Unbekannte pöbeln an Asylbewerberunterkunft

In Ellewick

Unbekannte haben in der Nacht zum Sonntag ausländerfeindliche Parolen vor der Flüchtlingsunterkunft in Ellewick-Crosewick skandiert und Flaschen geworfen. Der Staatsschutz ermittelt.

VREDEN

09.03.2016, 09:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Im ehemaligen Heimathaus in Ellewick sind Flüchtlinge aus Syrien untergebracht.

Im ehemaligen Heimathaus in Ellewick sind Flüchtlinge aus Syrien untergebracht.

In einer gemeinsamen Mitteilung gingen die Polizeibehörden Borken und Münster am Mittwoch in die Öffentlichkeit. Die Behörden suchen Zeugen für die Pöbeleien und Flaschenwürfe gegen die Flüchtlingsunterkunft in Ellewick-Crosewick, die sich in der Nacht zum Sonntag gegen 2 Uhr ereigneten. Eine Gruppe von sechs bis sieben Personen habe sich zu diesem Zeitpunkt vor dem Haus aufgehalten, berichten Bewohner.

„Go out from Ellewick“ 

Plötzlich habe die Gruppe Sprachgesänge angestimmt wie „Go out from Ellewick“ und „Go home Syrier“. Den lautstarken Pöbeleien seien Flaschenwürfe gegen die Hauswand gefolgt und Belästigungen durch Klingeln an der Haustür. Die Anwohner seien aus Angst ins Obergeschoss des Hauses geflüchtet. Angela Lüttmann, Sprecherin der Münsteraner Behörde, erklärte auf Nachfrage der Redaktion, dass es noch keine näheren Erkenntnisse zu den Tätern gebe: „Wir hoffen sehr, dass sich jetzt einige weitere Zeugen melden.“

Dass die Nachricht über die fremdenfeindliche Ausschreitung erst jetzt in die Öffentlichkeit gelangte, sei verschiedenen Umständen geschuldet. Die betroffenen Flüchtlinge hätten sich erst am Montag an Mitarbeiter der Vredener Stadtverwaltung gewandt. Diese habe danach die Polizeibehörden schriftlich in Kenntnis gesetzt.

Nicht ermitteln können habe die Polizei bislang die Unbekannten, die im vergangenen Oktober die gleiche Unterkunft nachts attackiert und die dort lebenden Flüchtlinge sehr verängstigt hatten. Damals war es nicht bei Pöbeleien geblieben: Die Täter hatten auch eine Fensterscheibe eingeschlagen.

„Dumm und primitiv“

Betroffen zeigte sich Vredens Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch angesichts des erneuten derartigen Vorfalls. Gegenüber unserer Redaktion sagte er: „Das ist nicht zu entschuldigen, dumm und primitiv.“ Er ist überzeugt, dass die Ellewicker dies auch so sehen und die Dorfgemeinschaft die Attacken auf die Flüchtlingsunterkunft verurteilt. Zum einen sei es entschieden zu verurteilen, dass Menschen auf diese Weise in Angst und Schrecken versetzt würden. Zum anderen würden einige wenige mit ihrem Tun zugleich ein schlechtes Licht auf das Dorf werfen.

Nach dem Vorfall vom vergangenen Oktober hatte es aus der Dorfgemeinschaft heraus viele Zeichen mitmenschlicher Solidarität mit den Flüchtlingen gegeben, die in Ellewick-Crosewick untergebracht worden sind. Dazu zählte beispielsweise die Spende von Lernmaterialien durch den Heimatverein.

  • Der Staatsschutz der Polizei Münster hat die Ermittlungen übernommen. Hinweise nimmt die Polizei unter der Tel. (0251) 2750 entgegen.  

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