Der Kreis hat entschieden: Ab Januar rückt kein Notarzt mehr ab Vreden aus - zunächst

hzNotarztversorgung

Zum Jahresbeginn wird es keinen Notarzt mehr in Vreden geben – zumindest vorläufig. Der Kreis Borken konnte kein Modell mit Beteiligung von Vredener Ärzten aufstellen. Die SPD will klagen.

Vreden

, 18.12.2019, 17:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zumindest zum Jahresbeginn 2020 wird es keine Notarztversorgung aus Vreden mehr geben. Das hat der Kreis Borken am Mittwochmittag in einer Pressemitteilung erklärt.

Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt Dr. Elisabeth Schwenzow, Dezernentin beim Kreis Borken, dass es vorläufig keine Lösung mit den niedergelassenen Ärzten gibt. Die hatten zuletzt vorgeschlagen, den Notarzt-Dienst in der Stadt unter sich aufzuteilen.

Ärzte teilten dem Kreis zu wenig feste Zeiten mit

„Leider haben wir von den Ärzten keine festen Zeiten für den möglichen Notarzt-Dienst bekommen“, erklärt Schwenzow. Das bedauere sie ausdrücklich.

Die angebotene Mitwirkung konzentriere sich auf einige Zeitfenster, die weder einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb noch feste, verlässliche Blöcke sicherstellen könnten.

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Diese festen Blöcke seien aber unbedingt notwendig, um sie in den zentralen Rechner der Kreisleitstelle einzuprogrammieren. Im Ernstfall muss der Notarzt automatisch alarmiert werden. Dann bleibt keine Zeit, um den gerade diensthabenden Arzt erst in einer Liste zu suchen. Deswegen werden die jeweiligen Ansprechpartner frühzeitig in das Computersystem eingepflegt.

Daten müssen langfristig geplant und programmiert werden

„Wir sind gerade dabei, die Daten für den Jahresbeginn einzugeben, da können wir einfach nicht länger warten“, erklärt Elisabeth Schwenzow. Deswegen soll nun zumindest am Jahresbeginn der Notarzt für Vreden aus Ahaus oder Stadtlohn anrücken.

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Parallel habe der Kreis Borken auch versucht, Angebote der sogenannten Notarzt-Börsen für den Dienst in Vreden zu bekommen. „Es gibt fünf Börsen in Deutschland, die so einen Dienst anbieten“, sagt Elisabeth Schwenzow.

Von einer Börse habe sie trotz mehrfacher Nachfrage gar keine Resonanz bekommen. Die vier anderen hätten kein Angebot eingereicht oder sich nur sehr vage geäußert.

Gutachten soll langfristige Notarzt-Versorgung klären

Sie will nun zunächst das Gutachten abwarten, das der Kreis in Auftrag gegeben hat. Das soll klären, wie es langfristig mit der Notarzt-Versorgung im Kreis weitergehen soll. Mit dem Ergebnis rechnet sie zum Ende des ersten Quartals 2020.

Mechthild Windmeier, die den Vorschlag der niedergelassenen Ärzte in die Politik getragen hatte, wollte sich am Mittwoch nicht noch einmal äußern.

SPD Vreden will Abstimmung über Klage gegen den Kreis

Die SPD-Fraktion will nun eine Klage gegen den Kreis Borken vorbereiten und diese in der Januar-Sitzung des Vredener Rates zu Abstimmung stellen. „Uns haben schon mehrere Beschwerden auch aus der Ärzteschaft erreicht“, sagt SPD-Ratsherr Markus Windmeier.

Demnach habe es eine belastbare Lösung unter Einbeziehung der Vredener Ärzte gegeben. „Mit diesem Ergebnis war ja eigentlich zu rechnen“, erklärt Markus Windmeier. Die mögliche Klage hatte die SPD bereits im November angekündigt.

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Das Klinikum Westmünsterland stellt bisher den Notarzt in Vreden. Wie berichtet, hatte das Klinikum den entsprechenden Vertrag mit dem Kreis Borken allerdings zum Jahresende gekündigt.

Aus personellen Gründen könne das Krankenhaus den Notarzt-Dienst nicht mehr sicherstellen hieß es. Das hatte in Vreden für empörte Aufschreie und lauten Protest gesorgt.

Versorgung auch ohne Notarzt möglich

Der Kreis Borken argumentiert hingegen, dass die Versorgung für Notfälle in Vreden auch anders geregelt werden kann: Notfallsanitäter vor Ort sollen als Ersthelfer zur Einsatzstelle eilen. Sie könnten durch ihre erweiterte Ausbildung in vielen Fällen so gut helfen, dass gar kein Notarzt benötigt werde. Müsse der dennoch alarmiert werden, sei er immer noch rechtzeitig vor Ort, wenn er aus Ahaus oder Stadtlohn anrückt.

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