Eine Million mehr und enger Zeitplan: Steht die Vredener Freibadsaison 2020 auf der Kippe?

hzFreibadsanierung Vreden

Das Vredener Freibad soll im Winter komplett saniert werden. Doch die Kosten explodieren und auch der Zeitplan ist in Gefahr. Das beauftragte Planungsbüro gerät deshalb unter Beschuss.

Vreden

, 26.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Da kochten die Emotionen in einer ansonsten ruhigen Ratssitzung für kurze Zeit dann doch hoch. „Eine zumindest einigermaßen zuverlässige Kostenprognose wird man von Profis ja wohl noch erwarten dürfen“, polterte Heinz-Josef Ostendorf von der UWG und stand mit seinem Unmut nicht alleine da.

Zuvor hatte Sonja Baumeister vom Architekturbüro Krieger den Vredener Ratsmitgliedern den aktuellen Stand zur geplanten Freibadsanierung präsentiert. „Wir haben mit den Nutzern die Erfordernisse abgesprochen und die Planungsphase drei ist abgeschlossen. Im Dezember sollen die Bauarbeiten beginnen. Zur Sommerferien-Saison im Juni 2020 soll die Sanierung abgeschlossen sein“, sagte sie.

Planungsbüro: „Wir sind keine Hellseher.“

Allerdings schob sie gleich hinterher: „Wir haben keine hellseherischen Fähigkeiten. Wir können nicht ahnen, wie der Winter wird und wie die Ausschreibung läuft. Das sind Knackpunkte, die die Terminschiene in Gefahr bringen können.“ Und auch beim Thema Kosten war sie die Überbringerin der schlechten Nachrichten.

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Im März hatte Kämmerer Jürgen Buckting bei der bevorzugten Edelstahl-Variante von Kosten in Höhe von 1,9 Millionen Euro gesprochen und sich dabei auf die Schätzung des Planungsbüros bezogen. Dass die Zwei-Millionen-Marke bei der Sanierung aber bei Weitem überschritten wird, ist mittlerweile unstrittig.

Mehrkosten in Höhe von rund einer Millionen Euro erwartet

In der Sitzungsvorlage war bereits vermerkt, dass mit Mehrkosten in Höhe von insgesamt rund 700.000 Euro gerechnet werden müsse. Am Mittwochabend sprach Sonja Baumeister dann sogar von 2,9 Millionen Gesamtkosten, rund eine Million mehr als in der ersten Prognose.

Diese Summe ergibt sich unter anderem durch das geplante Schwimmmeistergebäudes (182.000 Euro) und die unvorhersehbare Schadstoffsanierung (90.000 Euro). Aber auch das Baugewerbe bereitet Probleme, wie Baumeister erklärte: „Die Konjunktur ist nicht sehr förderlich für die Planungen. Unser Büro hat im Vergleich zum Vorjahr im Durchschnitt eine Preissteigerung von mindestens 17 Prozent errechnet. Das ist eine schwierige Geschichte.“

Die gute Nachricht, dass eine qualitativ höhere Edelstahlsorte für das Freibad nicht erforderlich ist und damit 145.000 Euro eingespart werden können, ging fast unter.

Ratmitglieder wegen hoher Kosten erzürnt

Die Fraktionen reagierten – mal mehr, mal weniger – emotional auf die neuen Zahlen. Heinz Gewering (CDU) zeigte sich über die Mehrkosten erstaunt: „Das ist ein ordentlicher Batzen. Die Fraktionen sollten sich noch einmal beraten dürfen. Uns ist vor allem wichtig, dass wir im nächsten Jahr im Sommer ein Freibad haben.“

Reinhard Laurich (SPD) stimmte seinem Vorredner zu, verschärfte allerdings den Ton: „Dass die Entwicklungen nicht absehbar sind, ist für uns schwer vorstellbar. Ihre (Sonja Baumeisters, Anm. d. Red.) Aussagen zur Planung würde ich so deuten, dass es mit der Eröffnung zur Sommersaison nicht funktioniert. Und das können wir uns nicht leisten.“

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Elmar Kampshoff von der UWG kritisierte ebenfalls das Planungsbüro: „Im März haben wir über 1,9 Millionen Euro gesprochen, in der Vorlage von 2,6 Millionen und heute von 2,9 Millionen. Da wünsche ich mir mehr Zuverlässigkeit. Darf ich denn jetzt davon ausgehen, dass es bei dieser Summe bleibt?“

Planungsbüro verteidigt sich

Sonja Baumeister verwies erneut auf fehlende „hellseherische Fähigkeiten“ und verteidigte die Arbeit des Planungsbüros Krieger: „Die Parameter haben sich geändert. Das Schwimm-Meisterhaus war in der ersten Planung zum Beispiel gar nicht enthalten. Außerdem haben wir durch Gutachten völlig neue Erkenntnisse. Die Steigerungen sind erklärbar. Wir versuchen, so transparent wie möglich zu arbeiten.“

Weil sich die Diskussion zunehmend im Kreis drehte, schlug Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch vor, das Thema in den Bauausschuss am 10. Oktober zu übergeben. Gerd Welper von den Grünen fragte dazu: „Können wir uns das erlauben, ohne das Jahr zu verlieren?“ Eine eindeutige Antwort gab Sonja Baumeister darauf nicht: „Es gibt keine große Pufferzeit, ich kann es nicht mit Sicherheit sagen.“

Trotz leichter Bedenken beschloss der Rat am Ende, dass sich nun zunächst der Bauausschuss mit dem Thema Freibadsanierung befasst.

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