Eindeutige Indizien, aber Beweise fehlen: Vredenerin soll Kinderkleidung gestohlen haben

hzGerichtsverfahren

Es geht um eine Latzhose, ein Kleid und einen Sommermantel: Hat eine Vredenerin diese Stücke gestohlen? Die Aussagen vor Gericht deuten in eine Richtung, einen Beweis gibt es jedoch nicht.

Vreden

, 12.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hat sie gestohlen oder nicht? Diese Frage stand am Freitagmittag im Mittelpunkt der Gerichtsverhandlung im Amtsgericht Ahaus. Angeklagt war eine 28-jährige Vredenerin, die im Sommer dieses Jahres aus einem Kindergeschäft drei Kleidungsstücke im Wert von über 150 Euro gestohlen haben soll.

Nach der Anklageschrift machte die 28-jährige Mutter von zwei Kindern keine Angaben und sagte auch während der gesamten Verhandlung nichts. Ab und zu tauschte sie sich flüsternd mit ihrem Anwalt aus. Teilweise wirkte sie gelangweilt und desinteressiert, als ob ihr der Ausgang des Prozesses egal sei.

„Keine zurückgelegte Kleidung gefunden“

Als erste Zeugin sagte eine Verkäuferin des Geschäfts aus, dass sie die Angeklagte mit vielen Kleidungsstücken auf dem Arm im Laden gesehen habe, nachdem die Frau sich zunächst nach Größen und Preisen von Kindersachen erkundigt hatte. Dabei habe die Angeklagte unter anderem genau nach den drei Kleidungsstücken – einer Latzhose, einem Kleid und einem Sommermantel – gefragt, die später fehlten.

Wenig später sei die Vrednerin auf einmal aus dem Geschäft verschwunden. Während es an der Kasse stressig wurde, habe die Verkäuferin die Kunden nicht mehr im Blick gehabt. „Danach habe ich nirgendwo im Laden zurückgelegte Kleidung oder einen Klamottenstapel gesehen. Das hat mich verwundert“, sagte die Verkäuferin.

„Kundin wirkte sehr interessiert“

Ihrer Chefin, die als zweite Zeugin aussagte, teilte die Verkäuferin ihre Beobachtungen mit. Die Inhaberin überprüfte den Bestand und stellte fest, dass drei Kleidungsstücke fehlten – die drei, nach denen die Angeklagte gefragt hatte.

Wie sich im Verlauf der Verhandlung herausstellte, war die 28-Jährige bereits zwei Tage zuvor im Geschäft und sah sich bei der Kinderkleidung um. „Wir haben uns nett unterhalten. Die Kundin wirkte sehr interessiert an den drei Kleidungsstücken, die später gefehlt haben“, sagte die Inhaberin.

Angeklagte kann sich nicht ausweisen

Einen Tag nach dem vermeintlichen Diebstahl erstattete die Eigentümerin Anzeige bei der Polizei in Vreden. Am selben Tag befand sich die Angeklagte auf dem Marktplatz in Vreden und wurde dort von der Inhaberin und dem Ortspolizisten, der ebenfalls als Zeuge aussagte, aufgesucht und nach ihren Personalien befragt.

Da sie sich nicht ausweisen konnte, musste die Frau mit aufs Revier und sollte dort von einem Streifenwagen abgeholt werden. Dieser sollte sie zu der Adresse bringen, die sie bei der Personenkontrolle angegeben hatte. „Insgesamt erwies sich die Angeklagte nicht als besonders kooperativ“, erklärte der Polizist.

Schlüsseldienst musste aufsperren

Während der Wartezeit auf dem Revier kam ein Bekannter der Vrednerin auf die Polizeiwache und der Polizist, der gerade eine andere Anzeige aufnahm, meinte die Übergabe eines kleinen Gegenstands gesehen zu haben.

Genau diese mögliche Übergabe könnte ein pikantes Detail im weiteren Prozessverlauf werden: Im Anschluss fuhr der Streifenwagen mit der Angeklagten zur der von ihnen angegebenen Adresse. Dort konnte sie die Wohnungstür jedoch nicht öffnen, weil sie keinen Schlüssel dabei hatte.

Ein Schlüsseldienst sperrte dann auf und die Angeklagte versuchte noch den Zugang zur Wohnung zu versperren, indem sie sich in die Tür stellte. Doch die Polizisten konnten sich wenig später doch Zutritt verschaffen. Bei der Wohnungsdurchsuchung wurden dann mehrere originalverpackte Kleidungsstücke gefunden, die allesamt noch ein Preisschild hatten. Die drei Textilien, die aus dem Kindergeschäft fehlten, tauchten jedoch nicht auf.

Zweiter Verhandlungstermin geplant

Da im Geschäft nur eine Attrappe und keine echte Überwachungskamera vorhanden ist, gibt es keine Aufzeichnungen von den Geschehnissen vor Ort. Dementsprechend bündeln sich zwar die Aussage der Mitarbeiterinnen des Ladens und des Polizisten, aber die Beweise fehlen.

Staatsanwältin und Verteidiger einigten sich darauf, dass sie noch weitere Zeugen hören wollen. Dann sollen die Polizisten, die bei der Wohnungsdurchsuchung dabei waren, befragt. Hierbei geht es vor allem darum, welchen Eindruck die Angeklagte auf sie machte und wie sich bei der Durchsuchung verhielt. Der zweite Verhandlungstermin ist für den 6. Dezember geplant.

Es bleibt abzuwarten, ob sich durch die weiteren Zeugen der Vorwurf des Diebstahls verhärtet oder ob die Angeklagte entlastet werden kann. Unter Umständen tragen die Aussagen der neuen Polizisten auch gar nicht zur Aufklärung des Falles bei.

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