Mehr als fünf Kilogramm Kokain waren im Wagen eines Niederländers versteckt. © picture alliance/dpa
Amtsgericht Ahaus

Vredener dealt mit Kokain kommt aber mit Bewährungsstrafe davon

In 36 Fällen hat ein Vredener Kokain verkauft. Auch fand die Polizei eine größere Menge Drogen bei ihm. Vor Gericht kam der 30-Jährige am Freitag trotzdem mit einer Bewährungsstrafe davon.

Über ein Jahr lang hat ein heute 30-jähriger Vredener in Vreden Kokain verkauft. Auf 36 einzelne Taten summierte sich am Freitag die Anklageschrift vor dem Ahauser Amtsgericht. Dazu kamen weitere Anklagen wegen des Besitzes von Drogen in nicht geringer Menge sowie noch zwei Fahrten mit dem Auto, obwohl er keinen Führerschein mehr hatte.

Am Ende der dreistündigen Verhandlung kam er trotzdem glimpflich davon: Der Richter beließ es bei einer zweijährigen Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der höchsten Strafe, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

In 36 Fällen Kokain an Schulfreund verkauft

Aber noch einmal an den Anfang: Zwischen August 2018 und Dezember 2019 verkaufte der Mann in 36 Fällen Kokain an einen ehemaligen Schulfreund. Dabei handelte es sich allerdings immer um kleine Mengen: zwischen einem halben und drei Gramm. Die Drogen besorgte er sich von einem Lieferanten, den er jedoch nicht näher kannte.

Die Taten gab er über seinen Anwalt vor Gericht zu. Er sei schlicht einfacher an Kokain heran gekommen als sein Bekannter, den er seit Schulzeiten kenne und mit dem er die Drogen nehme. Dem habe er sie weitergegeben. „Ohne großen Verdienst“, wie der Anwalt erklärte. Doch das stimmte so nicht: Rund 35 Euro pro Gramm bezahlte er beim Lieferanten, für im Schnitt 70 Euro gab er die Drogen weiter. Das hielt ihm der Richter vor.

Angeklagter soll kein knallharter Dealer gewesen sein

„Sie räumen nur das ein, wo Sie eh nicht mehr herauskommen“, hielt der Richter ihm vor. Dennoch sah auch er, dass der 30-Jährige wohl nicht der typische knallharte Dealer gewesen sei: „Aus den Chatprotokollen geht hervor, dass ihr Freund ständig bei Ihnen anschreiben lassen konnte“, sagte der Richter. Das spreche eine deutliche Sprache.

Bei einer Durchsuchung des 30-Jährigen hatte die Polizei außerdem an einem Tag rund 15 Gramm Kokain gefunden. Auch für diese Menge hatte der Mann eine Erklärung: Ein Teil sei für den genannten Schulfreund bestimmt gewesen. Den Rest habe er für sich und drei Freunde gekauft, mit denen er an einem Wochenende in den Niederlanden feiern wollte. „Das war nicht für den Verkauf bestimmt“, erklärte er.

Polizei fand Drogen, Schreckschusspistole und Verkaufsausrüstung

Mit weiteren Drogen – zwölf Gramm Amphetamin, einer Schreckschusswaffe und Feinwaagen sowie drogentypischen Plastiktütchen wollte er nichts zu tun haben. Die hatte die Polizei in einem offenen Fahrradschuppen, der zu seiner Wohnung gehört, gefunden. „Wir können ihnen nicht beweisen, dass das ihre Drogen waren“, sagte der Richter.

Der Staatsanwalt hatte zweieinhalb Jahre Haft ohne Bewährung gefordert. Der Verteidiger hatte in seinem Plädoyer darum gebeten, es bei einer Bewährungsstrafe zu belassen: Sein Mandant habe nicht aus Gewinnstreben die Drogen verkauft, sondern sie lediglich im Freundeskreis verkauft. Trotz der hohen Zahl der vorgeworfenen Taten handele es sich insgesamt über eine überschaubare Menge. „Die eigene Abhängigkeit war Motiv seines Handelns“, erklärte er. Ihm sei bewusst geworden, auf welches Gleis er sich begeben habe und hoffe nun darauf, an sein früheres Leben vor dem Drogenkonsum anknüpfen zu können.

Positive Sozialprognose führt zu Bewährungsstrafe

Dem folgte der Richter schließlich. Der 30-Jährige habe inzwischen eine positive Sozialprognose, suche Hilfe bei einem Psychologen und sei im Zweifel auch bereit zu einer stationären Therapie, um endgültig von den Drogen loszukommen. Auch sei er nicht vorbestraft und habe sich im Prozess geständig gezeigt. Zusätzlich zur Bewährungsstrafe muss er 150 Sozialstunden leisten. Eine Summe von 3955 Euro wird das Gericht von ihm einziehen. So viel soll er mit dem Verkauf der Drogen verdient haben.

Der 30-Jährige ist gerade dabei, sich eine Selbstständigkeit aufzubauen, nachdem er im vergangenen Herbst gekündigt wurde. Wegen Corona, wie er erklärte. Außerdem hat er mit seiner jetzigen Lebensgefährtin eine dreijährige Tochter. Zu einer weiteren Tochter hat er momentan keinen Kontakt.

„Halten Sie sich an Ihre Auflagen“, schärfte der Richter ihm ein.

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Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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