Ulrike Tillmann, hier auf einem Bild vor der Corona-Pandemie und deswegen ohne Mundschutz, wird ab Herbst Direktorin des Isaac Newton Instituts in Cambridge. © Pavlina Jachimova
Mathe-Genie

Ulrike Tillmann aus Vreden leitet bald ein Mathe-Institut in England

Vor fast 40 Jahren hat Ulrike Tillmann ihr Abitur am Vredener Gymnasium abgeschlossen. Heute lebt sie in Großbritannien und wird demnächst Leiterin eines Cambridge Instituts – als erste Frau.

Ulrike Tillmann ist in Ammeloe aufgewachsen, hat 1982 ihr Abitur am Vredener Gymnasium gemacht. Ihre Leistungskurse: Mathe und Deutsch. Mathematik hat bis heute einen Schwerpunkt im Leben der mittlerweile 58-Jährigen gebildet. Nach dem Abitur hat Ulrike Tillmann Mathematik studiert, heute lehrt sie als Mathematik-Professorin an der Universität Oxford in Großbritannien.

Ab Herbst 2021 tritt die Mathematikerin gleich zwei neue Positionen in England an. Sie wird Präsidentin der englischen London Mathematical Society und Direktorin am Isaac Newton Institut for Mathematical Sciences in Cambridge. Zwei große Titel, die Ulrike Tillmann bevorstehen. Ist sie aufgeregt? „Nein“, sagt sie und schmunzelt, „ich sehe dem relativ gelassen entgegen.“

Verschiedene Aufgaben als Direktorin stehen Ulrike Tillmann bevor

Das Isaac Newton Institut ist ähnlich wie das Mathematische Forschungsinstitut in Oberwolfach oder das Hausdorff-Zentrum für Mathematik in Bonn. „Das wird den Mathematikern was sagen“, so Ulrike Tillmann. Für alle Nicht-Mathematiker: Einfach erklärt ist das Isaac Newton Institut in Cambridge spezialisiert auf längere Forschungsprogramme für Mathematik und theoretische Physik. Wissenschaftler aus verschiedenen Nationen treffen sich dort und arbeiten zusammen.

Ulrike Tillmann ist die erste Frau, die den Posten als Direktorin des Cambridge Instituts besetzt.
Ulrike Tillmann ist die erste Frau, die den Posten als Direktorin des Cambridge Instituts besetzt. © Privat © Privat

Um erfolgreich an Projekten arbeiten zu können, ist es laut Ulrike Tillman wichtig, aus dem gewohnten Umfeld mal herauszukommen. „Das Institut gibt einem die Möglichkeit dazu“, sagt sie. „Als Direktorin bin ich dafür verantwortlich, gescheite wissenschaftliche Programme zu haben, Gelder einzubringen und dem ganzen Institut eine Richtung zu geben.“

Frauen sind in der Mathematik noch immer rar

Ein wichtiges Thema bei der Richtungsgabe ist auch die Diversität. „Das Institut gibt es seit fast 30 Jahren. Ich weiß nicht, die wievielte Direktorin ich sein werde, das habe ich nicht durchgezählt“, sagt Ulrike Tillmann, „aber ich bin die erste Frau.“

Frauen sind unterrepräsentiert in der Mathematik. Sich als Frau in der Männerdomäne durchzusetzen, sei dabei nicht das Problem. „Wenn man einen mathematischen Satz bewiesen hat, dann ist der bewiesen“, erklärt die Mathe-Expertin. „Da gibt es keine Diskussion. Es steht ja schwarz auf weiß.“

Das Problem ist ein anderes: „Es ist schwierig, junge Frauen in die Mathematik hereinzuziehen.“ In ihrer eigenen Familie haben sich viele Frauen für das Mathestudium entschieden: ihre Schwester, Töchter und Nichte. „Die Tradition wird fortgesetzt“, sagt Ulrike Tillmann und lacht.

Mathe-Expertin ist noch immer mit ihrer Heimat Vreden verbunden

Die mittlerweile seit vielen Jahren in England lebende Mathematikern ist immer noch sehr mit ihrer Heimat, dem Münsterland, verbunden. Ihre Eltern wohnen noch heute in Vreden. Im Oktober war sie zuletzt in Deutschland zu Besuch. „Im Moment geht es leider nicht häufiger“, sagt sie und meint damit die aktuelle Corona-Pandemie.

Dadurch, dass ihre Töchter langsam erwachsen werden und das Haus verlassen, ist es für die 58-Jährige möglich, die Stelle als Präsidentin der mathematischen Gesellschaft und das Directorship am Cambridge Institut anzunehmen. Die neue Stelle am Isaac Newton Institut ist vorerst auf fünf Jahre begrenzt. Was danach kommt, weiß Ulrike Tillmann noch nicht. „Erstmal möchte ich das ganz gut machen.“

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In der Grafschaft Bentheim aufgewachsen, während des Journalismus-Studiums in NRW verliebt. Danach über 2 Jahre in Kanada gelebt und jetzt wieder zurück im Lieblingsbundesland. Seit 2020 Volontärin bei Lensing Media
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