Klare Kante: Vredener Funktionäre und Sportgericht senden fatale Signale an Jugendspieler

hzKommentar

Ein Finale, das nur Verlierer kennt, lieferten sich die A-Jugendlichen des SuS Stadtlohn und der SpVgg Vreden. Ein schlechtes Bild gaben nun Funktionäre und Sportgericht ab.

Vreden

, 20.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aufgeheizte Stimmung, Flutlicht, Derby: Dass es in einem solchen Pokalfinale zwischen Vreden und Stadtlohn ordentlich zur Sache geht und auch mal kracht, liegt in der Natur der Sache. Doch was in Dülmen nach Schlusspfiff vorgefallen ist, hat mit sportlicher Rivalität nichts mehr zu tun. Das belegen die Videos und die Aussagen der Schiedsrichter. Zwar wurden Vertreter beider Vereine an diesem Abend nicht müde, zu betonen, wie schnell sich alles abgekühlt habe. Die Sprachnachricht („Ich breche euch jeden Knochen“), die Stunden nach Schlusspfiff abgeschickt wurde, lässt aber Zweifel daran aufkommen.

Jetzt lesen

Befremdlich war deshalb der Auftritt der beiden Vredener Funktionäre, Ralf Hoffmann und Christoph Kondring, vor dem Kreisjugendsportgericht. Von Minute eins an wurde versucht, das Ereignis herunterzuspielen. Selbst die Schiedsrichter – die trotz ihrer klaren Opferrolle erstaunlich sachlich und neutral gelieben waren – wurden ins Kreuzverhör genommen; jede Aussage zweimal hinterfragt. Von Demut, die in diesem Fall angemessen gewesen wäre, war bei den Vredenern wenig zu spüren. Ein fatales Signal an die anwesenden jungen Spieler beider Vereine, denen dieser Vorfall eine Lektion hätte sein sollen.

Ernst genommen wurde der Vorfall an diesem Abend nicht

Da muss man sich nicht wundern, wenn während des Abschlussplädoyerers in den letzten Reihen bei den (Stadtlohner) A-Jugendlichen schon wieder gewitzelt und gelacht wird. Ich teile deshalb Willy Westphals Meinung: Ernst genommen, so zumindest der Eindruck, wurde dieser Vorfall an diesem Abend nicht. Und das ist vor allem ein fatales Signal an die Zunft der Schiedsrichter.

Das hat auch mit der Einschätzung des Gerichts zu tun, die einige Fragezeichen hinterlässt. Denn mit den Urteilen können die beiden Vereine und ihre Spieler gut leben. Das überrascht nicht, denn das von einigen erwartete Exempel wurde am Mittwochabend nicht statuiert.

Urteile sind eine Farce

Der einzige Spieler, der zweifelsfrei überführt wurde, hatte sich mit seiner strategisch klugen Abmeldung selbst aus der Schussbahn genommen. Für das Gericht eine augenscheinlich unbefriedigende Situation. Also verurteilten die Mitglieder des Kreisjugendsportgerichts die drei Spieler, denen man überhaupt etwas nachweisen konnte. Bauernopfer, könnte man denken.

Doch die sechswöchigen Sperren sind genauso eine Farce wie das zweimonatige Spielverbot. Die Rückrunde der Landesliga beginnt Anfang Februar. Also in rund sieben Wochen. Da die Sperren ab dem 19. Dezember wirksam sind, hält sich die Ausfallzeit also in Grenzen, um es vorsichtig auszudrücken.

Frage der Verhältnismäßigkeit

Hinterfragen muss man in diesem Zusammenhang auch die zehnmonatige Sperre gegen den Stadtlohner Spieler, der in einer Sprachnachricht mehrere Stunden nach dem Spiel Gewalt angedroht hatte. An Dummheit ist so eine Aktion zwar nicht zu übertreffen, aber eine Drohung schwerer zu bestrafen als eine wirkliche Tat, kann man zumindest hinterfragen. Das Gericht wollte ein Exempel statuieren – aber an der falschen Stelle.

Das Traurige: SuS Stadtlohn und die SpVgg Vreden werden es (vorerst) nicht sein, die zeitnah unter dem Schiedsrichtermangel zu leiden haben. Stattdessen dürfen die Jugendmannschaften und unteren Kreisligisten die Suppe auslöffeln.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt