Nach dem Bürgerentscheid: Angst ums Ehrenamt, Kritik am Bürgermeister und Zukunftspläne

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Einen Tag nach dem Bürgerentscheid nennen Politiker den Bürgermeister einen schlechten Verlierer, Vereine haben Angst ums Ehrenamt und die Schulen wollen schnelle Fortschritte sehen.

Vreden

, 27.05.2019, 18:01 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auf der einen Seite sitzt der Schock tief, auf der anderen wird gefeiert. Mit einem so eindeutigen Ergebnis beim Bürgerentschied hat wohl kaum jemand gerechnet. Mit 63 zu 37 Prozent hat sich die Bürgerinitiative am Sonntag mit ihren Forderungen durchgesetzt.

Besonders bei den Sportvereinen ist die Stimmung am Tag danach gedrückt. „Das tut weh. Wir sind sehr enttäuscht und sehr verletzt“, sagt Bernhard Tenhumberg vom FC Vreden. Als ehemaliger Politiker weiß er natürlich, dass es sich beim Bürgerentscheid um eine demokratische Wahl handelt. Deswegen akzeptiert er auch das Ergebnis.

„Das Ehrenamt wurde nachhaltig geschädigt“

Die Bedeutung dieses Ergebnisses aber hält er für fatal: „Ich sehe schwarz für die Zukunft. Das Ehrenamt wurde dadurch nachhaltig geschädigt. Die Motivation ist jetzt gleich null und wir fragen uns: Wofür machen wir diese Arbeit?“ Die Sportvereine haben viel Zeit in die Sportentwicklungsplanung (SEP) investiert und waren glücklich, dass die Verwaltung und der Rat die Wünsche ernst genommen haben.

„Und jetzt kommen Menschen von außerhalb und mischen sich ein. Viele überlegen deswegen, ob sie sich nochmal so engagieren wollen. Ich persönlich mache das nicht mehr“, so Bernhard Tenhumberg. Sogar über einen Rücktritt als Vorsitzender des FC habe er im Moment des ersten Schocks nachgedacht. „Dann sollen die doch die Verantwortung übernehmen.“ Diesen Gedanken habe er aber aus Liebe zum Verein schnell wieder verworfen.

Beim TV Vreden sei die Enttäuschung ebenfalls groß, sagt Vorsitzender Matthias Resing. „Aber wir akzeptieren das Ergebnis natürlich. Wir werden nach wie vor für die Interessen des TV kämpfen und das beste für Vreden rausholen.“ Der Platzbedarf für ein eigenes Vereinsheim sei schließlich immer noch da.

Schulen haben Angst vor Stillstand

Auch die Schulen wollen jetzt vor allem nach vorne schauen. „Ich hoffe nur, dass jetzt nicht Stillstand angesagt ist“, sagt Dr. Jürgen Klomfaß, Schulleiter des Gymnasiums. Die Lehrer an der Schule seien mit dem Ergebnis durchaus zufrieden, sie haben sich schon vorher gegen den Ratsbeschluss positioniert. Der Schulleiter hatte sich jedoch für die Variante D ausgesprochen. „Ich halte sie heute noch für die bessere Variante. Aber jetzt geht es darum, gemeinsam eine neue Variante mit den neuen Rahmenbedingungen zu erarbeiten.“

Genauso sieht es auch Annette Brunner, stellvertretende Schulleiterin der Sekundarschule. „Hauptsache, es dauert jetzt nicht mehrere Jahre, bis was passiert. Und ich fände es gut, wenn die Schulen wieder gefragt werden.“

Fraktionen wollen Planungen schnell vorantreiben

Die fünf Ratsfraktionen geben dazu ein positives Signal. „Wir werden uns schnellstmöglich zusammensetzen, erst mal ohne Verwaltung“, sagt Hendrik Mulder (FDP). Auch Heinz Gewering von der CDU meint: „Wir müssen den Bürgerwillen jetzt schnellstmöglich umsetzen. Wir dürfen uns nicht in Klein-Klein verlieren und nicht streiten.“ Elmar Kampshoff (UWG) hat noch am Sonntagabend einen Antrag für die nächste Ratssitzung eingereicht. Die Verwaltung soll einen realistischen Zeitplan erarbeiten.

Bei den Gründen für den Ausgang des Bürgerentscheids fallen unterschiedliche Argumente. Gerd Welper (Grüne) hat das Gefühl, dass die Diskussion sehr „rückwärtsgewandt“ geführt und auf die finanziellen Aspekte reduziert wurde. „Viele sagen: Das Widukindstadion ist doch so schön, warum soll das weg?“ Ähnlich äußern sich Heinz Gewering und Hendrik Mulder. Markus Windmeier (SPD) ergänzt: „Ich glaube, dass es vor allem auch um die Verkehrssicherheit ging. Diesen Busbahnhof mit fünfarmigem Kreisverkehr hat niemand verstanden.“

War es eine Protestwahl?

Auf die Frage, ob auch der Protest gegen die Verwaltung eine Rolle gespielt haben könnte, reagieren die Politiker zurückhaltend. Sie können nur spekulieren, sind sich aber einig, dass zumindest ein großer Teil der Wähler eine sachliche Entscheidung getroffen hat. SPD, FDP und UWG gratulieren deswegen der Bürgerinitiative zu ihrer guten Arbeit. Bernhard Tenhumberg jedoch meint: „Das war eine Protestwahl, so sehe ich das. Viele haben nicht in der Sache abgestimmt, sondern aus Trotz.“

Das sieht die Bürgerinitiative natürlich anders. „Wir hatten die besseren Argumente“, sagte Alexander Demes noch am Sonntagabend. Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch bedauerte am selben Abend die „Entscheidung zulasten der Schulen, des Sports und des Ehrenamts“.

„Der Bürgermeister ist ein schlechter Verlierer“

Genau diese Stellungnahme bringt Elmar Kampfshoff in Rage. „Dr. Holtwisch will die Botschaft nicht verstehen und erweist sich als schlechter Verlierer. Die Vredener haben klar entschieden und der Bürgermeister reagiert wie ein Baby, dem man seinen Schnuller weggenommen hat. Schlimmer noch, er tritt nach und treibt einen Keil in die Bevölkerung, säht Unfrieden. Stimmungsmache ist eines Bürgermeisters unwürdig“, so der UWG-Fraktionsvorsitzende.

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Auch Markus Windmeier (SPD) widerspricht der Darstellung des Bürgermeisters. „Er gießt weiter Öl ins Feuer. Wir wollen den Schulen und den Vereinen sicher nicht schaden. Sie bekommen trotzdem ganz tolle Anlagen.“

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