Vredener Firma liefert Technologie zur Bekämpfung von Waldbränden in den USA

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Das Vredener Unternehmen Datacake hat eine digitale Plattform entwickelt, die Daten und Ergebnisse sichtbar macht. Wenn gewünscht, weltweit und jederzeit für jeden zugänglich. Ein Vorteil.

Vreden

, 04.10.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn der Vredener Simon Kemper aktuell Bilder von den Waldbränden in Kalifornien sieht, ist er wie viele andere auch erschüttert. Aber er kann berechtigte Hoffnung haben, daran mitzuwirken, das eine oder andere verheerende Feuer in Zukunft zu verhindern. Er und sein Geschäftspartner Lukas Klein haben eine Technologie entwickelt, die in den USA schon zum Einsatz kommt und bei der Früherkennung von Bränden hilft.

Digitale Plattform stellt Daten dar

Grob zusammengefasst hat das Vredener Unternehmen Datacake eine digitale Plattform entwickelt, die – in diesem Fall – Messergebnisse darstellt. Das amerikanische Unternehmen Thingy.us, das solarbetriebene Frühwarnsysteme für Waldbrände entwickelt, nutzt die in Vreden entwickelte Technologie.

Zahlen und Daten für Kenner: Gemessene Daten über Feinstaub, Luftdruck, Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden auf diesem Dashboard dargestellt, über ein Diagramm ein Überblick über die Entwicklung geliefert.

Zahlen und Daten für Kenner: Gemessene Daten über Feinstaub, Luftdruck, Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden auf diesem Dashboard dargestellt, über ein Diagramm ein Überblick über die Entwicklung geliefert. © Screenshot/privat

Für die Früherkennung und Bekämpfung ist eine genaue Erfassung der Feinstaub-Belastung notwendig. Die Feinstaub-Belastung ist ein Indikator für Brände. Das Unternehmen Thingy.us hat zum Beispiel in Kalifornien an vielen Stellen Wetterstationen mit Messgeräten installiert. Entsprechende Sensorik im Inneren der Geräte entnehmen automatisiert Proben aus der Umgebungsluft, analysieren die darin enthaltenen Stäube und übermitteln die Ergebnisse über das Lorawan-Netzwerk an eine entfernte Empfangsstation.

Technologie zur Bekämpfung von Waldbränden in den USA

Die Messdaten der Stationen werden auf der Datacake-Plattform gesammelt und in einem Dashboard entsprechend visualisiert. „Bevor man den Waldbrand sieht, schnellt die Feinstaub-Belastung nach oben, wenn es brennt“, weiß Simon Kemper. Und dank Datacakes ist das dann für jeden, den es (beruflich) interessiert, auf dem Dashboard zu sehen. Und bestenfalls wird der Brand nicht so verheerend, weil die Feuerwehr schon früh eingreifen kann.

Geschwindigkeit ist ja in Sachen Waldbrand nicht unbedeutend. Deswegen nutzt Thingy.us die Technologie made in Vreden, um die Visualisierung Behörden und Wissenschaftlern aus der ganzen Welt bereitzustellen. Denn die von Datacake entwickelte Plattform hat einen besonderen Vorteil: Eine neue Funktion, mit der sich Dashboards (Übersichten) erstellen und in Form einer Internetseite für die Öffentlichkeit zur Verfügung stellen lassen.

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Für die Ansicht dieser Internetseite muss sich niemand registrieren, sie kann über einen Link, der einfach in den Browser eingeben werden kann, erreicht werden. Der Vorteil ist das Tempo: „In akuten Situationen ist die Geschwindigkeit, mit der eine Lösung implementiert werden kann, oft Schlüsselfaktor für eine erfolgreiche Umsetzung“, sagt Simon Kemper.

Lukas Klein(r.), Mitgründer des Vredener Unternehmens Datacake, 2018 bei einer Messe Cutting World in Essen im April 2018. Dort präsentierte Datacake seine Technologie an einem Beispiel.

