Nacktschnecken fressen in vielen Gärten den Salat und junges Gemüse an. In diesem Jahr gibt es wegen des kühlen Sommers besonders viele dieser Tiere. © picture-alliance/ dpa
Vielerorts eine Plage

Hungrige Nacktschnecken sind in Vreden auf dem Vormarsch

Sie haben einen ungeheuren Appetit und sind bei Hobbygärtnern gefürchtet. Auch optisch gelten Nacktschnecken als - milde gesagt - nur wenig attraktiv. In diesem Jahr treten sie in Massen auf.

Nacktschnecken lieben Grünzeug aller Art. Nicht nur Salat. In Gärten und Natur können sie daher enormen Schaden anrichten. Und auf ihren Touren – mitunter erklettern sie sogar die Fenster von Wohnhäusern – hinterlassen sie eine schleimige Spur. In diesem Jahr ist es besonders schlimm. Mancherorts sind die rot-braunen Nacktschnecken schon eine richtige Plage.

Die Gründe für ihre aktuelle Dominanz sind vielfältig. Nacktschnecken lieben es kühl und feucht. Der Sommer 2021 hat da den Kriechtieren auch im Münsterland ideale Bedingungen geboten. Das bestätigt Jessica Focke von der Biologischen Station Zwillbrock und spricht angesichts des eher mäßig-warmen Sommers von einem „prinzipiell guten Schneckenjahr“.

Gegenspieler bleiben aus

Die Biologin weiß aber auch, wie schlimm die tierischen Aktivitäten bei den Menschen ankommen, die etwas anbauen wollen. Dabei weist sie neben der Witterung, die das Vorkommen der Nacktschnecken begünstigen kann, auf ein weiteres Problem hin: „Nacktschnecken haben kaum noch Gegenspieler.“

Igel, Kröten, Blindschleichen und Co. sind in modernen Gärten auf dem Rückzug und überlassen den Schnecken das Feld. Einen natürlichen Feind haben Nacktschnecken dann aber doch, und der ist sogar ein Artgenosse.

In vielen Gärten machen sich die Nacktschnecken zurzeit über den Salat her.
In vielen Gärten machen sich die Nacktschnecken zurzeit über den Salat her. © picture-alliance/ dpa © picture-alliance/ dpa

Jessica Focke: „Tigerschnegel fressen die Eier der Nacktschnecken.“ Für sie sollte es daher im heimischen Garten Rückzugsorte wie Hecken und Gebüsch geben. Überhaupt sieht die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Biologischen Station in einem naturnah angelegten Garten mit einer Artenvielfalt den besten Schutz gegen die Nacktschnecken.

Vom Einsatz von Gift rät sie dringend ab. Auch deswegen, weil Nacktschnecken Lebensgrundlage für viele Vögel wie die Singdrossel, aber auch andere Tiere sei. Durch den Einsatz von Gift wären dann auch sie mittelbar betroffen. Wer aber seinen frisch angepflanzten Salat, sein junges Gemüse schützen wolle, dem rät sie zum Schneckenschutz mithilfe eines Netzes.

Blumen sind besonders beliebt

Landwirtin Silke Bengfort hat ebenfalls die Beobachtung gemacht, dass es in diesem Jahr weitaus mehr Schnecken – nicht nur Nacktschnecken – gibt als sonst. Auch sie sieht in den im Vergleich zu den vergangenen Dürre-Sommern recht feuchten Sommermonaten den Hauptgrund und erinnert sich daran, dass es vor Jahren schon mal eine vergleichbare Situation gegeben habe.

Noch mehr als die Nacktschnecken fürchtet sie aber die Weinbergschnecken und deren Gefräßigkeit. Im Bereich der Landwirtschaft – in dem Betrieb werden Mais, Gras und Ackerbohnen angebaut – sei der Schaden aber weniger stark als im Garten: „Da wachsen einfach sehr viele Blumen.“ Wenn es ganz schlimm wird, greift sie dann auch schon mal zu chemischen Mitteln.

Auch Bernd Schlamann von der Gärtnerei am Antoniusheim kann von ungewöhnlich häufigen Begegnungen mit Nacktschnecken in diesem Jahr berichten. Probleme gebe es weniger in den Gewächshäusern als bei den Draußenkulturen. Vor allem bei den Sommerblumen treffe er immer wieder auf Schnecken. Einen großen wirtschaftlichen Schaden hätten sie aber nicht angerichtet, sagt Bernd Schlamann.

Anders sehe das bei Salat und Gemüse aus. Beides werde in der Regel in Kisten gelagert, unter denen er in letzter Zeit schon ganz oft Schnecken entdeckt habe: „Da können sie dann schon echten Schaden verursachen.“ Wenn sie nur vereinzelt auftreten, versucht er sie durch Absammeln fernzuhalten. Aktuell hat er sich aber auch an das alte Hausmittel „Bierfalle“ gegen Schnecken erinnert und will das ausprobieren.

Nacktschnecken: „Schreckliche“ Multitalente

  • Nacktschnecken haben ihr Gehäuse sozusagen „verloren“. Während viele Menschen von Schnecken aller Art, aber besonders von Nacktschnecken, regelrecht angeekelt sind, begeistern sie die Wissenschaft. Biologen wie Zoologen loben sie als Multitalente, loben ihre Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit, ihr hervorragendes Immunsystem.
  • In Landwirtschaft und Gartenbau können bestimmte Arten großen Schaden anrichten. Neben einem artenreichen Anbau wird empfohlen, Räume (Gartenteiche, Mauern, Laub) für die natürlichen Feinde der Schnecken (Eidechsen, Igel, Nattern usw.) zu schaffen.
  • Auch Anpflanzungen und Ringe mit ausgewählten Pflanzen wie Salbei, Akelei sowie Barrieren aus verschiedenen Materialien (Eierschalen, Kaffeesatz usw.) sollen die Schnecken fernhalten.
  • Abgeraten wird von Gift, aber auch Bierfallen sind umstritten, weil sie Schnecken „prozessionsartig“ anlocken sollen.
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