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Nachdem ein 28-Jähriger vor zwei Wochen betrunken im Ahauser Amtsgericht randaliert hatte, wurde er jetzt aus der Haft vorgeführt. Eine Zelle von innen hat er nicht zum letzten Mal gesehen.

Vreden

, 23.04.2019 / Lesedauer: 5 min

Als „tickende Zeitbombe“ bezeichnete ein Zeuge am Dienstag im Ahauser Amtsgericht einen 28-jährigen Vredener, der sich dort wegen tätlichen Angriffen gegen Amtsträger, Misshandlung, Beleidigung und Bedrohung verantworten musste. Bereits vor zwei Wochen sollte das Verfahren gegen den Vredener eröffnet werden. Der erschien jedoch betrunken im Amtsgericht. Als ihm eine Blutprobe entnommen werden sollte, widersetzte er sich dem und die Situation eskalierte.

Wie der Richter schilderte, spielten sich wohl ähnliche Szenen ab, wie die Situation, um die es am jetzigen Verhandlungstag gehen sollte: Der 28-Jährige schlug wild um sich und konnte nur mit großer Anstrengung von den Beamten in Schach gehalten werden. Die unflätigen Beleidigungen in Richtung der Beamten drangen bis unter das Dach des Gerichtsgebäudes. Mit angelegten Handschellen führte der Vredener widerwillig den Atemalkoholtest durch: 1,6 Promille. Damit war klar, dass es an diesem Tag zu keiner Verhandlung kommen sollte.

Beleidigungen hallten durch die Gerichtsflure

Bei dem jetzt angesetzten, neuen Verhandlungstermin stellte sich der Angeklagte als Unschuldslamm dar. Die damals durch die Gerichtsflure hallenden Beleidigungen habe es nicht gegeben, so der Angeklagte. „Ich stand doch neben Ihnen“, konterte der Richter und auch der Anwalt des Angeklagten tat gut daran, das Fehlverhalten seines Mandanten nicht infrage zu stellen.

Mit angelegten Handschellen führten Justizvollzugsbeamte den Angeklagten in den Gerichtssaal. Nach den Vorkommnissen vor zwei Wochen hatte der Richter Haft bis zum Verhandlungstermin angeordnet.

Gegenstand der jetzigen Verhandlung waren Ausschreitungen, die sich der Angeklagte am 22. Dezember 2018 vor einem Vredener Lokal geleistet hatte. In dem Café hatte er zunächst drei oder vier hochprozentige Long-Island-Ice-Tea getrunken.

Gäste provoziert und vor Lokal randaliert

Die Inhaberin des Lokals war als Zeugin geladen und berichtete, dass der Angeklagte sehr betrunken war und sie daher irgendwann gesagt hatte, er bekomme nichts mehr. Provokationen gegen Gäste führten schließlich dazu, dass der Vredener aufgefordert wurde, das Lokal zu verlassen. Sie äußerte die Meinung, dass bei dem Angeklagten zu dem Zeitpunkt nicht nur Alkohol im Spiel war.

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Das bestätigt auch ein späteres Gutachten. Neben 2,28 Promille Alkohol wurde das Blut des Angeklagten auch auf Cannabinoide positiv getestet. Nähere Angaben dazu lagen dem Gericht aber noch nicht vor.

Vor der Tür habe der Angeklagte dann Gäste angepöbelt und gegen die Scheibe des Cafés geschlagen. „Er wurde immer aggressiver“, sagte die Inhaberin des Cafés, die dann die Polizei rief.

Bei Eintreffen der Polizei eskaliert die Situation

Als die eintraf, eskalierte auch hier die Situation. Der Angeklagte sei mit erhobenen Fäusten auf die Polizisten zugegangen, so der Vorwurf des Staatsanwalts. Das bestätigten zwei als Zeugen geladene Polizisten. Die Zeugin ergänzte, dass der 28-Jährige mehrfach von den Beamten aufgefordert wurde, Abstand zu halten, als diese seine Personalien überprüfen wollten.

Dass das eigentlich nicht nötig war, schilderte ein Polizist, der im Laufe der Zeugenbefragung anmerkte, dass der Angeklagte schon bei einem Einsatz in der Nacht zuvor aufgefallen war. Ohnehin ist der Angeklagte bei der Polizei kein Unbekannter. Beispielsweise wird auch der Ausraster vor der Verhandlung vor zwei Wochen ein gerichtliches Nachspiel haben.

Mit Händen und Füßen Gegenwehr geleistet

„Ich habe am Vortag einen schlechten Tag gehabt“, versuchte der Angeklagte sein Verhalten kurz vor Weihnachten 2018 vor Gericht zu erklären. Daher habe er „sehr viel getrunken“.

