Niederländisches Netz im Grenzbereich? Telekom verspricht Verbesserungen

hzMobilfunknetz

Die deutsch-niederländische Grenze ist zwar kilometerweit entfernt, trotzdem wählt sich das Smartphone in das ausländische Netz ein. Darüber ärgern sich einige Vredener. Warum eigentlich?

Vreden

, 24.01.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Neues Jahrzehnt, altes Phänomen: Wer im Grenzbereich zwischen Deutschland und den Niederlanden unterwegs ist, muss damit rechnen, dass sich das Mobiltelefon in ein ausländisches Netz einwählt. „Willkommen zurück in Deutschland. Wir hoffen, Sie hatten eine gute Reise!“ Diese Kurznachricht erhielt beispielsweise MLZ-Redakteur Christian Bödding, als er vor Kurzem wegen eines Termins in Vreden unterwegs war. Zuvor hatte sich sein Smartphone unbemerkt in das niederländische Netz „KPN“ eingewählt. Kurios: Die Grenze war zu jederzeit kilometerweit entfernt.

Eine Umfrage auf der Facebook-Seite der Münsterland Zeitung zeigt, dass es sich dabei offenbar um ein weit verbreitetes Phänomen handelt. Viele User berichten von ähnlichen Erfahrungen. Bianka Rathmer schreibt zum Beispiel: „Ich arbeite in Ellewick, ständig hat man holländisches Netz oder auch gar keins.“ Auch Facebook-User Matthias Ernst berichtet davon, im Industriegebiet Gaxel sehr häufig ein ausländisches Netz zu erhalten.

Unterschiedliche Erfahrungen mit den Anbietern

Einen besonders kuriosen Fall schildert Marion Schubmann: „In Zwillbrock ist man mit einem deutschen Anbieter im holländischen Netz unterwegs und als Holländer mit holländischem Anbieter an genau dem gleichen Platz im deutschen Netz.“ Ein Faktor scheint der Mobilfunk-Anbieter zu sein. Zum Beispiel schreibt Userin Elke Edeler: „Mit T-mobile hatte ich selbst in Kleinemast das Problem. Ständig kam die Nachricht: ‚Willkommen in den Niederlanden.‘ Mit O2 nicht mehr.“

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Auf Anfrage der Redaktion, warum sich Mobiltelefone häufig in ausländische Netze einwählen, erklärt Telekom-Sprecher George-Stephen McKinney: „Das lag an Auflagen der Bundesnetzagentur. Bisher durften deutsche Provider das Potenzial ihrer Mobilfunkantennen in Grenznähe nicht komplett ausschöpfen. Dadurch sollte verhindert werden, dass zu starke Signale die Funknetze in den Nachbarländern stören. Diese Drosselung hat den Mobilfunk in den Grenzregionen verlangsamt und den Empfang verschlechtert.“

Grund zur Hoffnung durch Gesetzesänderung

Durch eine Gesetzesänderung besteht nun aber Grund zur Hoffnung. „Die Haftung, dass Netze zum Beispiel in Österreich, Belgien, Frankreich oder Dänemark nicht gestört werden, lag bisher bei der Bundesnetzagentur. Das hat sich jetzt geändert. Ab sofort haften die Netzbetreiber selbst für mögliche Probleme“, so der Telekom-Sprecher. Deshalb sei man nun in der Lage, den eigenen Kunden das „bestmögliche LTE-Netz“ zur Verfügung zu stellen.

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Ärger mit den niederländischen Nachbarn sei aber nicht zu befürchten. „Die Telekom geht zwar quasi an die Grenzen. Aber sie achtet dabei sorgfältig darauf, dass sie den Funknetzen in unseren Nachbarländern auch weiterhin nicht ins Gehege kommt“, heißt es in einer Presseerklärung.

Abschaffung der Roaming-Gebühren als Vorteil

Während viele Facebook-User über den ungewollten Netzwechsel meckerten, kommentiert der Stadtlohner Richard Henrichs: „Dank EU ist mir das egal.“ Hintergrund: Im Juni 2017 hatte die Europäische Union die sogenannten Roaming-Gebühren abgeschafft. Seitdem entstehen für Mobilfunk-Kunden in allen 28 EU-Mitgliedsstaaten beim Telefonieren oder Surfen die gleichen Kosten wie im Heimatland. Flatrates gelten ebenfalls in allen EU-Staaten. Ob die Qualität im ausländischen Netz sich verändert, ist allerdings unklar. „In Bezug auf die ausländische Netzqualität – Datendurchsatz, Sprachqualität – können wir keine Aussagen machen“, erklärt der Mobilfunkanbieter Vodafone auf Anfrage.

Wer im Grenzbereich dennoch Wert darauf legt, im heimischen Netz unterwegs zu sein, der kann über die Smartphone-Einstellung die „automatische Netzauswahl“ deaktivieren. Weitere Mobilfunkmasten der Telekom sind – anders als in Ahaus und Stadtlohn – aktuell in Vreden übrigens nicht geplant. Vodafone erklärt, dass kurzfristig keine Verdichtung der Netzversorgung geplant sei. In einer längerfristigen Ausbaumaßnahme werde aber die 4G-Versorgung um Stadtlohn noch einmal verbessert. Der Anbieter „O2“ äußerte sich auf Anfrage der Münsterland Zeitung bis Redaktionsschluss zu keinem der Themen.

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