Mechthild Lechtenberg (l.) und Nadine Heming feiern den Ersatz-Kirmes-Auftakt am Berkelbeach und haben sich mit Kirmesherz und -button eingedeckt. Eine Spende für die Schausteller für Button und Herz haben sie gern gegeben. © Anne Winter-Weckenbrock
Kirmes in Vreden

Keine Kirmes heißt nicht kein Spaß: Vredener feiern anders, aber fröhlich

Corona und deswegen keine Kirmes in Vreden. Aber trotzdem ein Hauch von Kirmes: Die von den Gastronomen organisierten Ersatz-Events kamen an. Genauso wie die Miniaturkirmes in den Schaufenstern.

Samstag vor dem ersten Sonntag im September, 16 Uhr: Kirmes-Samstag. Und diesmal ist alles anders. Kein Gedränge, kein Duft nach gebrannten Mandeln, keine Ansage für die nächste Fahrt mit dem Disco-Jet. Die Corona-Pandemie bedeutete das Aus für das Vredener Volksfest. Aber „ein Hauch Kirmes“ liegt trotzdem über der Stadt. Denn auch wenn wenig Menschen unterwegs sind – die meisten doch irgendwie wegen Kirmes.

Miniaturkarussells in zwölf Schaufenstern zu bewundern

So wie Marion und Sarah Fahrland und Renate Küpers. Die Drei stehen gerade vor einem Schaufenster in der Straße „Zur Synagoge“ und bewundern die dort ausgestellten Miniaturkarussells samt Wohnwagen und Lkw-Fuhrpark. An insgesamt zwölf Stellen in der Innenstadt stehen die kleinen Karussells – eine gemeinsame Aktion der „Retro-Nerds“ Westmünsterland und der Ideenfabrik aus Vreden im kirmesfreien Corona-Jahr.

Marion (l.) und Sarah Fahrland: Das Ehepaar lebt in Düsseldorf, aber zur Vredener Kirmes geht es in die Heimat.
Marion (l.) und Sarah Fahrland: Das Ehepaar lebt in Düsseldorf, aber zur Vredener Kirmes geht es in die Heimat. „Wir gehen einmal über die Kirmes“, erklärt Marion Fahrland trocken, denn mit Sarah und mit ihrer Mutter Renate Küpers schauen sie sich die in Schaufenstern ausgestellten Miniaturkarussells an. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Sarah Fahrland (33) ist beeindruckt: „So viel Mühe, so viele Details“, sagt sie mit Blick auf die Miniaturkirmes. „Die Leidenschaft sieht man“, ergänzt ihre Frau Marion (32). Der Mann aus Köln, der diese Karussells maßstabsgetreu aus Holz gebaut hat, hat ihren Respekt. Und trotzdem: Die Runde im echten Disco-Jet, die mit der Clique Pflicht ist am Samstagabend ist, die vermissen die beiden doch.

„Wir gehen jetzt einmal über die Kirmes“, sagt Marion Fahrland trocken mit Blick auf das Schaufenster. Eigentlich hätten sie sich irgendwo mit ihrer Clique getroffen und wären dann von einem Stand zum anderen gegangen. Heute treffen sie sich privat. Mit Abstand. Renate Küpers, die Mutter von Marion Fahrland, erinnert sich: „Wir sind früher erst mit der Prozession gegangen, und dann auf die Kirmes“. Das war noch sonntags, als die Kirmes nur zwei Tage gefeiert wurde.

Miniaturkirmes-Tour statt Familientag auf der Kirmes

Für Marion und Stefan Bröcking ist das auch ein merkwürdiger Kirmes-Samstag. Sonst sind sie mit ihren Kindern in die Kirche gegangen, haben sich ein „Vredener-Kirmes“-Herz abgeholt und haben dann die Happy Hour ausgenutzt. Heute geht die Familie die Schaufenster-Route der Miniaturkirmes ab. „Ein bisschen traurig“, beantwortet Marion Bröcking die Frage nach der Gefühlslage.

Sie wäre eigentlich mit den Freundinnen am Samstagabend zur Kirmes gegangen. Ihr Mann trifft sich am Montag mit dem Stammtisch zum Frühschoppen. „Der Urlaub war ja lange eingereicht“, erklärt er. Die Zeit wird genutzt. Die Idee mit der Miniaturkirmes finden auch diese Beiden gut.

