Von der Ausbildung zur Chefetage: Elisabeth Richters Karriere bei Kemper

hzSteile Karriere

Als Elisabeth Richter 2001 zu Kemper kam, war sie 16 Jahre alt und hatte gerade die Realschule hinter sich. Heute steht sie mit an der Spitze des Unternehmens. Eine Erfolgskarriere.

Vreden

, 20.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Als ich herkam, wusste ich gar nicht genau, was ich wollte“, sagt sie heute. Klar, eine gute Ausbildung zur Industriekauffrau sollte es erst einmal werden. „Ich kannte das Unternehmen über meinen Onkel“, erinnert sich die heutige CFO des Unternehmens (Finanzvorstand).

Der hatte ihr einen Schülerjob verschafft. „Das Arbeitsklima gefiel mir direkt“, erzählt die 35-jährige Vredenerin. Auch als Schülerin sei sie in den Ferien Teil des Teams gewesen. Es folgte ein freiwilliges Praktikum und damit war ihr Interesse für das Unternehmen endgültig geweckt. „Eigentlich wollte ich ja Arzthelferin werden“, sagt sie und muss lachen. Doch sei das überhaupt nichts für sie gewesen.

Ehrgeiz wurde kurz nach der Ausbildung geweckt

Also machte sie die Ausbildung. „Danach hab ich in der Sachbearbeitung angefangen“, sagt sie. Doch ihr Ehrgeiz war geweckt. „Ich habe Herausforderungen gesucht und wollte mehr erreichen“, erklärt sie. Ein Studium sei aber nicht in Frage gekommen. „Ich hab ja schon gutes Geld verdient. Dann im Studium wieder zu Kellnern oder Babysitten zu gehen, konnte ich mir nicht vorstellen“, sagt Elisabeth Richter lächelnd.

Berufsbegleitende Kurse am Wochenende

So belegte sie Kurse bei der IHK. Wurde erst Industriefachwirtin später IHK-Betriebswirtin. Alles berufsbegleitend an den Wochenenden.

„Das waren vier wirklich harte Jahre“, sagt die Vredenerin. Aber Jahre, die sich gelohnt haben: Mit der Ausbildungseignerprüfung übernahm sie im Betrieb die Verantwortung für die Auszubildenden. „Und ich habe erstmal die Ausbildung auf links gezogen“, erzählt sie.

Der 35-Jährigen war die Ausbildung zu theoretisch: Die kaufmännischen Azubis hätten damals nur wenig vom Maschinenbau mitbekommen. Heute stehen neben Vertrieb, Buchhaltung und Einkauf auch Stationen in der Arbeitsvorbereitung, der Fertigung und dem „After Sales Service“ – also dem Kundendienst – mit auf dem Lehrplan.

„Unsere kaufmännischen Azubis brauchen ganz einfach auch den technischen Background, sonst funktioniert es nicht“, sagt sie. Das System habe sich in den vergangenen Jahren bewährt.

Mehr Aufgaben, mehr Verantwortung

Nach und nach kamen immer mehr Aufgaben dazu: Etwa als Vertriebscontrollerin oder Leiterin des Qualitätsmanagements. „Ich habe immer nach neuen Herausforderungen gesucht“, erzählt die Vredenerin.

Dabei sei sie stets vom Unternehmen unterstützt worden. „Wenn ich einen Fehler gemacht habe, wurde nicht draufgehauen, sondern gefragt, wie man es beim nächsten Mal besser machen kann“, sagt sie. Eine der Kernideen des Unternehmens. Und eine Philosophie, durch die Elisabeth Richter sich immer sicher gefühlt hat. „So kann man lernen“, erklärt sie.

Kemper stellt Absaugablagen wie diese zum kontaminationsfreien Staubaustrag her.

