„Kommunikations-Katastrophe“: Bürgermeisterkandidaten von Klinikum enttäuscht

hzEssen auf Rädern

Die Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters in Vreden haben auf die Nachricht reagiert, dass das „Essen auf Rädern“ ab dem 30. September gestrichen wird. Das Klinikum steht in der Kritik.

Ahaus

, 27.05.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein gutes halbes Jahr nach der Debatte um den Notarzt-Standort Vreden sorgt nun ein weiteres Thema rund um das Vredener Krankenhaus für emotionale Reaktionen. Die Ankündigung des Klinikums Westmünsterland, zum 30. September das Angebot „Essen auf Rädern“ wegen „Modernierungsmaßnahmen der Küchenbereiche“ am Standort Vreden zu streichen, beschäftigt auch die vier Vredener Bürgermeisterkandidaten.

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Tom Tenostendarp (CDU) ereilte die Nachricht nach eigenen Angaben schon zu Beginn der Vorwoche. „Ich habe sofort den Kontakt zur Klinik-Geschäftsführung gesucht. Auch, um Falschmeldungen aus der Welt zu schaffen“, berichtet er auf Anfrage der Redaktion. „In den sozialen Medien kursierte das Gerücht, die Stadt Vreden habe Anteile am Klinikum Westmünsterland. Dem ist natürlich nicht so.“

Tom Tenostendarp schlägt „runden Tisch“ vor

Das Gespräch mit der Geschäftsführung nutzte der 28-Jährige aber auch, um Kritik zu üben. „Die Kommunikation ist nicht gut gelaufen - gerade bei einem so heiklen Thema. Da hätte das Klinikum früher das Gespräch suchen können und müssen“, so Tenostendarp. Die Stimmung bei den ehrenamtlichen Fahrern sei aktuell nicht gut. „Sie fühlen sich nicht mitgenommen.“

Dass die Entscheidung noch zurückgenommen werden könnte, glaubt er nicht. „Wir können das jetzt lange bedauern - oder nach einer langfristigen Lösung suchen. Ich befürworte Letzteres.“ Er schlägt einen runden Tisch mit Vertretern des Klinikums, der Caritas und dem Team der Ehrenamtlichen vor. „Vielleicht gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, dass alle Essen vom Henricus-Stift Südlohn zentral abgeholt werden, bevor die Ehrenamtlichen sie in Vreden verteilen.“

Gertrud Welper bemängelt die Kommunikation

Gertrud Welper (Die Grünen) wählt deutlichere Worte, wenn es um das Thema „Essen auf Rädern“ geht. Sie spricht von einem „Kommunikations-Katastrophe“ und nennt den Umgang mit den ehrenamtlichen Helfern und 123 Kunden vonseiten des Klinikums „ein Unding“.

Dabei habe sie durchaus Verständnis, dass man als Unternehmen auf die Wirtschaftlichkeit achte. „Aber die Vredener werden erneut einfach vor vollendete Tatsachen gestellt. Da muss man sich nicht wundern, dass sie sauer sind“, so Welper. Sie spielt damit auf die Debatte rund um die Abschaffung des Notarztes an. „Dem Klinikum ist der gleiche Fehler noch einmal passiert. Sie sollten nicht vergessen, dass ein Krankenhaus auch von der Akzeptanz in der Bevölkerung lebt.“

Für Gertrud Welper bleiben noch viele Fragen offen: „Warum kann das Haus Früchting zum Beispiel weiterhin Essen vom Krankenhaus erhalten, aber die 123 Menschen nicht, die darauf angewiesen sind?“ Sie sieht nun das Klinikum Westmünsterland in der Pflicht. „Ich fände es angemessen, wenn Vertreter des Klinikums sich bei der nächsten Sitzung am Donnerstag (28. Mai, d. Red.) den Fragen der Ratsmitglieder stellen würden.“

Elmar Kampshoff möchte Gastronomen ins Boot holen

Der Bürgermeisterkandidat der UWG, Elmar Kampshoff, sieht die Sache differenziert. „Der kirchliche Träger hat so entschieden und wird seine Gründe dafür gehabt haben.“ Allerdings glaubt er nicht, dass die Entscheidung gegen das „Essen auf Rädern“ am Standort Vreden kurzfristig getroffen wurde. „So etwas kündigt sich in der Regel längerfristig an.“

Deshalb sei er verwundert, dass nun Kunden, Ehrenamtliche und die gesamte Öffentlichkeit von der Meldung überrumpelt wurden. „Das ist eine Ohrfeige für die 123 Menschen, die Essen auf Rädern beziehen“, sagt er. In Bezug auf die freiwilligen Helfer erklärt er: „Sie haben sich jahrelang krumm gelegt und die Nachricht teilweise auch erst aus der Zeitung erfahren. Das geht nicht.“ Eine kleine Chance sieht er darin, die gebeutelte lokale Gastronomie ins Boot zu holen: „Die Vorteile liegen auf der Hand. Die Wirte hätten eine zuverlässige Einnahmequelle, es käme alles aus Vreden und wir könnten das bestehende Verteilernetz erhalten.“

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Aber auch Elmar Kampshoff sieht den Standpunkt Vreden durch die Abschaffung des Küchenbetriebes geschwächt: „Es hat eine Signalwirkung. Wieder mal bleibt Vreden auf der Strecke. Der Abbau von einzelnen Organisationseinheiten ist langfristig kein Argument für den Erhalt des Krankenhauses.“ Hoffnung macht ihm allerdings die Spezialisierung in Bereichen wie der Geriatrie. „Das ist eine Fachrichtung mit Zukunft.“

Nobert Wesseler sieht Isolierung vom Standort Vreden

SPD-Kandidat Norbert Wesseler nennt die Streichung des Lieferservice-Angebots „einen weiteren Schritt, um eine gewisse Isolierung vom Standort Vreden deutlich zu machen“. Die Geschäftsführung des Klinikums hätte seiner Meinung nach wissen können, wie sensibel alle Themen rund um das Krankenhaus in Vreden aufgenommen werden. „Aber dieser Standort steht offenbar nicht an erster Stelle.“

Zwar seien die Möglichkeiten der Politik begrenzt, allerdings sieht er den Rat der Stadt Vreden schon in der Pflicht: „Die Vredener Interessen müssen in Gesprächen mit Nachdruck klar gemacht werden. Wir dürfen uns nicht abhängen lassen.“ Seiner Meinung nach dürfte das Klinikum Westmünsterland auch ein Interesse daran haben, dass die Vredener dem Krankenhaus gewogen bleiben.

„Die Interessenlage von 20.000 potenziellen Kunden wird man nicht so einfach ignorieren können“, erklärt Wesseler. Bei der Suche nach einer Lösung für die 123 Kunden und Ehrenamtlichen möchte er das Klinikum mit ins Boot holen. „Die Abläufe haben sich ja über Jahrzehnte bewährt. Vielleicht kann man in Zukunft auch arbeitsteilig vorgehen.“

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