Lkw-Fahrer aus Vreden vor Gericht, weil er einen auf der Straße liegenden Mann übersah

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Ein schwerer Verkehrsunfall auf der B70 in Vreden war jetzt Thema vor Gericht. Ein Lkw-Fahrer hatte einen 20-Jährigen, der auf der Straße lag, am Kopf getroffen und schwer verletzt.

Vreden

, 05.12.2019, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zusammengesunken und mit den Händen vor dem Gesicht hört der Angeklagte den Schilderungen der Zeugen zu. Die Erinnerungen an den schrecklichen Unfall vom 20. Mai 2019 belasten ihn ganz augenscheinlich. Der 39-jährige Lkw-Fahrer aus Vreden muss sich wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht Ahaus verantworten.

Es geht um einen Unfall auf der B70 in Vreden nachts um 2.10 Uhr. Ein 20-jähriger Vredener war mit dem Fahrrad unterwegs, kam aus ungeklärter Ursache zu Fall und blieb auf der Bundesstraße liegen. Der angeklagte Lkw-Fahrer sah ihn zu spät, konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und prallte mit seiner Stoßstange an den Kopf des jungen Mannes.

Autofahrer hat versucht, Lkw-Fahrer zu warnen

„Das hätte vermieden werden können“, meint die Staatsanwältin. Denn ein Autofahrer hatte schon vorher an der Unfallstelle gehalten. „Ich habe versucht, den Lkw-Fahrer zu warnen und habe gewunken“, erzählt der vor Gericht.

Seine Schilderungen werden aus dem Polnischen von einem Dolmetscher übersetzt. „Ich habe gesehen, dass da was liegt. Dass es ein Mensch ist, habe ich erst viel später bemerkt“, beschreibt der 42-Jährige die Situation in dieser Nacht. Er habe dann angehalten, habe die Warnblinkanlage angeschaltet und sei ausgestiegen.

„Ich habe den jungen Mann am Arm berührt und ihm gesagt, dass er wach werden muss. Er hat sich bewegt und irgendwas gelabert.“ Der Autofahrer wählt den Notruf. Doch weil er nur polnisch und gebrochenes Englisch spricht, schafft er es nicht, zu erklären, wo er sich befindet.

Lkw-Fahrer übersieht den auf der Straße liegenden Mann

Noch während des Telefonates sieht er die Scheinwerfer des Lkws auf ihn zukommen. Der will an dem stehenden Auto vorbeifahren und sieht den auf der Straße liegenden Mann trotz Warnung zu spät. Auch eine Notbremsung kann den Zusammenprall nicht mehr verhindern. „Ich habe aus nächster Nähe gesehen, wie die Stoßstange den Kopf getroffen hat“, berichtet der Zeuge leise und zögerlich.

Doch eine Sache macht der 42-Jährige auch ganz deutlich: „Erste Hilfe hat der Lkw-Fahrer geleistet. Er ist sofort ausgestiegen, hat sein T-Shirt ausgezogen, es dem Mann unter den Kopf gelegt und dem Notruf erzählt, wo wir sind.“

So schildern auch zwei Polizisten, die zuerst am Unfallort eingetroffen sind, die Situation. „Der Lkw-Fahrer war eindeutig geschockt“, erzählt ein 36-jähriger Polizist im Zeugenstand.

Angeklagter ist seit dem Unfall in Therapie

Das ist vor Gericht nicht zu übersehen. Immer wieder wischt sich der Angeklagte die Tränen weg, sackt in sich zusammen, vergräbt sein Gesicht in den Händen. Er sei seit dem Unfall krankgeschrieben wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung. Er habe Albträume und Schlafstörungen und gehe einmal pro Woche zur Therapie. „Er macht sich schwere Selbstvorwürfe“, berichtet sein Anwalt.

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Der 20-Jährige wurde bei dem Unfall lebensgefährlich verletzt und in einer Spezialklinik in ein künstliches Koma versetzt. Nach mehreren Operationen gehe es ihm heute den Umständen entsprechend okay, sagt der Anwalt der Familie, der vor Gericht als Nebenkläger auftritt. Der Vredener wird jedoch bleibende Schäden davontragen.

Verfahren eingestellt gegen Auflage

Nach den Vernehmungen der Zeugen ist sich der Richter sicher: „Das war fahrlässig, das hätte vermieden werden können. Wenn ich an einem Auto mit Warhnblinker vorbeifahre, muss ich mit allem rechnen, da muss ich aufpassen.“

Trotzdem schlägt er vor, das Verfahren gegen den 39-Jährigen einzustellen. Als Auflage muss er 750 Euro an das Opfer zahlen, das jedoch nicht mit dem Schmerzensgeld verrechnet werden darf. Staatsanwaltschaft, Verteidiger und Nebenkläger stimmen zu.

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