Kindermoden Ritter schließt nach fast 50 Jahren endgültig seine Türen

hzKein Nachfolger

Fast 50 Jahre lang gab es bei den Ritters an der Königstraße Kindermode. Jetzt hat der letzte Ausverkauf begonnen. Johanna und Lutz Ritter werden ihr Geschäft schließen, sobald das Lager leer ist.

Vreden

, 18.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Vredener Institution steht kurz vor dem Aus: Bei Kindermoden Ritter hat der letzte Ausverkauf begonnen. Johanna und Lutz Ritter werden das Geschäft demnächst endgültig schließen. „Mein Ehemann ist 85, ich werde 78, ich glaube einfach, es reicht“, sagt Johanna Ritter an diesem Mittwochvormittag. Seit 1972 haben sie an der Königstraße Kindermode verkauft. Einen Nachfolger hat das Paar für das Geschäft nicht. Weder die eigenen Kinder noch Mitarbeiter oder andere Interessenten wollen das Geschäft weiterführen.

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„Wir haben es so lange herausgezögert, wie es geht, aber irgendwann muss einmal Schluss sein“, sagt Johanna Ritter. Mehrfach hätten sie die geplante Schließung noch einmal verschoben, doch jetzt sei der Zeitpunkt gekommen. Ganz ausdrücklich habe die Geschäftsaufgabe aber weder etwas mit der Coronakrise noch mit Veränderungen im Handel zu tun. „Es sind ganz einfach Altersgründe“, bringt es Johanna Ritter auf den Punkt.

Natürlich sei das keine leichte Entscheidung gewesen. „Dieses Geschäft war mein Baby“, erklärt Johanna Ritter mit einem bitteren Lächeln. Aber es sei jetzt ganz einfach gut gewesen. Insofern werde sie die Tür mit einem lächelnden und einem weinenden Auge zuschließen.

Vredener Familien kauften über Generationen bei Ritter ein

Besonders freut sie sich über die Treue ihrer Kunden. „Heute kommen Großmütter und kaufen für ihre Enkel. Dieselben Frauen haben früher schon für ihre Kinder hier die Kleidung gekauft“, sagt sie. Entsprechend waren auch die Reaktionen auf die bevorstehende Schließung: „Viele haben gefragt, wo sie jetzt hingehen sollen“, erzählt sie. Das Geschäft habe immer Erfolg gehabt.

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Der Onlinehandel oder große Modeketten seien nie ein Problem gewesen: Die Online-Welt habe sie sich nicht mehr erschlossen. „Damit wollte ich mich ganz ehrlich nicht mehr beschäftigen“, gibt sie zu. Für ihr Geschäft sei das aber auch gar nicht nötig gewesen. „Wir hatten immer das mittlere Segment – vor allem was die Preise angeht“, sagt Johanna Ritter. Das habe bei den Vredenern gezogen.

Die seien auch nicht zu den großen Ketten oder besonders günstigen Anbietern abgewandert. Im Gegenteil. Vredener Familien kamen über Generationen hinweg in das kleine Geschäft. Auch die Mitarbeiter blieben dem Betrieb über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte treu. „Wir hatten immer das gleiche Personal“, erklärt die Inhaberin.

Erfolgsgeschichte im mittleren Preissegment

1972 hat sie das Geschäft eröffnet. Ein Jahr zuvor war sie mit ihrem Mann Lutz nach Vreden gezogen. Er kam damals aus Stadtlohn, sie aus Enschede. „Mein Mann war Textilingenieur und mit der Produktion von Kinderjacken beschäftigt. So kam die Idee, diese Jacken hier in Vreden zu verkaufen“, erinnert sich die Inhaberin. Eine Idee, die offenbar gut ankam. „Eine echte Erfolgskiste“, sagt auch Lutz Ritter. Sonntags nach der Messe hätten sich beide einen Spaß daraus gemacht und nachgezählt: „Da konnte man ganz genau sehen, wer bei uns die Kleidung für seine Kinder gekauft hat“, erinnert er sich lächelnd.

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1995 wurde das Geschäft etwas verkleinert. Auch das Sortiment wurde spezieller. „Früher hatten wir auch junge Mode, die haben wir dann aber aussortiert, als wir uns verkleinert haben“, so Johanna Ritter weiter.

Verkauf läuft bis es keine Ware mehr gibt

Wie lange das Geschäft an der Königstraße noch geöffnet ist, mag Johanne Ritter noch nicht abschätzen. „So lange es sich noch lohnt“, sagt Johanna Ritter lachend. Neue Ware kommt nicht mehr dazu, die vorhandene wird jetzt abverkauft. Wenn die Regale zu leer sind, wird sie nicht mehr öffnen.

Dann wird eine weitere Schaufensterfront in Vreden dunkel bleiben. Natürlich sei das bitter für die Stadt. Eine Lösung scheint aber nicht in Sicht: „Wir suchen dringend nach einem Nachmieter“, erklärt sie. Doch den zu finden sei natürlich momentan nicht gerade einfach.

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