Vredener Politiker wollen sich für den Erhalt der Notarzt-Stelle einsetzen

hzNotarzt-Debatte

Und sie bewegt sich doch: Die lokale Vredener Politik will sich nun – eine Woche nach der Ankündigung der Streichung der Notarzt-Stelle – vehement für den Erhalt in Vreden einsetzen.

Vreden

, 18.10.2019, 18:12 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine Woche nach der ersten Ankündigung, dass die Notarzt-Stelle in Vreden gestrichen werden soll, gerät auch die lokale Politik in Bewegung. Politiker kündigen Bürgerinformationen, Gespräche und den Kampf um die Notfallversorgung in Vreden an.

CDU protestiert scharf gegen die Streichung der Notarzt-Stelle

Dr. Michael Göring, der für die CDU Vreden am Sonntag in einer Pressemitteilung das Entsetzen der Politiker über die Entscheidung zum Ausdruck gebracht hat, spricht von deutlichem Protest: „Wir geben uns mit der Streichung der Notarzt-Stelle in Vreden nicht zufrieden“, sagt der Apotheker am Freitagmittag.

Vredener Politiker wollen sich für den Erhalt der Notarzt-Stelle einsetzen

Nun will sich die Vredener Politik für den Erhalt der Notarzt-Stelle in Vreden einsetzen. © dpa

Tatsächlich habe in der Politik wohl sowohl im Kreistag als auch im Vredener Rathaus niemand die Brisanz der Mitteilung vom Kreis erfasst. Auch darüber habe die CDU am Donnerstagabend auf einer spontan einberufenen Versammlung des geschäftsführenden Vorstands und des Fraktionsvorstands gesprochen.

Bürgerveranstaltung für umfassende Informationen

Die CDU plant darüber hinaus eine Veranstaltung für die Bevölkerung, um offene Fragen zu diskutieren. Dazu sollen Vertreter des Kreises und des Klinikums Westmünsterland aber auch Landespolitiker eingeladen werden. Schließlich besitze das Thema auch überörtliche Brisanz. Erste Zusagen gebe es bereits.

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„Wir werden dafür kämpfen, dass die Menschen in Vreden und in den Außengebieten die gleichen Rettungschancen im Notfall haben wie anderswo im Kreis.“ Und das sei eben – bei aller Wertschätzung für den Einsatz der Notfallsanitäter – ohne Notarzt so nicht möglich.

Auch Menschen in Ahaus und Stadtlohn betroffen

Er blickt sogar noch über den Vredener Tellerrand hinaus: „Eigentlich müssten doch die Menschen in Ahaus und Stadtlohn genauso aufschreien“, sagt er. Schließlich würden auch sie darunter leiden, wenn der Notarzt in Richtung Vreden unterwegs sei und nicht mehr für die Menschen in Ahaus oder Stadtlohn zur Verfügung stehe.

SPD räumt Fehler ein, beklagt aber Mangel an Informationen

Ähnlich sieht es aktuell bei der SPD aus: Markus Windmeier (SPD) räumt am Freitag ein, dass die ganze Situation sehr unglücklich gelaufen sei. Aber: „Ich kann nur reagieren, wenn ich eine umfassende Information habe“, sagt er. Und die habe es in der Ratssitzung Anfang Juli so einfach nicht gegeben. Gleichzeitig gibt er aber auch zu, dass er früher hätte nachfragen müssen. „Dafür kann ich nur mea culpa sagen“, erklärt er (lateinisch: durch meine Schuld, Anmerkung der Redaktion).

Niemand will sich an die Information im Rat erinnern

Tatsächlich habe die Information durch die Verwaltung auch im Protokoll der nicht-öffentlichen Sitzung gestanden. „Aber niemand, mit dem ich gesprochen habe, kann sich daran erinnern“, so Markus Windmeier am Freitagmorgen.

Aber auch die Passagen im Protokoll haben für ihn eine ganz eigene Sprache. „Dort ist nur die Rede davon, dass die Notarzt-Situation anders geregelt werden soll“, sagt er. Vom Abzug des Notarztes lese er dort so nichts.

Ihn wundert, dass nicht mit den niedergelassenen Ärzten in Vreden gesprochen wurde, die für den Rettungsdienst bereitstehen würden. Demnach gebe es sieben niedergelassene Ärzte mit der Befähigung zum Rettungsdienst in Vreden, erklärt er.

Arbeiten im Hintergrund sind angelaufen

Er betont, dass nun im Hintergrund gehandelt werde. So plant die SPD-Fraktion beispielsweise gerade eine öffentliche Veranstaltung, um auch die Einwohner von Vreden mit allen nötigen Informationen zu versorgen. „Wir wissen aber noch nicht, ob alle Beteiligten mitziehen. Die Planungen laufen noch“, sagt er.

Grüne sehen weniger Brisanz und den Kreis am Zug

Deutlich weniger Brisanz sieht hingegen Sandra Lentfort (Grüne) in der Debatte. Ihre Fraktion werde sich in der kommenden Woche zu dem Thema beraten. Eigentlich möchte sie keine weitere Stellungnahme zu dem Thema abgeben. Auf erneute Nachfrage erklärt sie dann aber, dass es ja gut sei, dass nun über das Thema gesprochen werde.

Im Vredener Rat habe es ja erst einmal nur die Information über eine geplante Umstrukturierung gegeben. Und schließlich würden ja auch die vorgeschriebenen Zeitfenster für den Rettungsdienst noch eingehalten. Auch könnten die Sanitäter inzwischen viele Aufgaben auch ohne Notarzt erledigen. Das zeige schon ein Blick auf die Einsatzzahlen.

Ja, man hätte in der Ratssitzung Anfang Juli nachhaken können, aber so brisant, wie es dargestellt werde, sei die ganze Situation ja nicht.

Sandra Lentfort sieht den Ball aber weiter beim Kreis. Der müsse und werde nach Alternativen suchen und diese dann beizeiten vorstellen.

Kreis pocht darauf, nicht zum Gespräch eingeladen zu haben

Beim Kreis liegen derweil offenbar die Nerven blank: Die Kreisverwaltung legt laut einer Mitteilung des Klinikums Westmünsterland von Freitagmittag Wert auf folgende Feststellung: Der Kreis Borken habe seine Teilnahme an einem Pressegespräch abgesagt, zu dem das Klinikum Westmünsterland eingeladen hatte. Das Klinikum Westmünsterland habe daraufhin dieses Pressegespräch abgesagt.

Ursprünglich war für Freitag ein Pressegespräch zwischen unserer Redaktion, dem ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Borken sowie Vertretern des Kreises vereinbart.

Am Donnerstag hatte Jens Steiner (Grüne), Vorsitzender des Kreisausschusses für Sicherheit und Ordnung, ein Gespräch zwischen den Kreistagsfraktionen, Klinikleitung und Kreisverwaltung angekündigt. Das Gespräch soll am kommenden Dienstag stattfinden.

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