Herbert Ostendarp genießt die Zeit mit den Kühen am Morgen und Abend. © Victoria Garwer
Landwirtschaft

Herbert Ostendarp lädt jeden Tag Besucher zum öffentlichen Melken ein

In einem kleinen Hofladen in Kleinemast verkauft Herbert Ostendarp frische Milch. Wie diese von der Kuh in die Flasche kommt, können sich Besucher jeden Tag ohne Anmeldung anschauen.

Dienstagmorgen, 5 Uhr. Die Stille des frühen Morgens liegt über dem Hof von Herbert Ostendarp in Kleinemast. Die Sonne versteckt sich noch hinter dem Horizont, die frische Luft und der leichte Wind kündigen einen durchwachsenen Tag an. In der Ferne ertönt das tiefe Muhen einer Kuh. „Das ist Lore“, weiß Herbert Ostendarp.

Für ihn ist es eindeutig, welche der vier Milchkühe ihn hier am frühen Morgen begrüßt. Lore weiß, dass es gleich Futter gibt – und dass sie gemolken wird. Das ist nämlich das Morgenritual, das für Herbert Ostendarp jedes Mal aufs Neue ein besonderer Start in den Tag ist.

Doch noch müssen sich die Tiere ein wenig gedulden. Denn der Besamungstechniker trifft zuerst einige Vorbereitungen. Er wäscht die Melkwerkzeuge, spült das Wasser aus den Rohrleitungen und verteilt das Futter an den festen Plätzen. „Dadurch weiß jede Kuh gleich, wo sie sich hinstellen soll“, erklärt er.

Die Kühe bekommen Kraftfutter zu fressen, während sie gemolken werden.
Die Kühe bekommen Kraftfutter zu fressen, während sie gemolken werden. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Das funktioniert, wie sich wenige Minuten später zeigt. Langsam trotten die vier Milchkühe in den Unterstand und stellen sich an ihren Platz. Die Nacht haben sie auf der Weide verbracht. „Im Sommer sind sie 24 Stunden draußen. Im Winter ist der Stall offen, dann können sie sich frei bewegen zwischen drinnen und draußen“, sagt Herbert Ostendarp.

Milch läuft über Rohre und durch Filter in die Kühlanlage

Während die Kühe sich über das Futter hermachen, holt der Besamungstechniker das Melkwerkzeug. Er schließt es an die Rohre und Schläuche an, die in dem Unterstand verlegt sind. Doch bevor die Technik zum Einsatz kommt, ist Handarbeit gefragt.

Bevor die Technik zum Einsatz kommt, melkt Herbert Ostendarp per Hand an. Dabei würde er Veränderungen im Euter spüren.
Bevor die Technik zum Einsatz kommt, melkt Herbert Ostendarp per Hand an. Dabei würde er Veränderungen im Euter spüren. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Herbert Ostendarp zieht an den vier Zitzen, bis Milch herausspritzt. Anmelken nennt er das. „Dabei kann ich spüren, wenn etwas nicht stimmt. Veränderungen im Euter kann ich fühlen und die Kuh würde reagieren, wenn sie zum Beispiel Schmerzen hätte“, erklärt er.

Heute ist alles in Ordnung. Herbert Ostendarp schließt das Melkwerkzeug an und sofort fließt die Milch durch die Rohre und Schläuche in den Nebenraum. Dort sammelt sie sich zunächst in einem großen Behälter, bevor eine Pumpe sie durch den Filter drückt. Dann landet die Milch in einem von zwei großen Kühlzylindern. Dort wird sie innerhalb kürzester Zeit auf drei Grad runtergekühlt.

Die Milch landet über ein Rohrsystem in einem Sammelbehälter und wird von dort aus durch einen Filter gepumpt.
Die Milch landet über ein Rohrsystem in einem Sammelbehälter und wird von dort aus durch einen Filter gepumpt. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Die Kunden des kleinen Hofladens können die Milch direkt aus diesen Behältern in Flaschen füllen. Das ist auch der einzige Weg, auf dem Familie Ostendarp ihre Milch verkauft. Eine Zusammenarbeit mit einer Molkerei gibt es nicht. Deswegen sind es momentan auch nur vier Kühe. Platz wäre eigentlich für sechs Tiere, doch dafür reicht die Nachfrage zurzeit noch nicht aus.

Familie Ostendarp setzt auf Transparenz

Für die Familie ist Transparenz besonders wichtig. Herbert Ostendarp möchte, dass die Kunden sehen und verstehen, wo die Milch herkommt. Deswegen gibt es in dem kleinen Verkaufsraum auch eine Fensterfront. Dadurch können Besucher jederzeit auf die Weide blicken und die Kühe beobachten.

Täglich gegen 17.15 Uhr können sie zudem beobachten, wie die Tiere gemolken werden. „Sie können dann auch gerne mit zu den Kühen kommen, da bin ich ganz offen“, sagt Herbert Ostendarp. Eine Anmeldung ist dafür nicht notwendig.

Vier Milchkühe leben zurzeit auf der Weide von Herbert Ostendarp.
Vier Milchkühe leben zurzeit auf der Weide von Herbert Ostendarp. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

An diesem Morgen haben die Kühe insgesamt rund 40 Liter Milch gegeben. Inzwischen haben sie auch ihr Kraftfutter aufgefressen, sodass Herbert Ostendarp sie zurück auf die Weide lassen kann. Jetzt noch die Zebu-Kühe auf der Wiese füttern und die Rohre und Leitungen mit heißem Wasser und Reinigungsmittel spülen, dann ist die Arbeit für heute Morgen erledigt.

Während die Kühe auf der Wiese schon wieder Gras fressen, macht sich Herbert Ostendarp erst einmal einen Kaffee, bevor es für ihn zur Arbeit als Besamungstechniker geht.

Informationen

  • Der Hofladen von Familie Ostendarp ist zu finden in Kleinemast 31.
  • Das öffentliche Melken findet täglich gegen 17.15 Uhr statt.
  • Der Hofladen, in dem es Milch, Kartoffeln, Marmelade und Eier gibt, ist täglich ab 16 Uhr geöffnet.
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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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