Richter sieht bei Vredenerin keine Einsicht: „Bewährung ausgeschlossen“

hzLandgericht

Das Amtsgericht Ahaus verurteilte eine 29-Jährige aus Vreden zu einer Freiheitsstrafe wegen Diebstahls. Das Landgericht Münster milderte das Urteil zwar ab, für eine Bewährung sah es keine Chance.

von Klaus Möllers

Vreden

, 13.09.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Weil sie immer wieder in Geschäften gestohlen hatte, wird eine 29 Jahre alte Frau aus Vreden laut Urteil des Landgerichts Münster eine einjährige Gefängnisstrafe verbüßen müssen. Zwar bezieht sich das Urteil lediglich auf ihre letzte Tat, bei der sie in einem Laden für Kinderbekleidung in Vreden Sachen für 153,99 Euro mitgehen ließ. Vorherige Taten spielten aber eine Rolle dabei, dass sie keine Bewährungsstrafe bekam, die sie in der Berufung erreichen wollte.

Jetzt lesen

Ursprünglich hatte das Amtsgericht Ahaus die Frau zu einem Jahr und drei Monaten Haft verurteilt. Das Landgericht änderte die Strafe nun ab – unter anderem, weil die Frau zuletzt geständig war und der Eigentümerin des Geschäfts noch im Gerichtssaal eine Schadenswiedergutmachung in Form von 155 Euro in bar über ihren Anwalt zukommen ließ.

Strafen schreckten vor weiteren Taten nicht ab

Der Richter erklärte, dass sich die Frau offenbar „weder durch kleine noch durch größere Geldstrafen“ von weiteren Diebstählen habe abhalten lassen, auch nicht „von Bewährungsstrafen und nicht von Strafen ohne Bewährung“. Deswegen sei eine Bewährung jetzt ausgeschlossen. Zur Tatzeit stand sie wegen eines 14 Tage zuvor gefällten Urteils unter Bewährung.

Jetzt lesen

Die Angeklagte war 2005 „über einen Schlepper“, wie der Anwalt sagte, aus Afrika über den Sudan nach Deutschland gekommen. Ihr Vater sei Apotheker und habe ihr mehrere tausend US-Dollar mitgegeben, die größtenteils für den Schlepper drauf gegangen seien. Sie sei dann mit falschen Papieren in einem Flugzeug in Frankfurt/Main angekommen. Seitdem hat die Frau acht Einträge im Bundeszentralregister wegen Diebstählen angesammelt. Der Vater zweier gemeinsamer Kinder lebe in den Niederlanden und zahle keinen Unterhalt.

Angeklagte will Hausdurchsuchung verhindern

Der Richter nannte aus dem ursprünglichen Urteil Umstände, die nach der Tat im Vredener Bekleidungsgeschäft zu einer Wohnungsdurchsuchung geführt hatten. Demnach hatte die Frau nach ihrer Festnahme erst versucht, von der Polizeiwache zu fliehen. Vor ihrer Wohnungstür erklärte sie, keinen Schlüssel für die Wohnung zu haben. Als dann doch ein Schlüssel auftauchte, stellte sie sich in den Türrahmen, um eine Durchsuchung zu verhindern.

Jetzt lesen

In der Wohnung fanden die Beamten „in Tüten und Taschen Kleidungsstücke für Erwachsene und Kinder und Schuhe, zum Teil original verpackt und mit Etiketten“. Zudem Parfüme mit Verkaufspreisen im dreistelligen Euro-Bereich. Der Polizei sagte sie, dass Bekannte die Sachen gebracht hätten, weil sie einen „Transport für Menschen in Afrika“ unternehmen wollte, erklärte der Anwalt.

„Mit Diebstählen Hartz IV-Geld aufbessern“

Weil es am Landgericht nun ausschließlich um das Strafmaß ging und die Feststellungen des Amtsgerichts zum Fall somit bereits rechtskräftig waren, wurde der Fund nicht weiter erörtert. Der Richter merkte allerdings skeptisch an: „Ich würde fragen, ob die teuren Parfums auch nach Afrika geschickt werden sollten.“

Als Begründung für ihre Diebstähle gab die Frau bei Gericht an, dass

es in ihrem „Freundeskreis üblich ist, dass man klaut und Sachen verkauft, um damit sein Hartz IV-Geld aufzubessern.“

Der Richter dazu: „Sie sind ja nicht klauen gegangen, weil Ihre Freunde Sie dazu gezwungen hätten. Sie wollten Dinge haben, die Sie sich sonst nicht leisten können oder um sie zu verkaufen und sich von dem Geld Dinge zu kaufen, die Sie sich sonst nicht leisten können.“

Jetzt lesen

Die Frau gab an, dass sie mittlerweile ein eigenes Einkommen erziele und sich von den besagten Freunden distanziert habe. Wo ihre heute fünf und sieben Jahre alten Kinder unterkommen, wenn sie in Haft ist, wisse sie noch nicht.

Lesen Sie jetzt