Das führte schließlich dazu, dass aus der Personalien-Überprüfung die jetzigen Anklagepunkte wurden. Ein Polizist schilderte, dass er zusammen mit seinem Kollegen aufgrund des Verhaltens des Angeklagten - Aggressivität und Alkoholpegel - zu dem Entschluss gekommen sei, den 28-Jährigen in Gewahrsam zu nehmen. Dagegen wehrte sich der Angeklagte mit Händen und Füßen, leistete „extreme Gegenwehr“, so ein Polizeibeamter. Auch habe der Angeklagte versucht, ihn in den Oberschenkel zu beißen.

Polizisten ins Gesicht getreten

Sein Kollege habe bei dem Gerangel von dem Angeklagten einen Tritt ins Gesicht abbekommen, schilderte der Zeuge, dass sie Verstärkung rufen mussten. Der an Schläfe und Jochbein getroffene Beamte war anschließend zwei Tage dienstunfähig.

Der 28-Jährige stieß, nachdem ihm die Hände auf dem Rücken fixiert wurden, Beleidigungen und Todesdrohungen gegen die Polizeibeamten und ihre Familien aus. Auch rief er dabei „Allahu Akbar“, eine islamische Formel, die in nicht-islamischen Ländern mit Terrorismus in Verbindung gebracht wird. „Das ist in heutiger Zeit ziemlich schlecht“, meint der Richter zur Verwendung dieses Begriffes durch den Angeklagten, der meint, die Todesdrohungen und der Begriff seien nicht sein Wortschatz.

Gegenüber den beiden Polizisten entschuldigte sich der Angeklagte für die Beleidigungen und den Übergriff. Allerdings erzeugte das bei den Beamten nicht einmal ein erfreutes Grinsen. „Dafür war das ein paarmal zu oft“, flüsterte ein Polizist in der Zuschauerreihe, der den Angeklagten aus diversen Einsätzen kannte.

Schon mehrfach vor Gericht

Körperverletzungen, Diebstahl, Drogenmissbrauch. Zuletzt stand der Vredener Anfang Oktober 2018 vor Gericht, weil er seinen fünfjährigen Neffen getreten haben soll. Zum Zeitpunkt der jetzigen Tat stand er unter einer eineinhalbjährigen Bewährungsstrafe, nach einem Verfahren wegen Bedrohung, Körperverletzung und Sachbeschädigung.

Am Ende sah der Staatsanwalt die Tatvorwürfe durch die Zeugen bestätigt und wertete auch die hohe Rückfallgeschwindigkeit des Angeklagten als belastend. Der Angeklagte habe „mit besonderer Rücksichtslosigkeit gehandelt“, fasste der Staatsanwalt es zusammen und forderte ein Jahr und sechs Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung.

Der Anwalt des 28-Jährigen ging aufgrund des Alkoholgenusses seines Mandanten von einer verminderten Schuldfähigkeit aus. Den Tritt gegen den Beamten wollte er als einfache und nicht als schwere Körperverletzung gewertet wissen. Auf die Ereignisse im Gericht vor zwei Wochen ging der Anwalt in seinem Plädoyer auch ein. Sein Kommentar: „Ich fand es heftig.“ Die von seinem Mandanten bestrittenen Beleidigungen habe auch er gehört, sagte der Anwalt und empfahl seinem Mandanten, „den Alkohol wegzulassen“. Der Verteidiger stellte die Bestrafung in das Ermessen des Gerichts.

15 Monate Gefängnisstrafe

Das verurteilte den Angeklagten wenig später zu 15 Monaten Gefängnisstrafe ohne Bewährung. Der Richter erkannte „verminderte Schuldfähigkeit“ durch den Alkoholgenuss des Angeklagten an, sah aber auch, dass da „mehr war, als nur Alkohol“. „Sie haben sich wie ein Barbar verhalten“, bewertete der Richter in seinem Urteil das Verhalten des Angeklagten beim Gerichtstermin vor zwei Wochen und konnte sich gut vorstellen, was sich in der Nacht vor Weihnachten 2018 in der Vredener Innenstadt abgespielt hat.

Noch im Gerichtssaal unterschrieb der Richter für den Angeklagten die Entlassung aus der Haft. Das ist aber nur vorübergehend. Der 28-Jährige wird demnächst Post erhalten, wann er sich in welcher Justizvollzugsanstalt zur Absitzung seiner jetzigen Haftstrafe einfinden muss. Beim nächsten Verfahren wird er dann aus der Haft vorgeführt.

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