Sabina und Nurija Dolic, Inhaber der Burgschänke in Vreden, hoffen, dass sie ihr Restaurant trotz vieler Absage nicht komplett dicht machen müssen. © Markus Gehring
Coronavirus

Massive Absagewelle: „Das wird vielen Gastronomen das Genick brechen“

Nach der Buchungswelle folgt nun die Rolle rückwärts. Denn in den Restaurants hagelt es täglich eine Absage nach der anderen. Auch die Gastronomie in Vreden trifft es wieder einmal hart.

Rinder-Rouladen übergossen mit brauner Sauce, dazu Knödel oder Kartoffeln und Rotkohl. Ein leckeres Glas Wein oder frisch gezapftes Bier. Die Adventszeit ist eine der kulinarisch beliebtesten überhaupt. So erfreuen sich die Weihnachtsgesellschaften Jahr für Jahr an der gutbürgerlichen Küche. Doch die Corona-Pandemie beschert momentan nur eines: Absagen. Deswegen haben wir mit Vredenern Gastronomen über die aktuelle Situation gesprochen.

Das Gute vorweg: Im Gegensatz zum vergangenen Jahr ist die Gastronomie aktuell in Betrieb – noch wohlgemerkt. Aber das war es dann auch schon mit dem Positiven. Denn trotz der laufenden Corona-Maßnahmen (2G oder 2G-Plus-Regelung), die das Ganze gegenwärtig am Laufen halten, fürchten viele Restaurantbesitzer schon bald einen weiteren Lockdown.

Erneuter Lockdown gleicht einer Katastrophe

So sagt Andre Cohaus, Inhaber der Gaststätte „Zum Dicken Jupp“, auf Nachfrage der Redaktion: „Ich gehe davon aus, dass in den nächsten zwei Wochen wieder ein Riegel davor geschoben wird. Das wäre eine Katastrophe, denn wenn schon wieder die Hauptumsatzzeit wegbricht, dann wird es vielen Gastronomen das Genick brechen. Aber natürlich hoffen wir nach wie vor das Beste.“

Andre Cohaus und seine Frau Christa führen das Lokal
Andre Cohaus und seine Frau Christa führen das Lokal „Zum Dicken Jupp“ in Vreden. Wenn wieder die Hauptumsatzzeit wegbreche, werde das vielen Gastronomen das Genick brechen, meint Andre Cohaus mit Blick auf die steigenden Corona-Infektionszahlen. © Hubert Stroetmann (A) © Hubert Stroetmann (A)

Er selbst habe bisher vor allem Absagen betrieblicher Weihnachtsfeiern entgegen nehmen müssen. „Alles über 20 Personen wurde bisher abgesagt. Ich gehe aber davon aus, dass die Absagewelle noch massiver wird“, sagt Cohaus. Sein Restaurant selbst sei schon jetzt auf 2G-Plus umgestellt. Ein Glück laufe bei ihm aktuell noch das À-la-Carte-Geschäft.

In der Gaststätte Schwering sieht es momentan ganz ähnlich aus: „Bei uns läuft das gängige Alltagsgeschäft noch sehr gut“, sagt Inhaberin Petra Galbraith-Schwering. Aber auch bei ihr seien alle größeren Events schon abgesagt: „Veranstaltungen ab 50 Personen aufwärts finden nicht statt. Natürlich können jeden Tag weitere Absagen hinzukommen.“

Petra Galbraith-Schwering und ihr Sohn Michael im Wintergarten der Gaststätte Schwering. Aber beim Landgasthof seien alle größeren Events schon abgesagt.
Petra Galbraith-Schwering und ihr Sohn Michael im Wintergarten der Gaststätte Schwering. Aber beim Landgasthof seien alle größeren Events schon abgesagt. © Markus Gehring © Markus Gehring

Froh sei sie zumindest in einem Punkt: „Wir haben keine Existenzängste, da wir unter anderem kein festes Personal beschäftigen.“ Dennoch hofft Petra Galbraith-Schwering, dass kein Lockdown mehr kommt. „Uns wurde es seitens der Regierung ja sogar versprochen, dass wir geöffnet bleiben. Aber keiner weiß aktuell, wo es lang geht. Wir versuchen das alles so gut wie möglich zu kompensieren.“

Horrende Umsatzeinbußen nach Absagen

Auch Ulf Dingslaken, einer von zwei Betreibern des Gästehaus Terrahe, ahnt nichts Gutes: „Wir haben nun wirklich nicht damit gerechnet, dass das wieder so kommt. Gerade die großen Veranstaltungen, die den meisten Umsatz bringen, sind bei uns abgesagt. Alleine zwei Feiern mit jeweils über 100 Gästen haben kürzlich nicht stattgefunden. Die hätten insgesamt bis zu 10.000 Euro gebracht, alles weggebrochen.“

Über die vergangenen Monate hinweg wurde im Gasthaus Terrahe dazu auch einiges an Geld in die Hygienemaßnahmen investiert. „Die finanziellen Hilfen, die wir letztes Mal bekommen haben, waren auf jeden Fall besser als die, die jetzt kommen könnten.“

Ulf Dingslaken (l.) und Markus Krandick betreiben gemeinsam das Gasthaus Terrahe. Sie spüren die Zurückhaltung: Alleine zwei Feiern mit jeweils über 100 Gästen haben kürzlich nicht stattgefunden.
Ulf Dingslaken (l.) und Markus Krandick betreiben gemeinsam das Gasthaus Terrahe. Sie spüren die Zurückhaltung: Alleine zwei Feiern mit jeweils über 100 Gästen haben kürzlich nicht stattgefunden. © Markus Gehring (A) © Markus Gehring (A)

Trotz der spürbaren Unsicherheit gehe derzeit wenigstens die Arbeit im Bereich des Caterings weiter: „Damit sind wir zufrieden.“ Und auch für Silvester sei aktuell kaum etwas abgesagt worden. Gut sei zudem, dass zum jetzigen Zeitpunkt wenig Personal beschäftigt sei. „Dadurch haben wir natürlich weniger Fixkosten, was auf der einen Seite gut ist. Aber anderseits möchte man ja auch, dass die Menschen kommen.“

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Nurija Dolic, Inhaber der Burgschänke in Vreden, hofft in den kommenden Tagen und Monaten überwiegend auf die Stammkundschaft. „Wir haben viele Stammgäste, die nach wie vor gerne zum Essen und Trinken zu uns kommen. Aber generell ist das alles natürlich schon spürbar.“

Denn auch den Betreiber der Burgschänke haben schon viel Absagen erreicht. „Firmen und größere Gruppen haben ihrer Feierlichkeiten bei uns schon gecancelt. Wahrscheinlich kommen auch noch mehr dazu.“ Den Kopf in den Sand stecken will Nurija Dolic trotzdem nicht: „Was will man machen, wir müssen da jetzt durch. So lange wir dürfen, bleiben wir geöffnet.“ Immerhin: Laut Nurija Dolic sei Silvester aktuell ausgebucht.

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