Stadt nutzt Atempause für neue Flüchtlingsunterkünfte

Úmbau und Anmietung

Ruhe herrscht auf der Baustelle. Die Handwerker haben ein paar Tage Pause eingelegt, bald krempeln sie wieder die Ärmel auf. Der Blick von außen fällt durch ein Fenster auf Räume, die schon nicht mehr an eine Gaststätte erinnern. Flüchtlinge sollen dort in Zukunft leben.

VREDEN

, 04.01.2016, 18:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die ehemalige Gaststätte Völkering stellt eine der vielen Unterkünfte dar, die in Vreden Platz für Asylbewerber bieten. Das große Gebäude an der Beatrixstraße beherbergt im Obergeschoss bereits zahlreiche Menschen: Die Namen auf dem Ausdruck am Postkasten lassen ihre Herkunft aus einer der Krisenregionen dieser Welt erahnen.

Brigitte Sicking konnte über den Jahreswechsel etwas durchatmen. Die Leiterin des Fachbereichs Soziales bei der Stadt Vreden bekennt auf Anfrage der Münsterland Zeitung: "Wir profitieren noch etwas von der Überlastungsanzeige." Dieser Schritt hatte überregional für Schlagzeilen gesorgt.

Nur 20 Zuweisungen

Vreden hatte Ende November als erste Kommune im Kreis Borken Alarm geschlagen: Die Kapazitäten für die weitere Aufnahme von Flüchtlingen waren erschöpft. Die Bezirksregierung in Arnsberg hatte daraufhin der Widukindstadt niemanden mehr zugewiesen - für einen begrenzten Zeitraum. "Wir hatten danach im Dezember nur 20 Zuweisungen", berichtet Brigitte Sicking. Das sei viel weniger gewesen als in vergleichbaren Orten in der Region.

Vreden habe die Chance genutzt, die dieser Zeitabschnitt bot. Die Aufgaben waren klar vorgegeben: neue Unterkünfte finden und herrichten, die Menschen in den bestehenden Flüchtlingsheimen noch einmal nach sozialen Gesichtspunkten sortieren. "Da sind wir nun deutlich weitergekommen", sagt die Fachbereichsleiterin.

Auf gutem Weg

Der Umbau der früheren Gaststätte Völkering sei bald abgeschlossen. Ein kleines Haus für zwölf Personen sei Anfang des Jahres in einem Wohngebiet hinzugekommen, im Marienhook habe die Stadt Vreden ein Gebäude anmieten können. Verhandlungen über weitere Objekte liefen. Die Belegung eines Gebäudes an der Bahnhofstraße (wir berichteten) verzögere sich noch.

Brigitte Sicking sieht die Stadt derzeit unter dem Strich auf einem guten Weg: "Wir bleiben auf jeden Fall am Ball und suchen weiter." Einige Flüchtlinge seien auch in Privatwohnungen untergekommen: "Das ist natürlich die beste Lösung."

Engagierte Freiwillige

Die vielen ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer machten weiter engagiert mit. Brigitte Sicking verhehlt aber nicht, dass mancher eine Pause brauche. Es strenge schließlich ganz besonders an, in den großen Unterkünften als Ehrenamtlicher präsent zu sein.

Diese Aufgabe sollen in der Turnhalle an der St.-Georg-Schule und am ehemaligen Baywa-Baumarkt nun Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes übernehmen. Sie ergänzen dort die Kräfte der Stadt. Daneben halte die Spendenbereitschaft für Flüchtlinge in Vreden an, schildert Brigitte Sicking den Stand der Dinge: "Das Haushaltswarenlager ist sehr gut gefüllt."

Prognose schwierig

Wie weit es reichen mag? Brigitte Sicking mag keine Prognose zu dem wagen, was die Stadt in diesem Jahr erwartet. Ein Ende der Krisen und Kriege sei nicht abzusehen, meint sie mit Blick auf die Nachrichten aus dem Nahen Osten. Sie hat allerdings hinsichtlich der Abläufe bei der Verteilung der Menschen eine Hoffnung: dass die beteiligten Behörden aus den Erfahrungen des vergangenen Jahres Konsequenzen ziehen.

Brigitte Sicking: "Ich habe den Eindruck, dass daran gearbeitet wird, die Verfahren immerhin strukturierter zu bekommen." Und dass die betroffenen Menschen schneller Klarheit über ihr weiteres Leben erhalten: ob sie bleiben können oder gehen müssen. Manch einer von ihnen würde Vreden lieber in Richtung einer Metropole verlassen, auch wenn die Aufnahme in der westmünsterländischen Kleinstadt freundlich ist: "Dieser Wunsch ist nicht selten." Auch eine solche Fluktuation würde entlasten.

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