Kemper stellt Absaugablagen wie diese zum kontaminationsfreien Staubaustrag her. © Kemper

Schließlich am Ende einer langen Reihe von Herausforderungen wurde die Stelle des CFO frei, zu deutsch: der Finanzvorstand. Seit Juli verantwortet Elisabeth Richter, im Unternehmen wird sie nur Lisa genannt, man duzt sich, egal ob Vorstand oder Putzkraft, die Bereiche Personal, Finanzen und Controlling (Human Ressources und Finance). Über ihr steht nur noch Firmeninhaber Björn Kemper.

„Und das wird auch so bleiben“, sagt sie lachend. Auf der Karriereleiter hat sie also erst einmal die oberste Sprosse erreicht. Und die neuen Herausforderungen? „Die gibt es ja weiter. Bei uns ist nichts so beständig wie der Wandel“, erklärt sie und meint das nicht als Marketingfloskel.

„Selbst wenn Mitarbeiter über zehn Jahre am gleichen Schreibtisch sitzen, verändert sich der Job ständig“, sagt sie. Sei es durch neue Programme, die eingeführt werden, durch neue Abläufe oder Umstrukturierungen in den Abteilungen.

Firma als zweite Familie

19 Jahre in einem Betrieb. Ist ihr da nie der Gedanke gekommen, einmal woanders zu arbeiten? „Nein“, sagt sie und schüttelt entschieden den Kopf. „Ich habe hier Abwechslung genug. Und inzwischen bin ich so lange hier, dass die Firma und ihre Mitarbeiter so etwas wie eine zweite Familie geworden sind.“ Dass es sie dabei einmal bis in den Vorstand tragen würde, habe sie sich am Anfang nie vorstellen können.

Dabei ist sie nicht die Einzige, die lange bei Kemper geblieben ist und dort Karriere gemacht hat. „Viele unserer ehemaligen Azubis sitzen heute in verantwortlicher Position“, sagt sie. Im Management oder leitenden Tätigkeiten.

Die Kemper-Produktion am Stammsitz in Vreden.

Die Kemper-Produktion am Stammsitz in Vreden. © Kemper

Vorbilder auch für die neuen Azubis, die jedes Jahr ihre Ausbildung bei Kemper starten. „Bei einem ersten Rundgang können wir immer einzelne Leute vorstellen, die selbst ihre Ausbildung bei Kemper gemacht haben“, sagt sie. „Das motiviert.“

Jeder Mitarbeiter werde dabei so gefordert und gefördert, wie er es möchte. „Es gibt ja auch genug Leute, die mit ihrer Stellung zufrieden sind“, erklärt Elisabeth Richter. Auch solche Leute brauche das Unternehmen natürlich. Aber jeder bekomme die Chance sich weiterzubilden und aufzusteigen.

Ein weiterer Aufstieg steht bei Elisabeth Richter nun erst einmal nicht mehr an. „Aber auch so gibt es noch jede Menge zu lernen. Der ganze Finanzbereich ist noch relativ neu für mich. Da muss ich noch eine Menge lernen“, sagt die Vredenerin.

Das sei vorerst Herausforderung genug. Aber auch die will sie schnell in Angriff nehmen – kann dabei aber auf viel Unterstützung setzen. „Karl Segbert, der die Stelle vor mir hatte, aber nach und nach Aufgaben abgibt, ist der beste Lehrer, den ich mir vorstellen kann“, lobt sie.

Kemper ist Technologieführer

  • Kemper ist Hersteller von Absaug- und Filteranlagen für die metallverarbeitende Industrie.

  • Kemper ist Pionier und Technologieführer im Bereich der Schweißrauchabsaugung.

  • Das Unternehmen beschäftigt heute rund 300 Mitarbeiter.

  • Neben dem Hauptsitz in Vreden unterhält das Unternehmen einen Produktionsstandort bei Prag (Tschechien).

  • Über acht Niederlassungen und zahlreiche feste Handelspartner sind die Vredener weltweit vertreten.

  • Heute ist Kemper ein erfolgreiches Familienunternehmen. Weder das Wachstum noch die internationale Ausrichtung haben daran bis heute etwas geändert, der Umgang bei Kemper ist persönlich und familiär, heißt es auf der Firmenwebseite.
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