In der Nähe der Zwillbrocker Straße steht ein Windrad, dem ein Flügel fehlt. © Markus Gehring
Windrad

Kurioses Bild: In Vreden steht seit Jahren ein Windrad mit abgebrochenem Flügel

Skurril: Statt drei hat ein altes Windrad in der Nähe der Zwillbrocker Straße in Vreden nur zwei Rotorblätter. Seit über zehn Jahren steht es deswegen still. Aber wie ist es dazu gekommen?

Ein Windrad in der Nähe der Zwillbrocker Straße in Vreden fällt direkt ins Auge. Es sticht jedoch nicht wegen seiner Größe hervor. Tatsächlich ist es sogar etwas kleiner als seine zwei Nachbar-Windräder. Die Besonderheit dieses Windrads: Ihm fehlt ein Flügel. Dort, wo das dritte Rotorblatt eigentlich in die Höhe ragen müsste, ist nur ein kleiner Stumpf zu sehen. Dieses Bild zeigt sich bereits seit vielen Jahren.

Auf der Suche nach der Geschichte, wie das Windrad seinen dritten Flügel verloren hat, finden wir Familie Kisfeld. „Unser Denkmal“, sagt eine Frauenstimme am Telefon und lacht. Dann reicht sie den Hörer an Alfons Kisfeld weiter.

Hof Kisfeld hatte damals das erste Windrad in der Umgebung

1991 wurde das Windrad auf dem Hof der Familie Kisfeld aufgestellt. „Es war schwierig, die Anlage damals genehmigt zu bekommen“, erzählt Alfons Kisfeld. „Wir haben Jahre daran gearbeitet.“ Mit Erfolg. Mit dem Windrad konnte Familie Kisfeld teilweise ihren eigenen Strom durch Windenergie erzeugen.

Wenn es besonders windig war, wurde der überflüssige Strom eingespeist. War es windstill, konnte auf den gespeicherten Strom zurückgegriffen werden. „Wir waren Pioniere“, sagt Alfons Kisfeld stolz. „Das war die erste Windkraftanlage hier in der Ecke. Nebenan war noch eine, die ein paar Wochen eher aufgebaut war, aber die ist nicht direkt in Betrieb gegangen.“

Bauantrag für ein neues Windrad wurde überraschend abgelehnt

Seit 2009 dreht sich das Windrad auf dem Hof Kisfeld keinen Zentimeter mehr. Schuld war ein starkes Unwetter. Ein Blitz hat die Anlage getroffen und dabei das komplette Rotorblatt zerfetzt. „Reststücke sind bis in die Biogasanlage geflogen“, sagt Alfons Kisfeld. Sogar das Dach vom Schweinestall wurde getroffen und davon beschädigt.

Deutlich kleiner als die anderen Windräder ist die Anlage der Familie Kisfeld.
Deutlich kleiner als die anderen Windräder ist die Anlage der Familie Kisfeld. © Markus Gehring © Markus Gehring

Auf eine Windkraftanlage wollte Familie Kisfeld nicht verzichten. Deswegen hat sie versucht, eine neue Anlage zu bauen. Nachdem die Stadt Vreden, der Kreis Borken und die Landschaftsbehörde erst grünes Licht für ein neues Windrad gegeben haben, kam dann die Überraschung: „Der Bauantrag wurde abgelehnt. Das hat mich mächtig geärgert“, erinnert sich Alfons Kisfeld.

Der Grund für die Ablehnung des Bauantrags: Die Anlage befindet sich wegen der Nähe zur Berkel in einem Landschaftsschutzgebiet. Die Familie hat Revision eingelegt. Aber auch der Antrag wurde abgelehnt. „Das hat sich alles über Jahre hingezogen“, so Kisfeld. „Die Gesetzgebungsmühlen mahlen langsam.“ Sonst wäre das kaputte Windrad schon lange weg und ein neues an seinem Platz.

Familie Kisfeld hält weiter an einem Windrad auf dem Hof fest

Auch der Versuch, die alte Anlage zu reparieren, scheiterte. „Wir konnten kein passendes Rotorblatt finden.“ Zwar wusste Familie Kisfeld von einer Anlage des gleichen Bautyps, der Besitzer wollte sein Extra-Rotorblatt aber nicht verkaufen. Mittlerweile sieht Alfons Kisfeld das nicht mehr als Option. Dadurch, dass das Windrad seit über zehn Jahren stillstand, ist wahrscheinlich das Getriebe kaputt.

Der Vredener gibt trotzdem nicht auf. „Ganz verzichten? Nein“, sagt er bestimmt. „Wir sind am planen und gucken, ob es eine kleinere Anlage gibt, die wir darauf bauen können.“ Bis es so weit ist, steht das kleine alte Windrad weiter an seinem Platz und streckt die Abbruchkante des fehlenden Flügels in die Luft.

Über die Autorin
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In der Grafschaft Bentheim aufgewachsen, während des Journalismus-Studiums in NRW verliebt. Danach über 2 Jahre in Kanada gelebt und jetzt wieder zurück im Lieblingsbundesland. Seit 2020 Volontärin bei Lensing Media
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