Kinder-Koch-Klub mit Frischkorn-Müsli, Rührei mit Paprika und einem Quadrat auf dem Boden

hzNachhaltiges Kochen

Mehl mahlen, richtig Gemüse schnippeln, regionales und saisonales Essen zubereiten – das lernten neun Kinder beim Kinder-Koch-Klub in der VHS-Küche Vreden.

von Andreas Bäumer

Vreden

, 25.10.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Spülen macht ihnen Spaß. Das sieht man den beiden Achtjährigen Ida und Franka an. Sie und weitere Kinder nehmen die ganze Woche morgens am Kinder-Koch-Klub teil. Für den Donnerstag hat Kursleiterin Friederike Sanne-Groppe das Thema „Milch, Eier, Fleisch“ ausgesucht.

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Die Kinder haben Rührei mit Paprika, Pastinaken und Zucchini gebraten, einen Obstquark zubereitet. Dazu gab es Gouda und Biomilch. Franka mag keine Paprika und hat ihre Portion trotzdem gegessen. „Augen zu und durch“, sagt sie. Apfel-Crumble und Frisch-Korn-Müsli, die sie am Mittwoch gemacht haben, will sie aber auch gern zu Hause nachmachen.

Klara (10) hat sich in ein Quadrat aus Klebestreifen auf den Boden gesetzt. Das ist keine Strafecke. Das genau ein Quadratmeter messende Geviert soll den Kindern ein Gefühl für die Masthuhnhaltung geben. Darüber hat Friederike Sanne-Groppe mit den Kindern gesprochen, um sie für das Thema Tierhaltung zu sensibilisieren. Mit ihren 37 Kilogramm wiegt Klara fast soviel wie die 16 bis 26 Masthühner, die auf dieser Fläche in der konventionellen Hühnerhaltung maximal aufwachsen dürfen.

Kinder-Koch-Klub mit Frischkorn-Müsli, Rührei mit Paprika und einem Quadrat auf dem Boden

Klara (10) im "Hühnerstall" von einem Quadratmeter. Mit ihren 37 Kilogramm wiegt sie fast soviel wie die rund 20 Hühner, die in der konventionellen Hühnermast auf dieser Fläche erlaubt sind. © Andreas Bäumer

Friederike Sanne-Groppe zielt mit dem Kurs vor allem auf nachhaltiges Kochen ab – saisonal, regional und ökologisch. Am Dienstag waren sie alle im örtlichen Supermarkt: die neun Kinder zwischen 8 und 11 Jahren, die Kursleiterin und ihr Assistent Tarek Almukaddam, Bundesfreiwilligendienstler bei der VHS.

Sie haben die Codes auf den Eiern entziffert, Äpfel aus Deutschland gefunden und anderes Obst aus allerlei Nationen. Die Ländernamen haben sie notiert und zurück in der Küche auf einer Weltkarte gefunden. Besonders gewundert hat die Kinder der Weg, den die Blaubeeren hinter sich hatten. Die kamen aus Peru.

Außerdem hat ihnen Almukaddam sein Herkunftsland Syrien auf der Karte gezeigt, über sein Leben dort und über syrischen Speisen erzählt, wie Reis mit Erbsen und Joghurt mit Knoblauch und Gurken. Stolz erzählen die Kinder, dass er ihnen außerdem gezeigt hat, ihre Namen in arabischen Zeichen zu schreiben.

Kinder-Koch-Klub mit Frischkorn-Müsli, Rührei mit Paprika und einem Quadrat auf dem Boden

Moritz (8) mit von den Kindern gemachten Essen. Den Obstquark und das Rührei mit Gemüse. nimmt er mit nach Hause. © Andreas Bäumer

Aber bei dem Kurs ging es auch um ganz Einfaches. „Wir haben gelernt, dass wir alle mithelfen“, weiß Ida „und dass es in der Küche Regeln gibt. Wir rennen nicht mit scharfen Messer herum. Wir waschen die Hände und das Gemüse. Was auf dem Boden liegt, kommt in den Müll.“

Franka wundert sich über die Regel, dass sie nicht die Spülmaschine benutzen dürfen. Team-Building ist die Erklärung von Sanne-Groppe und sie freut sich: „Am Anfang wollten die Kinder nur mit ihren besten Freundinnen zusammenarbeiten, aber sie sind ganz schnell zu einem Team geworden.“

Kinder-Koch-Klub mit Frischkorn-Müsli, Rührei mit Paprika und einem Quadrat auf dem Boden

Für diesen Tag fast fertig sind die Kinder des Kinder-Koch-Klubs mit Kursleiterin Friederike Sanne-Groppe und dem Bundesfreiwilligendienstler Tarek Almukaddam. © Andreas Bäumer

Friederike Sanne-Groppe hat den Kurs schon mehrmals gegeben und nennt Gründe, warum Eltern ihre Kinder dabei anmelden. Die meisten Eltern sind interessiert am nachhaltigen Einkaufen und Kochen. Einige hoffen, dass ihre Kinder einen Geschmack für selbst gemachtes Essen finden. Das gemeinsame Kochen macht Lust auf Selbstgemachtes, hat die Kursleiterin beobachte und bedauert, dass die meisten Schulen keine Küchen für vergleichbare Kurse haben.

Nachdem sie am Donnerstag den Quark gegessen haben und alles gespült ist, finden die Kinder vor der VHS etwas sehr Regionales und Saisonales: die Esskastanien unter dem dort wachsenden Baum.

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