Mit einem Guide durch das Venn - Flamingos in Zwillbrock brüten wieder

hzZwillbrocker Venn

Erstmals nach der Corona-Schließung hat die Biologische Station die Tour „Venngeheimnisse“ angeboten. Die Teilnehmer konnten Flamingos beobachten - an einem Ort, der nicht für alle zugänglich ist.

Vreden

, 25.05.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf einer kleinen Insel umgeben von Wasser stehen rund zwei Dutzend Flamingos. Nach Futter suchend picken einige mit ihrem Schnabel im Wasser herum, während über ihnen Lachmöwen kreischend ihre Kreise ziehen. 15 Augenpaare beobachten die Tiere dabei durch Ferngläser.

Nur Dr. Thomas Behrens schaut nicht auf die Flamingos. Er lässt seinen Blick über die Teilnehmer der Veranstaltung „Venngeheimnisse“ schweifen und erklärt ihnen, dass jetzt die Brutzeit der Flamingos begonnen hat. Dafür kommen die Vögel seit den 1980er Jahren regelmäßig in das Zwillbrocker Venn. Obwohl sie die Brut im letzen Jahr aufgrund der großen Trockenheit abgebrochen haben, sind die Flamingos jetzt wieder da. „Wir wissen aktuell von mindestens drei Eiern“, sagt Thomas Behrens.

Führung mit weniger Teilnehmern

Die Führung am Sonntag ist eine der ersten, die das Bildungswerk der Biologischen Station aufgrund der Pandemie wieder anbieten kann. Allerdings findet sie nicht wie sonst mit 20 bis 24 Teilnehmern statt, sondern mit 15, die neue Obergrenze.

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Los geht es – mit genügend Abstand zueinander – zu dem regulären Rundwanderweg des Naturschutzgebietes. Nach einiger Zeit passiert die Gruppe ein kleines Tor, das normalerweise verschlossen ist.

Besondere Route durch das Venn

Der Weg hier ist schmal. Jeder muss einzeln hinter der anderen herlaufen. „Wir gehen in die Nähe einer kleinen Aussichtskanzel für Vogelbeobachter. Da kommt man so sonst nicht hin“, sagt Thomas Behrens. Er verspricht, dass man von dort normalerweise auf circa 100 Meter an die Flamingos ran kommt und damit näher, als von der normalen Kanzel aus.

Dr. Thomas Behrens ist Referent für das Bildungswerk der Biologischen Station.

Dr. Thomas Behrens ist Referent für das Bildungswerk der Biologischen Station. © Madlen Gerick

Doch zuvor hält die Gruppe auf einem Holzsteg, der über eine Heidefläche führt. „Bis in das 19. Jahrhundert hinein waren 90 Prozent der Oberfläche der Gemeinde Vreden Heidelandschaft“, sagt Thomas Behrens. Nach und nach wurde sie zu Ackerland umbrochen. Die erhaltenen Heideflächen im Naturschutzgebiet werden besonders gepflegt – und zwar von Moorschnucken. Die Schafe geben den Birken und Pfeifengräsern keine Chance.

Trockenheit macht dem Venn und den Flamingos zu Schaffen

Die Gruppe setzt ihren Weg zum Aussichtspunkt fort. Ein Kuckuck ruft. Wieder fängt es an leicht zu regnen – für das Venn mit seinen Feuchtwiesen ist das Wasser sehr willkommen. „In den letzten drei Kalenderjahren gab es zu wenig Niederschlag und eine ungünstige Verdunstungssituation. Der Wasserstand ist zu weit abgesunken“, sagt Thomas Behrens. Das habe den Flamingos zu Schaffen gemacht. „Im letzten Jahr verschwand der See schon in der Brutzeit der Flamingos, im Juni.“ Doch die Flamingos brauchen die im Wasser lebenden kleinen Krebse und Algen als Nahrung.

Rund 24 Flamingos konnten die Teilnehmer der Führung zählen.

Rund 24 Flamingos konnten die Teilnehmer der Führung zählen. © Madlen Gerick

Am Aussichtspunkt angekommen können die Teilnehmer der Führung noch ausreichend Wasser im See erkennen. „Nach wie vor scheinen die Flamingos genug Futter zu finden“, sagt Thomas Behrens. Doch wie lange das noch klappt, ist ungewiss.

Flamingos locken Besucher von nah und fern

Bis dahin bleiben die Flamingos in freier Wildbahn eine Attraktion. „Ich mag Flamingos sehr gerne, deswegen habe ich die Führung zu Weihnachten geschenkt bekommen“, erzählt die 26-jährige Maxi Flach. Zusammen mit ihrem Freund ist sie für einen Wochenendtrip eigens aus Wuppertal hergekommen.

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Doch auch Vredener sind bei der Führung dabei. „Dann sieht man auch mal andere Ecken. Diese Wege kennen wir ja so nicht“, sagt Rita Knoch. Ihr Mann Jörg ist begeistert davon, wie viele Flamingos im Vergleich zu seinem letzten Besuch im März da sind. Und auch die Söhne Linus (11) und Noah (8) freuen sich über die rosa Vögel. Angestrengt und mit einem Lächeln auf den Lippen schauen sie durch ihre Ferngläser auf die kleine Insel - bis es Zeit ist für den Rückweg.

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