Unternehmen beschäftigen Flüchtlinge

Flüchtling als Praktikant

"Collins ist sehr engagiert und fleißig, und er hat die Chance, die sich ihm geboten hat, beim Schopf gepackt", lobt Geschäftsführerin Judith Pennekamp den jungen Afrikaner.

VREDEN

21.12.2015, 17:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Von positiven Erfahrungen berichten konnten die Vertreter der drei Firmen Ventana, Tenwinkel und Elektroanlagen Röring gemeinsam mit den Flüchtlingen, die bei ihnen Praktikumsplätze oder eine Ausbildung gefunden haben.

Von positiven Erfahrungen berichten konnten die Vertreter der drei Firmen Ventana, Tenwinkel und Elektroanlagen Röring gemeinsam mit den Flüchtlingen, die bei ihnen Praktikumsplätze oder eine Ausbildung gefunden haben.

Seit Oktober arbeitet Collins Naekus aus Nigeria als Praktikant beim Fenstersonderbauer Ventana in der Fertigung für Hebe-Schiebe-Türen. Er schneidet dort mit einem Kollegen aus der Stammbelegschaft Stahlprofile zu.

Ventana war durch das Engagement der Vredener Flüchtlingslotsen und Hauspaten auf den Bedarf an Arbeitsmöglichkeiten für Flüchtlinge aufmerksam geworden. "Durch die Flüchtlingslotsen haben wir von den Sorgen und Problemen der Flüchtlinge erfahren und wie sehr sie sich wünschen, zu arbeiten. Als Unternehmen haben wir sofort überlegt, wo wir auch ungelerntes Personal einsetzen können", erinnert sich Judith Pennekamp an die Anfänge der Initiative.

Geschick als Voraussetzung

Voraussetzung war auf jeden Fall handwerkliches Geschick. Mit Unterstützung durch die ehrenamtlichen Hauspaten, die die Flüchtlinge persönlich kennen, lernte die Geschäftsleitung von Ventana Collins Naekus kennen. So kam es, dass er Anfang Oktober als Praktikant anfangen konnte. "Die Mitarbeiter in der Produktion reagieren sehr offen auf Collins, die Verständigung klappt auf Englisch und zunehmend auch auf Deutsch. Die Stimmung ist absolut positiv", schildert Produktionsleiter Charly Klein-Reesink die für alle Beteiligten neue Situation. Ventana hätte dem 19-jährigen Flüchtling, der derzeit mit 14 weiteren Flüchtlingen in einer Doppelhaushälfte in Vreden wohnt, gerne einen Ausbildungsplatz angeboten oder ihn fest angestellt, denn handwerklich sei Collins sehr geschickt.

Keine Festanstellung

Beides scheide derzeit jedoch aus, heißt es in der Pressemitteilung: Eine Festanstellung sei erst nach einem mindestens 15-monatigen Aufenthalt in Deutschland möglich. Das sei bei Collins erst im Mai der Fall. Und ein Ausbildungsplatz komme auch nicht in Frage: Collins spreche noch nicht besonders gut Deutsch. Er würde also eine Ausbildung wahrscheinlich nicht bestehen. Einen Deutschkurs wiederum bekomme er erst, wenn sein Aufenthaltsstatus endgültig geklärt sei.

Deutsch lernen

Anders als bei Collins Naekus sieht es für Samedin Ismalin bei der in Vreden ansässigen Firma Elektro-Anlagen Röring GmbH aus. Dort absolviert der junge Flüchtling seit Oktober seine Ausbildung. „Unser neuer Mitarbeiter ist sehr engagiert und er spricht schon ziemlich gut Deutsch. Wir haben eine gut strukturierte Ausbildung, und wenn es doch mal Probleme geben sollte, unterstützen wir ihn natürlich. Wir wollen ja, dass er einen guten Abschluss macht“, erklärt Marlies Röring, die sich innerhalb des Unternehmens für diese zusätzliche Ausbildungsstelle starkmachte.

Vorher nie gearbeitet

Stefan Tenwinkel, Geschäftsführer der Firma Tenwinkel, beschäftigt ebenfalls einen Flüchtling als Praktikanten. „Mamadou Barry aus Guinea ist hoch motiviert, sehr fleißig, immer pünktlich. Damit hatte ich angesichts seiner Geschichte nicht gerechnet“, erklärt Tenwinkel. Denn der 23-jährige ist seit sechs Jahren auf der Flucht, hatte also noch nie in seinem Leben gearbeitet und außer einem Schweißerkurs auch keinerlei praktische Erfahrungen.

Trotzdem sei er von Anfang an sehr engagiert gewesen und konnte voll in der Fertigung eingesetzt werden. Und die vier Wochen im Team mit seinen deutschen Kollegen hätten auch seinen Deutschkenntnissen sehr gutgetan. Da Mamadou Barry bereits mehr als 15 Monate in Deutschland sei, könne er nach seinem Praktikum fest angestellt werden. Er werde also bald zur Stammbelegschaft bei Tenwinkel gehören.

Gezielt vermitteln

Die Stadt Vreden als zuständige Behörde stehe dem Engagement der Unternehmen sehr aufgeschlossen gegenüber. Angedacht ist jetzt, sich mit der Vredener Wirtschaftsvereinigung an einen Tisch zu setzen, um so gezielt weitere Unternehmen anzusprechen und Flüchtlinge in Arbeit zu vermitteln.

 

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