Lüntenerin zahlt 500 Euro Anzahlung für einen Welpen, den es nicht gibt

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Yoko Garwer aus Lünten wollte bei einer Frau aus Bremen einen Golden-Retriever-Welpen kaufen. Nach der ersten Zahlung aber blockierte die Verkäuferin sie. Dabei wirkte alles so seriös.

Vreden

, 28.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein süßer, kleiner Golden-Retriever-Welpe, das war der Wunsch von Yoko Garwer. Und der schien auch zum Greifen nahe. Doch sie ist offenbar auf eine Betrügerin reingefallen. „So viel Dreistigkeit macht mich echt sprachlos“, sagt die Lüntenerin.

Sie hat einen Mann, zwei Kinder, mehrere Pferde und zwei Hündinnen. Eine davon ist schon 13 Jahre alt und krank. Damit die zweite Hündin möglichst nicht lange alleine ist, machte sich Yoko Garwer vor ein paar Monaten auf die Suche. „Bei einem Golden Retriever in dunkel beträgt die Wartezeit manchmal zwei Jahre“, berichtet sie.

Angeblich liebevolle und verantwortungsbewusste Familien gesucht

Anfang August schaltet sie eine Kleinanzeige im Internet, dass sie einen Welpen dieser Rasse sucht. Noch am selben Tag meldet sich ein Mann namens Samuel. Der Betreff der Nachricht: Wurfankündigung. „Wir erwarten Golden Retriever Welpen in dunkel Ende des Jahres. Auszug Februar 2021“, heißt es in dem Schreiben.

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Gesucht werden demnach liebevolle und verantwortungsbewusste Familien. Die Welpen würden im Haus aufwachsen und durch Katzen und Kinder an Geräusche gewöhnt werden. Sie sollen gechipt, entwurmt und geimpft werden.

„Das klang alles super“, erzählt Yoko Garwer. Sie antwortet auf die Nachricht, beide Parteien tauschen Handynummern aus. Nun aber trägt der Verfasser einen Frauennamen, den wir aus Datenschutzgründen hier nicht veröffentlichen. Die Lüntenerin denkt sich nichts dabei. „Vielleicht ist Samuel ihr Sohn“, erklärt sie ihre damaligen Gedanken.

Fotos, Videos, Telefonate und Personalausweisen wirken seriös

Die Frau schickt ihr in den kommenden Wochen zahlreiche Fotos, Videos und Nachrichten, es gab sogar ein Telefonat. Die Verkäuferin kommt offenbar aus Bremen und geht liebevoll mit den Tieren um. „Die Hündin sah toll aus und es gab auch Fotos vom Rüden. Der sollte ein Zuchtrüde sein mit FCI-Papieren“, sagt Yoko Garwer. FCI ist der internationale Hundeverband, der unter anderem Abstammungsurkunden ausstellt.

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„Sie hat mir gesagt, dass sie nur zwei Reservierungen für Hündinnen annimmt und ich wäre die zweite“, berichtet Yoko Garwer. Erst später erfährt sie, dass es insgesamt mehr als 20 Reservierungen für die Welpen gab. Durchschnittlich bekommt ein Golden Retriever übrigens nur sieben Welpen, maximal zehn.

Doch Anfang Oktober wirkt für Yoko Garwer noch alles sehr seriös. Als sie dann ein Foto des Vertrags zugeschickt bekommt, ist sie endgültig überzeugt. Das Bild zeigt ein handschriftliches Dokument mit Angaben aller Kontaktdaten samt Adresse der Verkäuferin. Daneben hat die Frau ihren Personalausweis gelegt, der die Daten bestätigt.

Anzahlung überwiesen, Nachrichten werden seltener

Die Lüntenerin überweist daraufhin die vereinbarten 500 Euro Anzahlung. Die restlichen 1000 Euro soll sie zahlen, wenn die Welpen da sind. Doch sobald das Geld auf dem Konto der Verkäuferin ist, wird es ruhiger. Die Nachrichten werden seltener, die Antworten auf Nachfragen knapper.

Mitte Oktober kommen dann gar keine Antworten mehr. Die Verkäuferin hat Yoko Garwer blockiert. „Da habe ich angefangen zu recherchieren. Einen ganzen Tag lang habe ich versucht, alles über diese Frau rauszufinden“, erzählt die Lüntenerin.

Sie gibt die Fotos in der Bildersuche im Internet ein und findet so die Züchterin des Rüden, der angeblich die Hündin decken sollte. „Ich habe da angerufen und die Züchterin hat mir nur gesagt: Da kann ich Ihnen nicht helfen. Ich bekomme gerade viele solcher Anrufe, das scheint ein Betrug zu sein.“ Dieser Rüde zumindest hat die Hündin nie gedeckt.

20 Geschädigte aus ganz Deutschland ausfindig gemacht

Yoko Garwer sucht bei Facebook in verschiedenen Gruppen weiter und findet tatsächlich mehrere Posts zu dem Thema. Offenbar hat die Frau die Masche schon öfter abgezogen, auf unterschiedlichen Plattformen und mit immer anderen Namen. „Ich wurde dann in eine Whatsapp-Gruppe eingeladen mit den aktuellen Opfern. Wir sind inzwischen 20 Geschädigte aus ganz Deutschland“, berichtet Yoko Garwer.

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Alle haben die gleiche Geschichte zu erzählen und zeigen dieselben Fotos. Alle haben Anzahlungen überwiesen, niemand hat je einen Welpen zu Gesicht bekommen. „Darunter ist auch ein Anwalt und eine Polizistin, die die Maschen eigentlich kennen. Die Dame hat es also besonders dreist gemacht“, meint die Lüntenerin.

Anzeige wegen Betrugs erstattet

Sie hat Anzeige erstattet wegen Betrugs, genau wie die anderen Geschädigten. Die Pressestelle der Polizei Borken bestätigt, dass die Anzeige von Yoko Garwer vorliegt. Zu weiteren Anzeigen aus anderen Kreisen und Bundesländern kann hier keine Angabe gemacht werden. Die Ermittlungen laufen.

„Diese Art von Betrug ist leider Gottes alles andere als eine Besonderheit“, sagt Pressesprecher Frank Rentmeister. Dass Waren im Internet bestellt und nie geliefert werden, kommt tatsächlich sehr häufig vor – auch beim Handel mit Tieren.

Dass sie ihr Geld jemals wiederbekommt, daran mag Yoko Garwer noch nicht so richtig glauben. Doch die Hoffnung auf einen Golden-Retriever-Welpen hat sie noch nicht aufgegeben. Inzwischen hat sie Kontakt zu einer anderen Dame, die einen Wurf erwartet. „Aber die Anzahlung gibt es erst, wenn die Welpen auf der Welt sind, und ich sie persönlich gesehen habe“, sagt die Lünterin. Damit sei auch die neue Verkäuferin einverstanden.

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