Stadt will Plastik bei Veranstaltungen verbieten – Was ist mit Schützenfesten oder Kirmes?

hzAntrag der Grünen

Die Grünen in Vreden haben beantragt, dass bei Veranstaltungen ein Verbot von Einweggeschirr gelten soll. Betroffen wären auch die Kirmes, Schützenfeste und Vereinsveranstaltungen.

Vreden

, 20.02.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Pommes aus der Plastikschale, Bier aus Einwegbechern und Schnitzel mit Plastikmesser und -gabel. Auf Veranstaltungen sind diese Dinge keine Seltenheit. In Vreden soll sich das nun ändern. Die Grünen haben im Vredener Stadtrat beantragt, Veranstaltungen nur noch zu genehmigen, wenn auf Einweggeschirr verzichtet wird.

Doch das ging vielen Politikern ein bisschen zu weit. „Das würde ja auch für Veranstaltungen von Vereinen gelten. Schützenfeste, Reitturnier, Sommerfeste, Food-Truck-Festival...“, sagte Hendrik Mulder (FDP) skeptisch. Die Vereine hätten Verträge mit Imbissen, zum Teil von außerhalb.

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Die Frage: Kann man denen den Verzicht auf Plastikgeschirr überhaupt vorschreiben? Auch Reinhard Laurich (SPD) äußerte sich kritisch: „Wie soll das funktionieren?“

EU verbietet immer mehr Kunststoff-Produkte

Gerd Welper von den Grünen konnte die Zweifel nicht so richtig nachvollziehen: „In absehbarer Zeit wird es von der EU deutliche Vorgaben geben. Alle, die jetzt sagen, dass sie das nicht leisten können, werden es schon bald leisten müssen.“ Ab 2021 sind in der EU zum Beispiel Einwegbesteck aus Kunststoff, Strohhalme, Wattestäbchen aus Kunststoff und Haltestäbe für Luftballons verboten.

Volle Mülleimer mit Plastikmüll soll es nach Veranstaltungen nicht mehr geben.

Volle Mülleimer mit Plastikmüll soll es nach Veranstaltungen nicht mehr geben. © picture alliance/dpa

Sogar für Großveranstaltung haben andere Städte nach Angaben von Gerd Welper schon Lösungen gefunden. Da werde zum Beispiel ein Spül-Mobil aufgestellt, um Geschirr und Besteck vor Ort zu spülen. Die Initiative „Tischlein deck dich“ aus Niedersachsen vermeide gleich doppelt Müll. „Sie sammeln Geschirr aus Haushaltsauflösungen und benutzen diese dann bei Veranstaltungen“, erzählte Gerd Welper.

Außerdem gebe es ja auch noch essbare Schälchen, die sich auf dem Kompost zersetzen würden. „Es gibt Lösungen“, machte der Grünen-Politiker deutlich.

Grundidee überzeugt, Details sorgen für Skepsis

Die Grundidee fanden auch alle Politiker und die Verwaltung gut. Nur bei der Praxis-Umsetzung gab es viele offene Fragen. „Mit den Wirten und Vereinen hat ja auch noch niemand gesprochen“, merkte Reinhard Laurich (SPD) an. Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch entgegnete: „Und was ist, wenn die Ortsansässigen gar nicht beteiligt sind?“

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Der Bürgermeister und der Erste Beigeordnete Bernd Kemper warben dafür, die Detailentscheidungen der Verwaltung zu überlassen. „Wir würden in jedem Fall mit Augenmaß entscheiden, was verhältnismäßig ist und was nicht“, so Bernd Kemper.

Als Beispiel nannte er die Vredener Kirmes. „Von den Imbissbetrieben kann man da schlecht verlangen, dass sie Pommes und Currywurst auf Tellern servieren.“ Schließlich würden die Besucher mit dem Essen selten am Stand stehen bleiben. Soweit praktisch möglich, wolle man aber auf die Betriebe einwirken, zum Beispiel Pappschalen statt Kunststoff zu benutzen.

Zuschuss von der Stadt nur bei Verzicht auf Plastik

Doch auf diese ganz allgemeine Vorgabe wollten sich die Politiker nicht einlassen. „Das muss konkretisiert werden“, sagte Heinz Gewering (CDU). Der Umweltausschuss soll sich deswegen mit dem Thema befassen und konkrete Leitlinien festlegen.

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Eine Sache hat der Rat aber doch direkt beschlossen. Einen finanziellen Zuschuss von der Stadt für Veranstaltungen gibt es in Zukunft nur noch, wenn die Veranstalter auf Plastikbesteck, -geschirr und -gläser verzichten.

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