Mehr Freiheiten in Vreden – mehr Verantwortung für jeden Vredener

hzCorona-Lockerungen

Auch Vreden macht sich wieder locker. Wie das neue Corona-Leben genau aussehen kann, ist aber nicht klar. Der Bürgermeister ist sich nur sicher, dass es mehr Verantwortung für jeden heißt.

Vreden

, 08.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ab Montag kehrt in Vreden ein Stück Normalität zurück: Alle Geschäfte öffnen wieder, der Schulbetrieb wird ausgedehnt, viele Sport-, Freizeit- und Kulturangebote können – mit Auflagen – wieder genutzt werden. Das Kult hat bereits geöffnet. Dr. Christoph Holtwisch geht es da aber wie vielen seiner Bürgermeister-Kollegen im Kreis: Seine Gefühle sind durchaus ambivalent.

Auf der einen Seite freue er sich natürlich darüber, dass gelockert wird. „Die Zahlen in unserer Region sind ja auch durchaus positiv.“ Auf der anderen Seite aber gebe es eben auch die Befürchtung, dass es zu schnell gehe, dass der Eindruck entstehen könnte, dass alles wieder so sei wie vorher. „Das ist es eben nicht“, betont Dr. Holtwisch und spricht von einem Spagat, den man auch in Vreden hinbekommen müsse.

Das große Warten auf konkrete Anweisungen

Schließlich sind es ja auch die Kommunen, die die politischen Beschlüsse von Bund und Land runterbrechen müssen. Genau da aber hakt es noch. Christoph Holtwisch: „Wir warten noch auf die rechtlichen Regelungen wie auf die neue Coronaschutzverordnung.“ Bis dahin können die Details der Lockerungen auch für Vreden noch nicht vollständig festgezurrt werden.

Viele Vredener waren bei dem schönen Wetter am Freitagnachmittag in der Innenstadt unterwegs – allerdings überwiegend mit Abstand oder Mundschutz.

Viele Vredener waren bei dem schönen Wetter am Freitagnachmittag in der Innenstadt unterwegs – allerdings überwiegend mit Abstand oder Mundschutz. © Stephan Teine

Einen positiven Eindruck hat der Bürgermeister von der aktuellen Situation an den Vredener Schulen, an denen ja schon in der vergangenen Woche für bestimmte Jahrgänge die Schule wieder gestartet ist. Allerdings unter den geltenden Schutzregeln. Wenn jetzt ab der kommenden Woche auch die übrigen Schüler nach und nach folgen sollen, stelle das für die Schulen eine „enorme Herausforderung“ dar und nicht nur eine organisatorische.

Wenn nämlich auch für Vreden das nur im „rollierenden System“, also im täglichen Wechsel der Klassen möglich werde, bedeute das einen Tag Schule pro Woche. „Auch das ist alles andere als normaler Schulbetrieb“, sagt Holtwisch. Und: „Die Kinder sind auch dann noch viel zuviel zuhause.“ Weitere Angebote als die deutliche Ausweitung der Notbetreuung an Schule und Kita könne es in Vreden aber dennoch nicht geben. „Den Eltern wird nach wie vor sehr viel abverlangt.“

Höhere Kita-Gebühren kein Thema

Befürchtungen, dass es wegen der enormen Kosten für die Corona-Krise, die die Kommunen zu tragen haben, zu höheren Kita-Gebühren kommen könne, zerstreut der Bürgermeister: „Das ist überhaupt kein Thema.“ Gleichwohl sieht er schon, dass „es große wirtschaftliche Schleifspuren“ geben wird. Nach ersten „ganz vorsichtigen ersten Schätzungen“ rechnet er mit Steuerausfällen von zehn Prozent.

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Erfreulich seien laut Bürgermeister die neuen Möglichkeiten im Sport- und Freizeitbereich, aber: „Jetzt sind die Vredener Vereine gefragt.“ Durch Hygienekonzepte müssten sie der Stadt nachweisen, dass bestehende Regeln eingehalten werden. Für Holtwisch geht es hier, wie in allen Lebensbereichen, aktuell nämlich um eine Verantwortungsverlagerung. „Mehr Freiheit bedeutet eben auch mehr Verantwortung.“

Schwimmmeister Mario Menkehorst hat im Moment noch nichts zu tun. Auch im Vredener Freibad laufen die Vorbereitungen für die Saison unter gelockerten Corona-Bedingungen. Wie der Ablauf im Schwimmbad genau aussieht, soll in den kommenden Tagen geklärt werden.

Schwimmmeister Mario Menkehorst hat im Moment noch nichts zu tun. Auch im Vredener Freibad laufen die Vorbereitungen für die Saison unter gelockerten Corona-Bedingungen. Wie der Ablauf im Schwimmbad genau aussieht, soll in den kommenden Tagen geklärt werden. © Stephan Teine

Noch unklar ist, wer, wann, wie lange demnächst ins Vredener Freibad kann. Ab 20. Mai dürfen die Bäder grundsätzlich wieder öffnen. Einige Ideen: eine limitierte Anzahl an Badegästen sowie eine Begrenzung der Aufenthaltsdauer. Genaueres soll am kommenden Donnerstag in einer Arbeitsgruppe der Bürgermeister und Beigeordneten im Kreis verabredet werden.

Freude über Neustart für die Gastronomie

Positiv werde die Wiedereröffung von Gaststätten und Co. in Vreden aufgenommen. Ihm werde aber von vielen Gastronomen gesagt, dass man sich freue, dass es wieder los geht: „Die wollen starten, um überhaupt den Start wieder hinzubekommen.“ Auch sie sieht Dr. Christoph Holtwisch in der Pflicht, es mit der neuen Verantwortung ernst zu nehmen. Zwar befänden sich in Vreden viele Betriebe im Eigentum, doch auch hier seien etliche wirtschaftlich stark getroffen. „Da müssen wir uns Gedanken machen, wie man den besonders betroffenen helfen kann.“

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Auf Klarheit „von oben“ wartet Holtwisch bei den Hotels der Stadt: „Was heißt wieder öffnen, wie soll das aussehen, da brauchen wir eine Konkretisierung.“ An konkreten Hinweisen fehlt es ihm auch bei einigen anderen Punkten. Großveranstaltungen sind bis Ende August gestrichen, fallen Nachbarschaftsfeste auch darunter? Oder wie sieht es mit Trauungen und den anschließenden Feiern aus? Auch hier warten Dr. Christoph Holtwisch und die anderen Bürgermeister im Kreis noch auf klare Ansagen.

Unabhängig davon appelliert Vredens Bürgermeister aber an die Bürger, sich weiterhin angemessen zu verhalten: „Nur wenn sich die Bevölkerung vernünftig verhält, kann es mit der neuen Freiheit klappen. Wenn nicht, dann geht es wieder rückwärts.“ Da sei er aber für Vreden sehr optimistisch und überrascht, ,wie verantwortungsvoll man mit dieser außergewöhnlichen Situation umgehe.

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