Dr. Turit Fröbe stellte am Sonntag gemeinsam mit ihrem zehnköpfigen Team aus Berlin auf der Bühne im Stadtpark die Ergebnisse ihrer einwöchigen Aktivitäten mit der Stadtdenkerei vor. © Anne Rolvering
Abschluss Stadtdenkerei in Vreden

Stadtdenker stellen Fazit und unkonventionelle Ideen für Vreden vor

Nach einer Woche in Vreden stellen die Stadtdenker aus Berlin ihr Fazit vor: Die Themen Verkehr in der Innenstadt, Belebung der Leerstände und mehr Plätze mit Aufenthaltsqualität angehen.

Zum Abschluss des einwöchigen Besuches der „Stadtdenkerei“ stellte Dr. Turit Fröbe am Sonntag gemeinsam mit ihrem zehnköpfigen Team auf der Bühne im Stadtpark bei „Vreden ist bunt“ die Ergebnisse ihrer unkonventionellen Ideen für die Stadt vor.

„Es war eine aufregende Woche und ich denke, wir haben Spuren hinterlassen. Die wichtigsten Themen waren der Verkehr in der Innenstadt mit den Autos und eine dauerhafte Strategie zur Belebung der Läden,“ erklärte Dr. Turit Fröbe.

Nur formale Fußgängerzone

In den ersten Tagen hätten die Stadtdenker sich die Stadt von den Bürgern zeigen lassen, „mit einem liebevollen Blick“. Dabei stellte sich heraus, dass die Innenstadt nur formal eine Fußgängerzone sei. Überall können Autos weiterhin in die Stadt hereinfahren. Es sei nicht klar definiert, wo es Platz für Autos und Fußgänger gibt.

Die Twicklerstaße wurde von den „Stadtdenkern“ als „Rennstrecke“ wahrgenommen und die Innenstadt würde dominiert von Parkplätzen. „Temporär wurden jetzt 22 leer stehende Läden vermietet, dass ist eine wahnsinnige Chance für Vreden,“ sagte die Architekturhistorikerin und Urbanistin.

Als Kuriositäten in Vreden seien den Stadtdenkern die vielen Sammlungen aufgefallen, vom Schuhmuseum über das Scherenschnittmuseum, Propellersammlungen, einer Lampensammlung bis zum „Flippermuseum“. Die Redewendung „Vreden kommt von Reden“ hätten sie mehrfach gehört, aber auch festgestellt, dass die Vredener gerne feiern, sogar am zweiten Weihnachtstag.

Eigener Bereich für Jugendliche?

„Die Innenstadt hat ein wahnsinniges Potential, ist hoch frequentiert und beliebt bei den Bürgern, das hat uns fasziniert,“ betonte Dr. Turit Fröbe. Viele Plätze seien jedoch Parkplätze, wie der Domhof. Die Stadtdenker dokumentierten Lieblingsorte der Vredener mit Fotos und Markierungen in der Stadt. Zu den Lieblingsorten gehören unter anderen der Stadtpark, das kult, das Freibad, die Berkel und der Jugendcampus.

Die Jugendlichen aus Vreden hätten den Stadtdenkern mitgeteilt, dass für sie der Stadtpark „das Herz der Stadt“ wäre und sie sich gerne auf den Treppen hinter dem kult aufhalten. Die Stadtdenker schlugen vor, den Jugendlichen im Innenstadtbereich einen eigenen Bereich zu geben. Das Ladenlokal an der Twicklerstraße, in dem die Stadtdenkerei ihr Quartier hatte, könnte doch zukünftig ein „Jugendcafe“ werden.

Ausgetretene Pfade verlassen

Bei der Befragung mit den Verkehrsteilnehmern in der Stadt sei deutlich geworden, dass sich Fahrradfahrer und Fußgänger nicht immer sicher fühlen, aber für viele das Auto in der Stadt wichtig sei. „Auf dem Domhof gibt es den letzten 29 Meter langen Fußweg der Innenstadt,“ hoben die Stadtdenker hervor. Eine Belebung der Innenstadt könne nicht funktionieren, wenn die Infrastruktur nicht bedacht würde.

Den Vredenern empfahlen die Stadtdenker, ihre Stadt einmal aus einer anderen Perspektive zu sehen und die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Dazu eigne sich beispielsweise ein Gang durch die Wallstraße oder dass zukünftig neue Plätze mit Aufenthaltsqualität geschaffen werden.

Viele engagierte Menschen in Vreden

Das Team der Stadtdenker hatte in diesem Zusammenhang am Samstag kurzfristig Bänke an der Franziskanerstraße, Bremerstraße und in der Jan-Elsbeck-Straße aufgebaut. An der Berkel griffen sie die Idee zum Aufbau des alten „Berkelhafens“ auf.

„Vreden hat sehr viele schöne Plätze, die nur darauf warten, belebt zu werden,“ hob Dr. Turit Fröbe hervor. Die Stadtdenker hätten bei allen Aktivitäten von den Bürgern erfahren, dass die Vredener gerne in ihrer Stadt leben und die Stadt schön finden. Dr. Fröbe sei deshalb ein bisschen irritiert gewesen, dass sie kein „Meckern“ wahrgenommen hätte.

„Mich hat sehr erstaunt, wie viele engagierte Menschen wir hier getroffen haben,“ sagte Dr. Turit Fröbe. Sie empfahl zu Schluss ihrer Ansprache, das Thema Innenstadt anzugehen, eine Verkehrsanalyse und die Freiraumplanung in Angriff zu nehmen. Alle Aktivitäten der Stadtdenkerei können die Vredener demnächst in einer Zeitschrift nachlesen oder sich in einem Film anschauen.

Über die Autorin
Redaktion Ahaus
Jahrgang 1965, fotografiert und schreibt seit 1999 als freie Mitarbeiterin für die Münsterland-Zeitung/Lokalredaktion Vreden. Menschen, Ehrenamt, Soziales, Politik, Geschichte, Natur, Kunst und Kultur sind ihre Lieblingsthemen.
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