlerweile mit einer Software, die mich sehr übersichtlich über den Impfstatus des Patienten informiert. Den eigenen Impfpass haben viele nicht zur Hand.“

Bei der Schuleingangsuntersuchung, zu der jedes Kind vor der Einschulung gehen muss, wird auch der Impfstatus überprüft und an das Robert-Koch-Institut übermittelt. So weiß man beispielsweise, dass rund 97 Prozent der Kinder die erste Masern-Impfung erhalten haben, aber nur knapp 93 Prozent die zweite. 95 Prozent müssten es sein, um die Masern ausrotten zu können. Auch in Vreden liegt man knapp unter dem Wert. Zumindest wenn man die Zahlen der Schuleingangsuntersuchung für das Schuljahr 2018/2019 zugrunde legt. Die zweite Masern-Impfung haben 93,8 Prozent der untersuchten Kinder erhalten. Damit liegt Vreden auch kreisweit leicht unter dem Schnitt.

Impfgegner in Vredener in der klaren Minderheit

Mit Zahlen argumentiert auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der 2020 eine gesetzliche Masern-Impfpflicht für Kinder einführen will. Diese Gruppe, so sagte er gegenüber der „Bild am Sonntag“, sei entscheidend, um die Masern in Deutschland auszurotten.

Mit Impf-Skeptikern haben auch die Vredener Hausärzte Stefan Kemper und Dr. Hiltrud Arends zu tun. Nach eigenen Angaben aber selten. „Bei Tetanus gibt es kaum jemanden, der heute noch die Impfung ablehnt. Anders sieht es bei der Grippe-Impfung aus“, berichtet Hiltrud Arends. Sie versucht im Dialog, ihre Patienten von den Vorteilen einer Impfung zu überzeugen. „Ich bin da sehr hinterher, vor allem bei chronisch Kranken.“

Gesetzliche Impfpflicht wird kritisch gesehen

Missionarisch ist Stefan Kemper nicht unterwegs: „Ich bekehre niemanden, aber jeder muss sich gefallen lassen, dass er aufgeklärt wird. Ich schildere meinen Patienten die möglichen Konsequenzen.“ Schließlich gehe es nicht nur um die eigene Gesundheit, sondern auch um das Eindämmen von Epidemien. Eine gesetzliche Impfpflicht sieht er jedoch kritisch. „Eine Zwang-Geschichte ist immer schwierig. Auch deshalb, weil eine Impfpflicht der Türöffner für ähnliche Gesetze sein könnte.“ Man müsse als Eltern dann allerdings anerkennen, wenn eine öffentliche Institution wie zum Beispiel eine Kindertagesstätte, nicht geimpfte Kinder ablehne.

Hiltrud Arends hat sich ihre Meinung über eine gesetzliche Impfpflicht noch nicht abschließend gebildet. Sie befürchtet ebenfalls eine Art „Gesundheitspolizei“. Gleichzeitig sagt die Ärztin aber auch: „Irgendwo müssen wir Daumenschrauben anlegen.“

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