Lukas Klein(r.), Mitgründer des Vredener Unternehmens Datacake, 2018 bei einer Messe Cutting World in Essen im April 2018. Dort präsentierte Datacake seine Technologie an einem Beispiel. © Rainer Schimm/MESSE ESSEN

Von den aktuellen Waldbränden in Kalifornien zurück nach Vreden ins Jahr 2015. Simon Kemper arbeitet im Familienunternehmen Kemper als Forschungs- und Entwicklungsleiter und ist in dieser Funktion viel in Sachen „Industrialisierung 4.0“ in Infoveranstaltungen unterwegs. Hört vieles und denkt vor dem Hintergrund der Bedürfnisse mittelständischer und kleiner Unternehmen: „Das geht einiges in die falsche Richtung“. Eine Plattform als Grundlage zum Visualisieren müsste her.

Plattform ersetzt Telefonate und Ausdrucken von Tabellen

Analoge Vorgänge digital darstellen, so dass Unternehmen davon profizieren. Früher (oder in vielen Unternehmen auch aktuell noch) wurde und wird zum Beispiel telefoniert, ein (Mess-)Ergebnis irgendwo eingegeben, eine Excel-Tabelle erstellt, ausgedruckt und der Ausdruck wurde oder wird aufgehängt und ist somit zugänglich. Das sollte digitaler und somit einfacher und schneller zugänglich werden. Eine Idee, eine Skizze, ein Text waren schnell gemacht, über Twitter lernte er Lukas Klein kennen, der an der Idee mitarbeiten wollte.

Die Idee hatten, viele – Datacake hatte schon einen Kunden

„Die Idee hatten damals viele. Aber wir hatten einen Kunden, der die Plattform brauchte“, blickt Simon Kemper zurück. Das Familienunternehmen Kemper wollte seinen Kunden, die dessen Filteranlagen im Betrieb haben, ein Tool (digitales Werkzeug) zur Verfügung stellen. Datacake stellte die Lösung zur Verfügung.

Jede Filteranlage für sich übermittelt automatisch Daten, zum Beispiel, wann wieder eine Wartung ansteht, der Mitarbeiter des Kundenunternehmens sieht alles auf dem Dashboard, das er sich mit seinem Smartphone ansieht.

So sieht das Messgerät aus, das die Feinstaubkonzentration, den Luftdruck, die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit misst. Ein solches Gerät ist am Unternehmen Kemper im Industriegebiet Gaxel im Einsatz. Es wird über die Energie einer Solarzelle betrieben, käme dabei vier Wochen ohne Sonne aus.

So sieht das Messgerät aus, das die Feinstaubkonzentration, den Luftdruck, die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit misst. Ein solches Gerät ist am Unternehmen Kemper im Industriegebiet Gaxel im Einsatz. Es wird über die Energie einer Solarzelle betrieben, käme dabei vier Wochen ohne Sonne aus. © privat

Anderes Beispiel, ganz aktuell in Corona-Zeiten: Die Raumluftmessung in Schulklassen oder Großraumbüros: Die Geräte messen den CO2-Gehalt, das Dashboard zeigt an, wenn Handlungsbedarf besteht.

Plattformen verarbeiten bis zu drei Millionen Messdaten pro Tag

„Das Kernprodukt Datacakes ist eine sog IoT-Plattform, die für die Verarbeitung,

Aufbereitung und Visualisierung großer Daten- und Sensormengen konzipiert ist“, erläutert Simon Kemper noch einmal grundsätzlich das von ihm mitentwickelte Produkt. Mittlerweile verarbeiten die Datacake-Plattformen bis zu drei Millionen Messdaten pro Tag. Der Server steht in Frankfurt, ein Back-Up-Rechenzentrum in Amsterdam.

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Seine Kunden hat das Vredener Unternehmen über Online-Marketing akquiriert. Die Branchen, in der Datacakes genutzt wird, sind vielfältig. Produzierendes Gewerbe und die Wissenschaft sind dabei genauso wie ein Bootsverleiher in Los Angeles, der auf einem Dashboard verfolgt, wo seine mit GPs-Tracker versehenen Boote gerade herumschippern. Datacake bietet die Plattform und baut Regeln, die auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten sind.

Neben Simon Kemper und seiner Frau Madeleine (Vertrieb, Marketing, Kommunikation ) gehört Mitbegründer Lukas Klein (Entwicklung) zum Unternehmen. Einige freie Mitarbeiter in Berlin, Zypern oder in den USA helfen bei Bedarf, die Plattform kundenspezifisch weiterzuentwickeln.

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