Das freut „Flipper-Frank“ von den Retro-Nerds, der gerade letzte Hand angelegt hat an einem Mini-Riesenrad im Schaufenster des Schuhhauses Siehhoff. Er erklärt, warum die eigentlich funktionstüchtigen Karussells sich leider nicht drehen: „Dann müsste immer jemand dabei sein. Aus Sicherheitsgründen“.

So müssen die Interessierten ihre Vorstellungskraft nutzen. „Flipper-Frank“ gerät geradezu ins Schwärmen, als er beim Musik-Express im Sport-Niehuis-Fenster die kleine Schaltzentrale entdeckt: „Da funktionieren alle Regler, der Ton, schneller und langsamer fahren“, erzählt er begeistert.

Fotostrecke

Kirmes-Ersatz-Events im Coronajahr 2020

Ein Mitglied des Vereins „Retro Nerds Westmünsterland“ hat die Sammlung erstanden. Der verstorbene Kölner, der so detailgetreu, detailverliebt und handwerklich unglaublich genau die Miniaturkirmes gebaut hat, durfte selbst wegen einer Beinverletzung nicht Karussell fahren. Umso Erstaunlicheres hat er gebaut. Und nun erfreuen die Miniaturen noch bis „Kirmes-Montag“ viele Interessierte auf dem Rundgang.

Dieser fröhliche Stammtisch hat
Dieser fröhliche Stammtisch hat „Willi“ auf dem T-Shirt im Bollerwagen mitgenommen beim Streifzug durch Vreden: Der ehemalige Gastwirt hat bei der Vredener Kirmes immer im Zelt am Viehmarkt mit seinen Schlagern unterhalten. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Eine Clique junger Vredenerinnen macht daraus eine Bollerwagentour und hat gerade im Kettelerhaus eine Pause eingelegt. „Das ist ja eher ein Trauermarsch“, sagt eine von ihnen lachend. Sie lassen sich aber trotz des Kirmes-Aus den Spaß nicht verderben. Und sie sind vorbereitet: Auf dem Bollerwagen ist ein T-Shirt auf einem Bügel aufgestellt. Hinten der Cliquen-Name, vorne ein Foto von Willi. Willi Völkering, der singende Gastwirt von Vreden, eine Institution der Vredener Kirmes.

„Cormes“ im Kettelerhaus kommt gut an

Michel von Ham, Gastwirt des Kettelerhauses, freut sich über den Zuspruch auf die „Cormes“ im Kettelerhaus: von Freitag bis Montag gibt es Grillbüfett und Livemusik im Biergarten. „Alle Tische sind reserviert“, erzählt er und ist begeistert darüber, dass die Gäste die Corona-Regeln so gut einhalten. Einen Abend hat das Kettelerhaus ja schon hinter sich. „Die Leute sind vernünftig“, so der Niederländer.

Darauf setzt auch Michael Meyerink, der zusammen mit Rolf Elsing am Berkelbeach ein Programm anbietet. Schon um kurz nach 17 Uhr sind die meisten Plätze besetzt – die Leute brennen aufs Feiern, noch lässt sich die Sonne blicken. Aber der Wind ist schon ziemlich frisch. Darauf seien die Leute eingestellt, „wir haben September“, sagt Michael Meyerink.

Er freut sich, wieder Events anbieten zu können. Wenn auch in streng geregeltem Rahmen. Vorne gibt es zwei Tische – am ersten wird die Reservierung geprüft, am zweiten der Tisch zugewiesen. Desinfektionsmittel überall und Maskenpflicht außerhalb des Sitzplatzes – das kennen die Gäste ja eigentlich schon.

„Diesmal wollen wir uns die ruhige Kirmes ansehen“

Und die Live-Reggaemusik später entspannt ja dann noch zusätzlich. Darauf freut sich der Frauenstammtisch aus Südlohn in Begleitung einiger der Männer schon. In jüngeren Jahren seien sie ja immer zur Kirmes gegangen, erzählen sie. Und dieses Jahr: „Da wollen wir uns die ruhige Kirmes ansehen“, sagt Dirk Assing lachend. Wie gesagt – die Leute lassen sich den Spaß nicht verderben, auch wenn er geregelt ist.

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Redaktion Ahaus
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