Die Produktion bei Wefapress läuft knapp vier Wochen nach dem Großbrand in vielen Abteilungen wieder. © Victoria Garwer
Großbrand

Vier Wochen nach Großbrand bei Wefapress: Arbeiten neben Schutthaufen

Anfang Juli wurden bei einem Großbrand rund 60 Prozent des Vredener Unternehmens Wefapress zerstört. Von außen erinnert noch vieles an den Brand, im Inneren geht es längst weiter.

Von außen sieht es auf dem Gelände von Wefapress noch immer so aus wie vor knapp vier Wochen. Der riesige Trümmerhaufen liegt seit dem Großbrand Anfang Juli unverändert da. Nur ein bisschen rot-weißes Flatterband ist hinzugekommen.

„Wir dürfen diesen Bereich immer noch nicht betreten“, sagt Wefapress-Geschäftsführer Gerrit Beck. Deswegen sei auch noch nicht klar, wie hoch die Schadenssumme wirklich ist. „Wir hoffen, dass unter den eingestürzten Hallendächern vielleicht noch Maschinen sind, die nicht vollständig zerstört wurden“, sagt Gerrit Beck.

Der riesige Schutthaufen liegt noch immer auf dem Gelände von Wefapress.
Der riesige Schutthaufen liegt noch immer auf dem Gelände von Wefapress. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Das Problem: Die Versicherung bezahlt den Abtransport des Schutthaufens und hat eine Ausschreibung gestartet, um das günstigste Angebot der Spezialfirmen zu ermitteln. Das braucht Zeit. Außerdem müssen vorher noch Details geklärt werden, zum Beispiel auf welche Deponie die Asche, Maschinenteile und verbrannten Kunststoffreste gebracht werden sollen.

Hoffnung auf intakte Maschinen unter den Trümmern

Am Freitag soll zumindest der erste Bagger kommen und die Hallendächer beiseite räumen, sodass die Verantwortlichen einschätzen können, ob einige Maschinen noch zu gebrauchen sind. „Soweit auf Drohnen-Videos erkennbar ist, sehen einige Anlagen erstaunlich gut aus“, schreibt das Unternehmen auf seiner Internetseite.

Während im Außenbereich also noch alles an den verheerenden Großbrand erinnert, läuft im Innenbereich schon wieder die Produktion – so gut es eben geht. Einige Hallen haben überlebt und mussten zum Teil nur gründlich gereinigt werden. Maschinen, die nach dem Brand unter einer dicken Schicht Ruß lagen, konnten nach nur acht Tagen Stillstand wieder in Betrieb gehen.

Provisorien in den Wefapress-Hallen sichern die Produktion

In den Hallen sind die Provisorien zum Teil deutlich zu sehen: Tücher stopfen die Löcher in dem beschädigten Brandschutztor, Kisten stehen in den Gängen und im eigentlichen Lager werden jetzt auch andere Arbeiten erledigt. Doch die Stimmung bei den Mitarbeitern ist trotz allem gut. Sie sind sichtlich froh, dass sie arbeiten können. „Eine Woche arbeiten sie, dann haben sie eine Woche frei“, sagt Gerrit Beck. Die Versicherung sorgt dafür, dass die Mitarbeiter dennoch ihren vollen Lohn erhalten.

Die Stimmung unter den Mitarbeitern ist vier Wochen nach dem Großbrand gut.
Die Stimmung unter den Mitarbeitern ist vier Wochen nach dem Großbrand gut. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Die Tochterfirma Plast-r-us, die in einer der Hallen auf dem Gelände von Wefapress sitzt, hat ihre Produktion schon wieder vollständig aufgenommen und sogar hochgefahren. „Dadurch kann ein Großteil der Aufträge aufgefangen werden“, sagt Gerrit Beck. Dafür wurde extra eine zusätzliche Schicht eingerichtet. Unterstützung kommt auch von dem Unternehmen Wikiplast aus Italien, an dem Wefapress beteiligt ist.

Einige Maschinen mussten vom Ruß gereinigt werden und funktionieren nun wieder einwandfrei.
Einige Maschinen mussten vom Ruß gereinigt werden und funktionieren nun wieder einwandfrei. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Und auch einige Wettbewerber greifen Wefapress in diesen Tagen unter die Arme und führen Arbeitsschritte aus, zu denen das Unternehmen noch nicht wieder in der Lage ist. „Die größte Unterstützung kommt von Terbrack. Die wissen ja am besten, wie schwer so eine Situation ist“, sagt Gerrit Beck. Bei dem Vredener Kunststoffunternehmen Terbrack hatte es im Jahr 1997 einen ähnlich großen Brand gegeben wie jetzt bei Wefapress.

Kunden haben Verständnis für längere Lieferzeiten

„Wir können dank dieser Hilfe und dank der Flexibilität der Mitarbeiter die meisten Aufträge weiter bedienen, wenn auch zum Teil mit längeren Lieferzeiten. Viele Kunden haben dafür aber auch Verständnis. Es gab nur sehr wenige Stornierungen“, berichtet der Wefapress-Geschäftsführer.

Die Mitarbeiter von Wefapress arbeiten zurzeit in einem Schichtbetrieb: eine Woche arbeiten, eine Woche frei.
Die Mitarbeiter von Wefapress arbeiten zurzeit in einem Schichtbetrieb: eine Woche arbeiten, eine Woche frei. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Die nächsten Schritte stehen bereits fest: Noch in dieser Woche geht die Produktion eines besonders flexiblen Kunststoffes wieder los, in zwei Wochen soll der alte Pressenbereich den Betrieb aufnehmen. Dadurch kann das Unternehmen selber die speziellen Kunststoffe herstellen und muss die Rezepte und Mischungen nicht außer Haus geben. Am 1. August fängt außerdem wie geplant eine neue Auszubildende an.

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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